Doddle, Paketshop, Großbritannien Zoom

Doddle: Paketservice pur

Die britische Kette Doddle will beweisen, dass man mit reinen Paketshops Geld verdienen kann.

Der Engländer Lloyd Marshall Dorfman will eine Regel brechen. Sie heißt: Mit reinen Paketshops kann man kein Geld verdienen. Seit 14 Monaten versucht Dorfman gemeinsam mit dem britischen Bahninfrastrukturbetreiber Network Rail zu beweisen, dass es doch geht. Sie haben die Paketshopkette Doddle gegründet. Im September 2014 nahm der erste Shop den Betrieb auf. 43 Shops waren es jetzt im Oktober.

Die Partner gehen so vor, wie Dorfman es schon einmal gemacht hat, als er Travelex gegründet hat: Erstelle ein Konzept, eröffne einen Laden, bilde eine Marke. Zur Markenbildung treten alle Läden in einem durchgestylten Farbsystem auf. Der Grundton ist violett, ergänzt wird nur mit weiß und schwarz. Der Firmenname prangt in weißen Lettern auf violetten Leuchtschildern, auf violetten Wänden in den Shops, auf den als Versandmaterial angebotenen Pappkartons und Klebebändern, auf T-Shirts, Polohemden und Schürzen, die Mitarbeiter in den Parcelshops als "Parcelista" ausweisen.
Das Konzept von Doddle ist Paketservice pur. Kunden können nur Pakete abholen und verschicken oder Retouren abgeben. Da wird kein Geld mit Zigaretten verdient, kein Lottoschein angenommen, kein Druck- und Kopierservice angeboten, kein Büromaterial verkauft. Aber der Paketservice ist bis spät in den Abend hinein verfügbar, geht schnell und einfach. Dafür arbeiten in einem Shop in der Regel drei Parcelistas. Zwei bedienen die Kunden an den Theken im Frontoffice. Ein Mitarbeiter arbeitet im abgetrennten Lager. In Regalreihen für mehr als hundert Pakete hat jeder Regalplatz einen Barcode. Platz und Paket werden beim Einlagern per Scan miteinander verheiratet. Beim Auslagern zeigt der Scanner den Regalplatz an. Dann wird die Sendung durch ein Wandöffnung nach vorne in den Laden geschoben. Dort scannt ein Mitarbeiter die Ausgabe an den Kunden und lässt sich den Empfang quittieren.

Hat der Empfänger ein Doddle-Abo, sind alle Abholungen kostenlos, und auf die Versandpreise gibt es zehn Prozent Rabatt. Das Abo kostet knapp sieben Euro monatlich. Nicht-Abonennten zahlen für eine Abholung derzeit fast 2,80 Euro. Die Abgabe von Retouren an die 25 Versandhändler, die mit Doddle zusammenarbeiten, ist für den Besteller kostenlos. Hier trägt der Händler die Doddle-Gebühr.

Doddle testet Services

Alle Kernprozesse laufen bei Doddle standardisiert und EDV-gestützt. Darüber hinaus wird jedoch viel getestet und probiert. Das gilt auch für die Lage der Shops. Dank des Gesellschafters Network Rail hat Doddle Zugriff auf Immobilien an Bahnhöfen. Aber weniger als zehn Shops liegen direkt in den Commuter-Stations, den Pendler-Bahnhöfen Londons. Doddle hat daneben andere hoch frequentierte Standorte ausgemacht, darunter sechs auf dem Gelände von Universitäten. Die meisten der 43 Doddle-Shops sind in London, wenige in Glasgow und Brighton.

Doddle testet auch Zusatzservices, die das Kerngeschäft erweitern sollen, etwa die Nachbarschaftsabholung. So haben Empfänger aktuell in zwei Londoner Stadtteilen die Wahl, ob sie ihr Paket in einem Shop abholen oder zwischen 18 und 22 Uhr bei einem Doddle-Agenten in der Nachbarschaft. Als Agenten gesucht wurden vor allem nicht-berufstätige Eltern oder Rentner. Für die Annahme und Ausgabe der Pakete erhalten die Agenten einen Tablet-Computer, auf dem eine Anwendung für das Sendungsmanagement installiert wurde.

Ebenfalls in London probiert Doddle den Runner-Service. Die Boten, die zu Fuß, per Bus oder U-Bahn unterwegs sind, holen alles ab, was sie tragen können und versandt werden soll. Sie kommen innerhalb einer Stunde nach Bestellung, nehmen auch unverpackte Sendungen mit und liefern sie am nächsten Doddle-Shop ab, wo verpackt und verschickt wird.

Noch ist Doddle nicht den Beweis angetreten, dass mit dem Konzept unterm Strich Geld verdient werden kann. Aber 85.000 Kunden haben sich laut Doddle bei dem Unternehmen registriert. In den ersten zehn Monaten wurden 150.000 Pakete bearbeitet. 40 Prozent waren Abholungen, 40 Prozent Paketversand und 20 Prozent Retouren. Mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt die Kette. 33 Millionen Euro wollten die Partner Dorfman und Network Rail ursprünglich investieren. Ab dem vierten Quartal 2016 rechnen sie mit schwarzen Zahlen.

Autor

Foto

Ludwig-Michael Cremer

Datum

11. Dezember 2015
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