Christian Küppers, Clarissa Dewald, Berufsschüler Köln Zoom

Ausbildung: Lehrern fehlt es an Praxiserfahrung

Energieeffizienz Logistik heißt ein Projekt des Steinbeis-Zentrums in Sinsheim. Es will die Ausbilder in den beruflichen Schulen für das Thema sensibilisieren. Aber auch Praktiker sind eingebunden.

Gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück mit 125.000 Euro, setzt das Projekt Energieeffizienz Logistik seinen Schwerpunkt auf die Qualifizierung von Ausbildern, Lehrern und Azubis an beruflichen Wirtschaftsschulen. Um jedes Thema entsteht ­quasi ein Bildungsdreieck zwischen Lehrer, Ausbilder und Azubi.

"Train the trainer"  - Berufsschullehrer  erhalten Infos und Impulse für den Unterricht

Nach dem Prinzip "train the trainer" erhalten die Berufsschullehrer durch praxis­bezogene Workshops und Exkursionen mit Ausbildungsleitern von Speditionen und Logistikunternehmen wichtige Impulse und Informationen für den Unterricht. So führte eine Fortbildung die Lehrer der Sinsheimer beruflichen Max-Weber-Schule zu Comazo nach Albstadt, wo es um die nachhaltige Herstellung von Qualitätstextilien unter Berücksichtigung der Supply Chain ging. Bei den Nachhaltigkeitstagen der Friedrich-List-Schule in Mannheim stellte Eva-Diana Hunt, Nachhaltigkeitsbeauftragte von Pfenning Logistics, deren Logistikimmobilie Multi­cube Rhein-Neckar vor, deren Energieverbrauch nach Unternehmensangaben 40 Prozent unter der Richtlinie der Energiesparverordnung liegt.

256 Azubis und 92 Lehrer waren mit von der Partie

Seit dem Start im Juli 2012 haben sich 256 Azubis an dem Projekt beteiligt. Es handelt sich dabei um angehende Kaufleute für Industrie oder Spedition und Logistikdienstleistung sowie ­Lagerlogistiker. Mit von der Partie waren auch 92 Lehrer. Angestoßen hat das sogenannte Dekade-Projekt der Vereinten Nationen Jens-Jochen Roth. Er leitet das Steinbeis-Innovationszentrum Logistik und Nachhaltigkeit in Sinsheim und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit ökologischem Transportmanagement.

Lehrer sensibilisieren

"Nicht immer kommen die Speditionslehrkräfte aus der Praxis", sagt Roth. Bisweilen sei er erstaunt über ­mangelnde Praxiskenntnis. Daher sind zusätzlich zu den Schulen auch Logistikunternehmen mit an Bord: Klumpp + Müller aus Kehl am Rhein, Kellershohn aus Lindlar, MB Logistik aus Sinsheim und DB Schenker Deutschland mit den Geschäftsstellen Köln und Rostock. Ziel ist es, die Kompetenzen nachhaltiger Entwicklung langfristig in Schulen und Betrieben zu verankern, indem Lehrer sensibilisiert und im Unterricht mit Arbeitsmaterialien unterstützt werden.

Ziel ist es, Wissen weiterzugeben

Die Module sind so aufgebaut, dass sie sowohl im Betriebsschulunterricht als auch im Rahmen von Qualifizierungen im Betrieb genutzt werden können. "Wir binden die Auszubildenden von Beginn an mit ein. Ziel ist es, dass sie ihr Wissen an die anderen Kolleginnen und Kollegen in den jeweiligen Abteilungen weitergeben", sagt Michael Spohr, Ausbildungs­leiter bei DB Schenker Landverkehre/Logistik in Köln.

Gemeinsam mit anderen Projektteilnehmern wurden dort zwei Workshops organisiert. Aber auch die zuständige Berufsschule Alfred-Müller-­Armack Berufskolleg hat bereits mehrere Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit abgehalten, berichtet Spohr. "Wir möchten durch unsere Teilnahme am Projekt bei den Ausbildern die Kompetenzen nachhaltiger Entwicklung langfristig stärken. Dieses Wissen soll an die Auszubildenden weitergegeben werden", sagt Spohr. Das Potenzial für mehr aktiven Umweltschutz sei auf jeden Fall da, meint Spohr, etwa "in den Themenfeldern E-Mobilität in der Logistik, multimodale Verkehre und regenerative Energien in der Logistik".

Lehrplan für Energieeffiziente Logistik

Am Wirtschaftsgymnasium könne Umweltmanagement außerdem als Wahlfach etabliert werden – eine Pilotschule in Baden-Baden habe dies bereits umgesetzt. Leicht modifiziert könnten die Materialien auch an anderen Schulen genutzt werden, so Roths Vision. Doch in den Rahmenlehrplänen der Länder müsste das Fach Energieeffizienz und Nachhaltigkeit nach Meinung Roths und seiner Partner ebenfalls auf Dauer verankert werden. Es gibt also noch einiges zu tun. Auf dem Lehrplan für energieeffiziente Logistik stehen verschiedene Grund- und Aufbaumodule – von umweltbewussten Lieferketten bis Elektromobilität wird dabei vieles vermittelt.

In der Praxis bedeutet ein mehr an Ökologie fast immer, dass auch die Kosten gesenkt werden. Für die Spedition Klumpp + Müller aus dem badischen Kehl ist das Projekt "ein hervorragendes Anschauungsobjekt, um unsere ganz­heit­liche Sicht auf die Logistik zu demonstrieren", wie der Projektverantwortliche Winfried Reimer betont. "Durch unsere Infrastruktur mit eigener Technik, eigenem Fuhrpark und der Trimodalität erbringen wir Logistikdienstleistungen im Selbsteintritt, die bei anderen Unternehmen nur zugekauft werden können", erklärt er.

Azubis arbeiten an gewichtsoptimiertem Auflieger

Bei Klumpp + Müller arbeitet ein Azubi-Team, das Reimer mit Rat und Tat unterstützt, an einem gewichtsoptimierten ­Auflieger, der Zellstoffrollen vom Hafen Kehl zum Kunden in den Schwarzwald fährt. Das Ziel: Künftig soll eine Rolle mehr Platz finden.
3.850 Lkw-Fahrten im Jahr werden bisher getätigt, 280 davon sollen eingespart werden. "Die Schwierigkeit liegt darin, dass das Produkt nicht teilbar ist und die Einsparung pro zusätzlicher Einheit zwei Tonnen erbringen muss. Unser Ladungszielgewicht liegt bei
28 Tonnen", sagt Reimer.

Was sie dafür tun? "Wir drehen an vielen Schrauben, um das Ziel zu erreichen: beispielsweise ein spezieller fester Aufbau, Extra­sicherungssystem, Leichtlaufreifen mit Alufelgen, besonderer Boden, gewichtsoptimierte Rahmen, Zugmaschine mit kleinen Dieseltanks, kleines Führerhaus, Spoiler, zwei Liftachsen." Außerdem hat die Spedition eine Plane bedrucken lassen, die jetzt auf einem Auflieger für das Projekt Energie­effizienz Logistik wirbt.

Auch die Vereinten Nationen haben das Potenzial des noch recht übersichtlichen Projekts erkannt: Im Oktober 2013 wurde es von der Deutschen UNESCO-Kommission als offizielles Projekt der UN-Bildungsdekade für nachhaltige Entwicklung 2013/2014 ausgezeichnet – als einziges aus der Transport- und Logistikbranche. "Das freut uns ungemein", sagt Roth. Wer sich an dem Vorzeigeprojekt beteiligen will, muss keine hohen Kosten fürchten. "Auch der Aufwand ist eher gering", sagt Roth. Allerdings sollte er sich beeilen. Das Projektende naht: Im ­Januar 2015 ist vorerst Schluss.





Azubi-PraxisProjekte

Spedition Klumpp + Müller, Kehl am Rhein

Thema: Einsatz gewichtsoptimierter Sattelanhänger/-züge
für mehr Energieeffizienz und als ideale Kundenlösung

Ziel: zwei Tonnen mehr Nutzlast, eine Zellulose-Einheit
mehr pro Fahrzeug und dadurch weniger CO2.

DB Schenker Rostock/Lalendorf

Thema: Innovative Schienenlogistik

Ziel: mehr Kombinierter Verkehr auf der Verbindung Ostsee in Richtung Süddeutschland und Alpenregion mit Kundenbeteiligung.

DB Schenker Köln

Themen: E-Mobilität, multimodale Verkehre, regenerative Energien

Ziel: enge Verzahnung der Azubis mit dem Betrieb in Sachen  Ökologie. Austausch von Know-how im Rahmen von Workshops und Veranstaltungen.

Spedition Kellershohn, Lindlar

Thema: Ökocontrolling, CO2-Fußabdruck, grüne Logistik

Ziel: Wissensvermittlung und kritischer Blick auf Prozesse mit und durch die Auszubildenden schärfen, um Ressourcen effizienter einzusetzen.

Portrait

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Foto: Roth, Montage: Frieser

Datum

6. Mai 2014
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