VW Crafter TDI 5 Bilder Zoom
Foto: Karl-Heinz Augustin

VW Transporter

Neuer Crafter mit vielen Extras

Der VW Crafter bietet ein ganzes Füllhorn an Extras, die dem Fahrer das Leben leichter machen sollen. Viele davon arbeiten im Verborgenen, wie es die Ausfahrt zeigt.

Zur ersten Ausfahrt tritt der neue Transporter aus dem polnischen Wrzesnia als Kastenwagen mit Hochdach an. Unter der Haube werkelt der 130 kW (177 PS) starke 2,0-Liter-Diesel. Schon bei der Vorstellung im vergangenen Jahr haben die Aggregate durch die Bank mit ihrer kräftigen Abstimmung überzeugt. Das ist auch bei der Topmotorisierung nicht anders. 177 PS und 410 Nm Drehmoment schieben den Crafter auch bei höheren Geschwindigkeiten mächtig an. Dabei überzeugt das Triebwerk – angesichts der nutzfahrzeugspezifischen Abstimmung ist der nutzbare Drehzahlkorridor recht eingeschränkt – besonders beim Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen. Die Drehmomentwelle setzt früh an und schiebt den Transporter bis zur Endgeschwindigkeit von 165 km/h vor sich her.

Der Preis für all diese Pferde ist nicht sehr hoch. Laut Werksangabe genehmigt sich der Crafter 7,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Diese Marke verfehlt er zwar auf der Testrunde, genehmigt sich aber mit 8,8 Litern nur einen geringen Aufschlag von 17 Prozent.

Viel Komfort und hohe Qualitätsanmutung

Die längste Tour führt den Crafter samt Tester mehr als 600 Kilometer gen Süden, genug Zeit also, um den Komfortfaktor und die Fahrassistenzsysteme auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Gerade auf langen Strecken zeigt der Crafter in der getesteten Konfiguration seine bequeme Seite. Bereits die per Rändelwalze fest einstellbaren Armlehnen verbessern die Ergonomie an Bord deutlich. Auch die Qualitätsanmutung ist stimmig, dem Konzernbaukasten sei Dank. Und sogar das PUR-Multifunktionslenkrad wirkt hochwertig. Der Schwingsitz lässt den Lenker wie auf Wolken sitzen. Erst nach acht Stunden Fahrt meldet sich der Rücken ganz leise zu Wort. Wenn schon die Optik und die Qualitätsanmutung auf gutem Pkw-Niveau liegen, erreicht der Fahrerarbeitsplatz ein noch angenehmeres Level.

Der Beifahrer bekommt allerdings die besonders in unbeladenem Zustand robuste Charakteristik der Federung voll zu spüren. Neben dem Pkw-Gefühl im Innenraum ist die verbaute Elektronik ein erheblicher Bestandteil des Pakets, mit dem sich VW von der Konkurrenz absetzen will. Der Testwagen wartet mit Lane Assist, Abstandstempomat, Flankenschutz, Seitenwind- und Parkassistent sowie weiteren Helfern auf. Grundsätzlich vermitteln Lane Assist und Tempomat auf der Autobahn und teils auch auf anständig ausgebauten Landstraßen das Gefühl, der immerhin knapp sechs Meter lange Transporter fahre ganz von selbst – automatisiert. In der Praxis fordert die elektronisch wachende Hand den Fahrer jedoch nach einigen Sekunden dazu auf, bitte wieder selbst das Lenkrad zu übernehmen. Doch auch dann entlastet das Kompendium an elektronischen Helferlein enorm. Der Tempomat hält stets die Augen offen und ist in engem Zwiegespräch mit dem Rest der Sensorenphalanx.

Unterm Strich bleibt positives Gesamtbild

Ein Beispiel ist eine Landstraßenkurve, landestypisch steht der Tempomat auf 90 km/h. Beim Einfahren erkennt das System, dass die Geschwindigkeit etwas zu optimistisch gewählt ist. Also geht der Crafter selbstständig vom Gas, noch bevor das ESP regelnd eingreift. Die Elektronik hat aber auch ihre Schattenseiten. Speziell auf der Autobahn tritt ein seltsames Phänomen auf. Bei Überholvorgängen, aktiv oder passiv, exerziert der Wagen in dem Moment, wenn er das andere Fahrzeug passiert, einen leichten seitlichen Schlenker. Für die Fahrsicherheit ist das zwar nicht gefährlich, das Popometer nimmt die seitlich einwirkenden Kräfte jedoch deutlich wahr. Bei Lkw verstärkt sich der Effekt noch. Es läge also nahe, dass Seitenwind oder der Bernoulli-Effekt (Ansaugung) zwischen den beiden hohen Fahrzeugen verantwortlich ist.

Tatsächlich tritt das Phänomen bei abgeschaltetem Lane Assist aber nicht auf. Ähnlich anfällig für Gespenster ist der Parkassistent. In der Regel arbeitet er tadellos und zirkelt den Transporter in zwei bis drei Zügen in die Parklücke. An manchen Stellen jedoch begehrt die Elektronik auf. Das Umfeldradar schlägt an und legt rückwärts ohne Not eine Vollbremsung ein. Unter dem Strich bleibt dennoch ein positives Gesamtbild. Die VW-Taktik, sich mit der neuen, komplett eigenen Entwicklung abzusetzen, geht auf. Seine Langzeitqualitäten muss der Crafter noch beweisen.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 08/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Ford Transit Custom

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Datum

5. Juli 2017
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