Ausbildung, Nachwuchsprobleme, Grundqualifikation Zoom

Ausbildung: Quereinsteiger legen zu

Die neuesten Zahlen zeigen es – eine Lösung des Nachwuchsproblems ist nicht in Sicht. Die Zahl der Azubis stagniert auf hohem Niveau, doch viele schmeißen vorzeitig hin. Dabei gewinnt die beschleunigte Grundqualifikation an Attraktivität.

Aktuell lassen sich bei deutschen Transportunternehmen 7.322 junge Menschen zum Lkw-Fahrer ausbilden, darunter 260 Frauen. Das geht aus den neuesten Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Berlin hervor. Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge ist im Jahrgang 2013/14 mit 3.206 BKF-Azubis erstmals wieder leicht gesunken. Ein weiterer kritischer Punkt:  Von den 2.416 Lehrlingen, die vor drei Jahren begonnen haben, sind 2.087 zur Prüfung angetreten, 1.736 haben sie am Ende bestanden. Die Quote der Abbrecher von knapp 30 Prozent liegt damit etwas über dem Durchschnitt aller Ausbildungsberufe.

Oft mangelnde soziale Kompetenz der jungen Leute

Die Begründungen aus der Branche sind immer wieder dieselben: die oft mangelnde soziale Kompetenz der jungen Frauen und Männer. Dabei folgt meist sofort die Einschränkung, die Mädchen, die sich für diesen nach wie vor männerdominierten Beruf entscheiden, hätten nicht nur die besseren schulischen Leistungen, sondern seien später auch gründlicher, beispielsweise bei der Aufbereitung der ­Frachtpapiere. Manchmal machen sich die jungen Menschen schlicht und einfach ein grob falsches Bild ihres zukünftigen Berufs, betont Adalbert Wandt, Präsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und selbst ausbildend, immer wieder gerne auf Vorträgen. Im Rahmen von Praktika sollten Interessenten ohne Druck ausprobieren, ob sie sich unter den gegebenen Wettbewerbsbedingungen ein Berufsleben am Lenkrad eines Lkw wirklich vorstellen können, rät Wandt.

Vielleicht gibt aber auch die Vita von Marc-Phillip Fehde Aufschluss über die Probleme. Der junge Mann aus Freiburg absolviert gerade seine dreijährige Ausbildung bei der Spedition Dischinger aus Ehrenkirchen. Begonnen hat er seine Lehre bei einem Transport­unternehmen aus der Re­gion – und hätte dort fast das Handtuch geworfen, weil er, wie er es beschreibt, nichts lernen durfte, sondern sich als billige Arbeitskraft im Lager ausgenutzt fühlte. Kein Einzelfall, wie regelmäßige Gespräche mit jungen Fahrern immer wieder ans Tageslicht bringen.

Junge Leute brechen ihre erste Ausbildung ab und finden ihren Traumberuf in der Logistik

Es finden sich unter den Lehrlingen aber auch immer wieder junge Menschen, die ihre erste Ausbildung abbrechen und in ihren Traumberuf wechseln. So wie Timo Pfaff aus Schwenningen. Die Lehre als Steinmetz beendete er vorzeitig und folgte seinem Vater zur Spedition Effinger in Brigachtal. Dort konnte er die Ausbildung verkürzen und ist nun Teil des Teams.

Vor allem die mittelständischen Ausbildungsbetriebe unternehmen vieles, um für sich und die Branche zu werben: Besuche in den Schulen, Ausbildungsmessen, Nutzfahrzeugtage auf dem städtischen Marktplatz. Und dennoch sei es im letzten Jahr viel schwieriger geworden, motivierte junge Leute zu finden, berichtet die Spedition Nuss aus Wörth. Auch weil die vielen kleinen Transportbetriebe bei konzertierten Aktionen wie der Bildung einer neuen Berufsschulklasse eben doch nicht so mitziehen, wie es nötig wäre.

Nuss ist allerdings das Paradebeispiel, dass sich konsequente Ausbildung zwar lohnt – aber die Jugend in boomenden Wirtschaftsregionen wie zum Beispiel dem Raum Karlsruhe die Freude der Wahl hat. Waren es bislang immer fünf bis sieben BKF-Azubis pro Jahrgang, so sank die Zahl der Bewerber bei Nuss deutlich auf zwei Lehrlinge. Diese werden, wie es der Lehrplan vorsieht, über die einzelnen Stationen im Betrieb für den Beruf fit gemacht. Auch das Vorurteil, viele Azubis seien bei Lehrbeginn zu jung, wiederlegt Nuss: Michael Kühn etwa hat bei Nuss neben der Ausbildung in der Werkstatt so lange Lkw auf dem Betriebsgelände rangiert, bis er den Führerschein CE mit genau 18 Jahren ausgehändigt bekam. Mit bestandener Prüfung bekam er den Code 95 – und darf nun allein gewerblich Lkw fahren.

Konstanter Anstieg beim Erwerb des Lkw-Führerscheins Klasse C/CE

Die größte Überraschung ist wohl die positive Entwicklung bei den Teilnehmern der beschleunigten Grundqualifikation, der 140-stündigen Ausbildung mit anschließender Prüfung vor der IHK (siehe Kasten links unten). Viele Experten hatten bei der Einführung des Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzes 2009 vor einem massiven Einbruch beim Erwerb des Lkw-Führerscheins Klasse C/CE gewarnt. Nun scheint das Gegenteil einzutreffen – ein konstanter Anstieg in den letzten vier Jahren bei gleichbleibend hoher Bestehensquote der zugegeben nicht sehr schweren Abschlussprüfungen. Wie aus einzelnen IHKs zu vernehmen ist, sind es ein paar "Unverdrossene", die bereits zum fünften oder sechsten Mal den Anlauf nehmen und verhindern, dass die Quote auf 90 Prozent steigt. Mittlerweile verlangen die lokalen Agenturen für Arbeit aber eine konkrete Stellenzusage eines künftigen Arbeitgebers, damit sie die bis zu 12.000 Euro für Schulung und Arbeitslosengeld bezahlen.

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Autor

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Bergrath

Datum

19. März 2014
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