Finanzierung: Die Logistikbranche Zoom

Kostendruck : Wieder Tritt fassen

Die Logistikbranche steht unter massivem Kostendruck. Die Insolvenzgefahr ist so groß wie in keiner anderen Branche. Für kleine und mittelständische Betriebe wird es immer schwieriger, an frisches Geld zu kommen.

Die Banken- und Wirtschaftskrise macht auch den Unternehmen der Transport- und Logistikbranche zu schaffen. Vor allem die kleinen und mittelgroßen Betriebe, die hier stark vertreten sind, kämpfen mit Schwierigkeiten zum Beispiel bei der Kreditvergabe.
Das Risiko, zahlungsunfähig
zu werden, hat sich in der Branche zwar leicht verringert. Es liegt aber immer noch doppelt so hoch wie im deutschen Durchschnitt, wie der Wirtschaftsforscher Dr. Benjamin Mohr jüngst beim Mittelstandsforum der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Mannheim berichtete.

Sparte Verkehr/Logistik ist mit einer Ausfallquote von rund vier Prozent Spitzenreiter

Ein aktueller Fall ist die Insolvenz der traditionsreichen Spedition Friedrich Koch aus Osnabrück. Mit einer Ausfallquote von rund vier Prozent ist die Sparte Verkehr/Logistik trauriger Spitzenreiter. Dabei haben besonders die kleinen Firmen zu kämpfen. Je kleiner der Betrieb, desto größer ist laut Mohr das Insolvenzrisiko.

Ganz gut aufgestellt sei bei einer Eigenkapitalquote von 27,6 Prozent dagegen der logistische Mittelstand. Für den Verband der Vereine Creditreform hat Diplom-Volkswirt Mohr die aktuellen Finanzierungsrisiken für Transport- und Logistikunternehmen untersucht.

Für die Betriebe wird es laut Mohr immer schwieriger, an frisches Geld zu kommen, weshalb die Eigenkapitaldecke bei fast allen schmilzt. Sie ist wiederum ein wichtiger Indikator zur Solvenz-Einschätzung eines Unternehmens und stellt aus dem Blickwinkel der Bank eine Absicherung gegen Kreditausfälle dar. Bei Betrieben im Landverkehr liegt die Eigenkapitalquote laut Credit-
reform-Hochrechnung nur bei zirka 13 Prozent (Gesamtwirtschaft/GW: 24 Prozent).

45,2 Prozent der Logistikunternehmen stellten im vergangenen halben Jahr einen Kreditantrag

Innerhalb der zurückliegenden sechs Monate stellten 45,2 Prozent der Logistikunternehmen einen Kreditantrag (GW: rund 30 Prozent). Dabei haben die Banken als Finanzierungsquelle die Nase weit vorne mit mehr als der Hälfte der Kredite, vor Leasing und Eigenmitteln. Doch die Anforderungen an die Unternehmen sind insgesamt gestiegen und die Gefahr einer Kreditablehnung ist in der Branche deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Jede fünfte Kreditanfrage wurde abgelehnt, im Bundesdurchschnitt traf es nur jede zehnte.
Die Zahlungsmoral der Logistiker ist etwas schlechter als der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt, obwohl die Forderungsverluste in der Branche geringer sind. So müssen sich Gläubiger von Transport- und Logistikfirmen durchschnittlich 13,67 Tage gedulden, bis eine offene Rechnung bezahlt wird (GW: 13,61 Tage). Dabei liegt die Branche vor dem Baugewerbe (15,01 Tage) auf dem vorletzten Platz.

Pessimistisch ist die Branche beim Thema Erträge. Während die Gesamtwirtschaft positiver in die Zukunft blickt, erwartet das Transport- und Logistikgewerbe weiterhin schlechte Einnahmen. Geschuldet sei dies vor allem dem großen Kostendruck durch steigende Energie- und Dieselpreise bei geringeren Einnahmen.

Da wundert es nicht, dass es die Branche schwer hat, an bezahlbare Kredite zu kommen. "Dass die Banken bei einer Umsatzrendite von zwei, im besten Fall vier Prozent nicht jubeln, ist auch klar", sagt Jörg Schneider, Verkehrsexperte der IHK Stuttgart, auf Nachfrage. Er verweist auf die De-minimis-Beihilfen als klassisches Instrument.

"Finanzierung ist kein großes Problem"

Beim Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV) kommt die Anfrage überraschend: "Finanzierung ist im Moment aus unserer Sicht kein großes Problem", sagt Statistik-Referent Reinhard Lankes. Zwar sei es sicher so, dass betroffene Unternehmen das Problem nicht an die große Glocke hängen würden. "Doch gravierende Probleme erfahren wir", sagt Lankes. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung gaben für das zweite Quartal 2012 nur zwei Prozent der Unternehmen an, durch Finanzierungsengpässe in ihren geschäftlichen Aktivitäten behindert zu werden – so wenige waren es zuletzt vor acht Jahren. Im Krisenjahr 2009 klagten darüber 18 Prozent der Speditionen. Dagegen wird der Fachkräftemangel bereits bei mehr als einem Viertel der befragten Spediteure zum Problem.

Beim aktuellen Creditreform-
Geschäftsklimaindex ist die Transport- und Logistikbranche das Schlusslicht. Die Auftrags- und Geschäftslage unter den deutschen Unternehmen ist zwar gut, das wirtschaftliche Klima bleibt aber angespannt und die Erwartungen sind verhalten. Auch beim Bonitätsindex befindet sich die Branche auf dem letzten Platz wieder. Es gibt also noch einiges zu tun.

Was aber können Unternehmen konkret tun, um finanziell auf sicheren Füßen zu stehen und nach außen positiv wahrgenommen zu werden? Auf Nachfrage empfiehlt Mohr, mehr finanzielle Transparenz zu schaffen und Zahlen offenzulegen. Unternehmen sollten ihre Liquidität nach Möglichkeit verbessern und ihre Eigenkapitalquote erhöhen. Eine weitere Maßnahme könne sein, das Forderungsmanagement zu verbessern und transparent zu gestalten. "Behalten Sie den Überblick über Ihre Ausstände", rät Volkswirt Mohr.

Guter Kontakt zur Hausbank als Grundlage bei der Kreditvergabe

Bei der Finanzierung seines Unternehmens vertraut Spediteur Kurt Grieshaber seit Jahrzehnten auf die örtliche Sparkasse als Partner, auch wenn es mehr Möglichkeiten gibt. "Fleiß, Ausdauer, Zuverlässigkeit und Kundenorientierung sind gemeinsame Werte, die Vertrauen schaffen", sagte der Unternehmer im Rahmen einer Veranstaltung der Dualen Hochschule Lörrach. "Wer es schafft, transparent und proaktiv mit seiner Bank zu kommunizieren, wird sich mit Krediten nicht schwertun", so der Mittelständler.

Auch der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) sieht einen langfristigen und vertrauensvollen Kontakt zur Hausbank als Grundlage bei der Kreditvergabe. "Wenn die Hausbank stets mit aktuellen Geschäftszahlen und Hintergrundinfos auf dem Laufenden gehalten wird – gerade wenn es mal nicht so gut läuft –, wird man dort bei Kreditwünschen sicherlich auf einen aufgeschlosseneren Gesprächspartner stoßen", sagt BGL-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Karlheinz Schmidt. "Wenn man frisches Geld braucht, sollte ein durchdachter Geschäftsplan vorhanden sein, aus dem die Bank ersehen kann, dass es sich um eine sinnvolle Investition und nicht um Luftbuchungen handelt", rät er.

Kreditmöglichkeiten

  • Mittelstandsanleihen
    Übertragbare Inhaberschulverschreibung, fest oder variabel verzinslich (§793 ff, BGB)
    Vorteile: keine Sicherheiten nötig, mehr Flexibilität, unabhängig von Kreditpolitik der Banken
    Nachteile: Als Voraussetzungen müssen  Unternehmensrating, gebilligter Wertpapierprospekt, testierte Jahresabschlüsse und Halbjahresberichte sowie jährliche Folgeratings vorliegen.
  • Kredit von der Hausbank
  • Kredit von einer Großbank
  • KfW-Kredit
    Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hilft mit Unternehmerkrediten bei der Finanzierung von Immobilien, Büroräumen, Ausstattung und Betriebsmitteln und selbst bei Firmen-
wagen für Mitarbeiter, jedoch nur eingeschränkt beim Kauf von Nutzfahrzeugen. Wer seine Flotte um emissionsarme Lkw 
erweitert, kann hierfür einen Zuschuss beantragen (www.kfw.de unter der Rubrik Inlandsförderung).
  • De minimis
    Im Rahmen des Förderprogramms des Bundesamts für 
Güterverkehr werden neue Sicherheits- und Umweltschutzmaßnahmen für Fahrzeuge, Mitarbeiter und zur Effizienz-
steigerung im Unternehmen mitfinanziert, zum Beispiel 
Telematiksysteme, Berufskleidung und Partikelfilter.

Risiken senken und Chancen schaffen

Das rät Dr. Benjamin Mohr, Finanzexperte bei Creditreform
Außendarstellung

  • mit Betriebszahlen offensiv umgehen
  • regelmäßig, richtig und frühzeitig mit Banken und Finanzdienstleistern kommunizieren

Controlling

  • Bilanzstruktur verbessern, beispielsweise durch eine höhere Eigenkapitalquote
  • vorausschauend planen: Soll- und Ist-Stand abgleichen
  • Finanzkennzahlen verbessern

Risikomanagement

  • Reputations- und Vermögensrisiken reduzieren
  • Kundenbonität prüfen
  • Konsequentes Forderungsmanagement betreiben

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Datum

8. August 2012
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