Einsatz von Schiff und Bahn, Südsalz Zoom

Südsalz: Kompetenz ausbauen

Kein Geschäft schwankt so stark wie das mit Auftausalzen. Deshalb will das Unternehmen Südsalz seine Distributionslogistik zurückholen – Insourcing statt Outsourcing.

Hinsichtlich des Winterwetters haben Ullrich Neumann und seine Kollegen eine ganz besondere Vorstellung von perfekten Verhältnissen: Temperaturen um den Gefrierpunkt, nachts anziehend, gerne feucht. Neumanns Arbeitgeber ist das Unternehmen Südsalz, das zu den Südwestdeutschen Salzwerken (SWS) gehört. Von Heilbronn aus steuert der gebürtige Hamburger die Wertschöpfungskette von Südsalz. Das Unternehmen hat als Komplettanbieter zum einen Lebensmittelsalze – wie das bekannte Bad Reichenhaller Salz – aber auch Auftausalze sowie Salze für Industrie und Gewerbe im Portfolio. Mehr als drei Millionen Tonnen Speise-, Industrie- und Auftausalze befördert Südsalz pro Jahr in rund 120.000 Transporten.

Südsalz muss immer in der Lage sein, Auftausalz zu liefern

Den genauen Winterwetterverlauf kann aber immer noch kein Meteorologe voraussagen. Südsalz muss daher bei einem spontanen Wintereinbruch immer in der Lage sein, Auftausalz zu liefern und zwar in beliebig großen Mengen und mit dem entsprechenden Transportequipment. Darüber hinaus decken laut Neumann etwa die Autobahndirektionen der Länder ihren Bedarf zunehmend über große Ausschreibungen. "Auch um Liefertreue und Qualität zu gewährleisten, müssen wir daher einen stärkeren Zugriff auf das Transportequipment haben, um fristgerecht und vertragskonform zu liefern."

Eine Herausforderung besonderer Art ist dabei, dass alle Salzanbieter hinsichtlich des Transportequipments im Wettbewerb zur Bauindustrie steht, umso mehr, da zunehmend etwa mit frostsicherem Zement gearbeitet wird. Bei einem spontanen Wintereinbruch kann es so zu Engpässen auf dem Transportmarkt kommen, da die Transportunternehmen ihre Fahrzeuge vielerorts noch im Baubereich im Einsatz haben. Um dies zu verhindern und die Qualität der Logistik sicherzustellen, hat der SWS-Vorstand daher eine Insourcing-Strategie für die Logistik beschlossen.

"Die Transportplanung erfolgt heute über zwei Hausspediteure, die sich zu dem Joint-Venture S+W Logistik zusammengeschlossen haben", beschreibt Neumann die derzeitige Situation. Quasi als Lead Logistics Partner (LLP) organisiert und leitet das Joint-Venture alle Straßentransporte.

Neumann will die Logistikkompetenz im Haus weiter ausbauen

Neumanns Credo lautet: Über das Supply-Chain-Management  die Wertschöpfung zu koordinieren und damit eine bessere Kundenfokussierung zu erreichen. Deswegen will er die Logistikplanung wieder zurück zu Südsalz bringen. "Dadurch haben  wir wieder den direkten Kontakt zu den Kunden und zum Transportequipment." Ab April 2014 soll es soweit sein: "Wir werden wieder die Transportaufträge selber vergeben." Bis dahin will Neumann mit seinen Mitarbeiter die entsprechende Logistikkompetenz im Haus weiter ausbauen, um dann gemeinsam die neuen Aufgaben anzugehen.

Darüber hinaus soll die künftige Südsalz-Logistik auf zwei Säulen stehen. Eine davon ist der Einsatz von Gebietsspediteuren. "Wir haben bereits Transportdienstleister selektiert, die die Aufgabe einer künftigen Gebietsspedition übernehmen könnten". Selektiert heißt, dass die Transportunternehmen im Vorfeld ein Screening durchlaufen. Kriterien sind dabei etwa finanzielle Stärke, die strategische Ausrichtung und das nötige Transportequipment. "Wichtig ist mir aber vor allem eine langfristige Zusammenarbeit", sagt Neumann. Rund zehn bis 15 Unternehmen sollen dann  künftig die Südsalz-Kunden mit loser und verpackter Ware beliefern.

Das hauptsächliche Liefergebiet liegt dabei laut Neumann »unterhalb des Salzlimes« – der verläuft von Sachsen und Südthüringen über das südliche Rheinland-Pfalz bis zum Saarland. "Die Transportkosten sind eine mitentscheidende Wettbewerbsposition", sagt Neumann.

Das Salz kommt mit dem Binnenschiff

Die zweite Säule der Südsalz-Logistik ist der Einsatz massentauglicher Verkehrsträger, auch zur Optimierung der CO2-Bilanz. Kein Zufall, dass die Südwestdeutschen Salzwerke zu 51 Prozent an der Reederei Schwaben mit Sitz im Stuttgarter Hafen beteiligt sind. Im Bereich Industriesalze erfolgt laut Neumann die Belieferung bereits hochgradig per Schiff. So versorgt Südsalz seit 140 Jahren die Produktionsstätten eines der größten deutschen Chemiekonzerne im Rhein-Neckar-Raum, zum Großteil per Binnenschiff. Auch außerhalb der Industriekunden sieht Neumann Potenziale. Auftausalze mit einem hohen Volumen können im sogenannten Frühbezug fernab der Winterdienstsaison per Binnenschiff oder Bahn zu den Zentrallägern der Kunden befördert werden. "80 Lkw-Transporte machen eine Schiffsladung aus", sagt der Logistikexperte.

Dazu passt, dass nach dem heftigen Winter 2009/2010 viele Bundesländer wie Bayern wieder Zentralläger für Auftausalze eingerichtet haben. Um eines dieser Lager etwa in Bayern zu bedienen, transportiert Südsalz ab Heilbronn das Salz mit dem  Binnenschiff zum Regensburger Hafen, wo das Unternehmen eines seiner Zwischenlager unterhält. Dort wird die Schiffsladung "geleichtert", sodass das nun teil-beladene Schiff die nicht ausgebaute Donauschleife passieren und bis zum Kundenlager in Deggendorf weiterfahren kann.

Bei neuen Standorten soll eine multimodale Ausrüstung vorhanden sein

Für die multimodale Nutzung sollen eigene Läger – wo nötig – aufgerüstet werden, bei neuen Standorten soll von vornherein eine multimodale Ausrüstung vorhanden sein, um etwa eine Anfahrt mit Ganzzügen zu ermöglichen. "Da, wo wir können, wollen wir die Anbindung an Schiff und Bahn haben", sagt Neumann.

In Heilbronn ist Südsalz da hervorragend aufgestellt: Der Standort verfügt über einen Anschluss an Schiene und  –  über den Neckar – an die Wasserstraße. Gleichzeitig befindet sich unter dem Firmengelände das größte Steinsalz-Bergwerk in Europa mit insgesamt 800 Kilometern an Stollen.

Dort, wo keine Förderung mehr stattfindet, kommt ein neuer Geschäftszweig der SWS zum Tragen: Das Tochterunternehmen Umwelt, Entsorgung und Verwertung (UEV) nutzt die Hohlräume zur Entsorgung von Abfällen mit hohem Sicherheitsstandard. Seit dem zurückliegenden Dezember hat die Südsalz-Logistik darüber hinaus die Entsorgungslogistik für die UEV übernommen. Somit können auch hier Synergien hinsichtlich des Transportequipments genutzt werden. "Und wir verstärken unsere prozessübergreifende Kundenfokussierung", sagt Neumann.

Das Unternehmen

Südsalz hat seinen Sitz in Bad Reichenhall und produziert Salze für Industrie, Gewerbe, Haushalt und den Winterdienst. Das Unternehmen gehört zu den Südwestdeutschen Salzwerke mit Sitz in Heilbronn. Die Gesellschaft hat insgesamt fast 1.200 Mitarbeiter und ist in den Bereichen Salz, Entsorgung und Logistik tätig. Jährlich fördert der Konzern SWS insgesamt fünf Millionen Tonnen. Im Geschäftsjahr 2011 erzielten die Südwestdeutschen Salzwerke einen Umsatz in Höhe von rund 101 Millionen Euro.

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Kurt Taube

Datum

7. Februar 2013
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