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Autonomes Fahren: Wenn das Paket selbst fährt

DPD und Aachener Automobilexperten präsentieren autonome Fahrzeugkonzepte – Praxistest soll 2017 starten

"Autonomes Fahren ist das Zukunftsthema für die Automobilindustrie", sagt Ralf Kalmbach, Head Global Automotive bei A.T. Kearney. Der Experte rechnet damit, dass innerhalb von 15 Jahren die Technik so weit ausgereift ist, dass vollautomatisiertes Fahren auch ohne Kontrolle durch einen Menschen möglich ist. Doch nicht nur die Autobauer beschäftigen sich mit dem Thema. "Auch für den Paketmarkt sehen wir Einsatzmöglichkeiten, die den Paketversand noch komfortabler machen und für mehr Effizienz in der Innenstadt sorgen", sagt Univ.-Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein, Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen University.

Durch die immer größere Paketmenge steigt die Verkehrsbelastung in den Städten stetig. Das hat DPD veranlasst, gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen (fka) Aachen und dem Institut für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen University einige Szenarien zum Einsatz automatisierter und autonomer Fahrzeugkonzepte zu entwickeln. Zur Unterstützung der Zusteller kann autonomes Fahren schon bald eine wichtige Rolle auf der letzten Meile spielen, lautet ihr Fazit. Gerade im städtischen Raum können dann (teil-)automatisierte Systeme ihre Arbeit erheblich erleichtern.

Zustellung kann effizienter werden

So könnten Zusteller autonom ins Liefergebiet gelangen und während der Fahrt die Routen optimieren. Deutlich mehr Potenzial bieten der Untersuchung zufolge Konvoifahrten autonomer Fahrzeuge (Platooning). Dabei folgen ein paar autonome Fahrzeuge einem bemannten Führungsfahrzeug zu einem Treffpunkt in Großstadtnähe, an dem die Zusteller zusteigen und auf herkömmliche Weise ihre Zustelltour beginnen. Die gewonnene Zeit könnten sie für ihre Kernaufgabe der Paketzustellung nutzen.

Automatische Parkpiloten könnten laut den Experten die Zustellung effizienter machen. Sobald der Zusteller eine Adresse erreicht, verlässt er das Fahrzeug mit mehreren Sendungen. Der Wagen sucht eine Parklücke in direkter Umgebung und parkt dort ein. Sobald der Zusteller alle Pakete abgegeben hat, findet er das Fahrzeug über die GPS-Position und die Anzeige auf seinem Handscanner wieder. Die Zeitersparnis durch autonome Parkvorgänge kann nach Einschätzung der fka pro Tag bis zu 40 Minuten betragen.

Für die Zustellung in Fußgängerzonen könnten dann autonome Mini-Transporter zum Einsatz kommen. In diesem Szenario folgt ein kleiner Wagen mit einer Ladekapazität von 15 bis 20 Paketen dem Zusteller in Schrittgeschwindigkeit. Der herkömmliche, große Lieferwagen wird in der Zwischenzeit außerhalb der Fußgängerzone geparkt. Oder, noch besser, er fährt die Fußgängerzone autonom von verschiedenen Seiten an, um für ein Umladen der Pakete bereitzustehen. Der Mini-Transporter sollte fest in der Fußgängerzone stationiert sein, etwa im Warenlager eines kooperierenden Kunden.

Kunde bestimmt selbst, ob er am Abend Pakete empfängt

Für die Zustellung spät am Abend wurde folgendes Szenario entworfen: Ein mit Fächern ausgestattetes autonomes Fahrzeug steuert eigenständig den Zustellort an. Dort identifiziert er anhand von GPS-Daten das auszuliefernde Paket und befördert es zu einer Ausgabeklappe an der Seite des Autos. Der Kunde wird derweil über die DPD-App von der Ankunft des Zustellfahrzeugs informiert und kann die Entnahme des Pakets über ein Eingabefeld am Fahrzeug oder die Verknüpfung per Smartphone-App autorisieren. Der Kunde kann so selbst bestimmen, ob er Pakete auch sehr spät am Abend in Empfang nehmen will.

Weil die Zahl der Retourenpakete immer weiter steigt, sollte dieses Fahrzeug auch der Paketaufgabe dienen. Dazu scannen die Kunden einfach ihre Pakete, übermitteln digital die Zieladressen und legen die Pakete in eine Serviceklappe des Wagens. Darüber hinaus ist vorstellbar, dass Kunden per App das Lieferfahrzeug fernsteuern, das in einem bestimmten Liefergebiet umherfährt und Pakete ausliefert. Der Empfänger wird automatisch informiert, sobald das Fahrzeug da ist.

"Angesichts der juristischen Rahmenbedingungen wird es in diesem Branchensegment allerdings noch viele Jahre dauern, bis in Deutschland fahrerlose Fahrzeuge in größerem Stil gewerblich genutzt werden können", resümiert ika-Leiter Eckstein. Er hält eine rechtssichere Serienanwendung solcher Zustellkonzepte ab dem Jahr 2025 für realistisch. Dennoch will DPD nächstes Jahr einen Praxistest mit autonomen Fahrzeugen in Ludwigsburg, Karlsruhe oder Hamburg starten. Der Pilotbetrieb soll zeigen, inwieweit sich Zusteller entlasten lassen.

Auf lange Sicht sind auf der letzten Meile neue Zustellkonzepte mit einem hohen Automatisierungsgrad denkbar. Es sei aber nicht zu erwarten, dass der autonom fahrende Roboter künftig an der Haustür klingeln wird. Der menschliche Zusteller werde nach Ansicht der Experten auch in Zukunft die Hauptrolle spielen.

Autor

Foto

DPD

Datum

16. November 2016
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