VW Multivan gegen Mercedes V-Klasse 9 Bilder Zoom
Foto: Annemone Taake

VW Multivan gegen Mercedes V-Klasse

Alte Fehde

Mercedes will ab Herbst dem VW T5 mit dem neuen Vito den Rang ablaufen. Ob das gelingen kann, verrät ein Vergleich des Multivans mit der bereits präsentierten V-Klasse.

Aller guten Dinge sind drei – Mercedes startet den nächsten Angriff im Dreitonnen-segment. Nach der V-Klasse 1996 und dem ersten Vito 2003 folgt im Herbst die Baureihe VS20 des Kastenwagens Vito. Bevor der das Licht der Welt erblickt, soll es schon einmal die V-Klasse bei den Großraumlimousinen richten. Im Fokus von Mercedes sind dabei die vergleichbaren Fahrzeuge von VW: Multivan, Caravelle und Transporter. VW stiftete der Transporter-klasse nicht nur den Namen, sondern beherrscht das Segment auch seit Jahren.

Mercedes will dem T5 zu Leibe rücken

Neues Auto, neues Glück – kann Mercedes mit der neuen Baureihe dem mittlerweile elf Jahre alten T5 zu Leibe rücken? V-Klasse und Multivan stellen sich stellvertretend dem Vergleich und gewähren einen Ausblick auf den anstehenden Wettbewerb ihrer Brüder aus der Arbeiterklasse. Mit dem 132 kW starken Biturbo-Diesel unter der Haube geht es mit dem VW über die Autobahn. Trotz kräftigem Drehmoment von 400  Newtonmetern liegt die Stärke des Fronttrieblers vor allem in entspannten Rollphasen. Dazu trägt das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) einiges bei, das bei Teillast durch die Gänge springt, ohne die Zugkraft zu unterbrechen, und in Schubphasen den Transporter nahezu widerstandsfrei rollen lässt.

132 kW und Siebengang-DSG sind für Multivan und Transporter die Topkonfiguration. Für kleinere Ansprüche bietet VW seinen Zweilitermotor auch in den Leitungsklassen 62, 75, 84 und 103 kW an. Zudem stehen Handschalter mit fünf beziehungsweise sechs Gängen in der Preisliste. Typisch für die Fahrzeugklasse: Beim Antriebsstrang ist zwischen Multivan und Transporter kein Unterschied auszumachen.

Multivan: Enge Verwandtschaft mit Transporter

Auch im Innenraum des Multivans – zumindest bis zur B-Säule – ist die Verwandtschaft mit dem Transporter kaum zu leugnen. In beiden thront der Fahrer auf komfortablem Gestühl hinter dem steil stehenden Lenkrad und wird kaum durch Umgebungsgeräusche belästigt. Viel Freude bereitet das Fahrwerk des T5. Unebenheit schlucken die Dämpfer gekonnt weg. Auch in Sachen ESP ist der VW prima abgestimmt.

Nach gut 600 Kilometer Fahrt sind Zweifel berechtigt, ob es wirklich möglich ist, in der Dreitonnenklasse ein besseres Auto auf die Räder zu stellen. Bevor es ans Steuer der Mercedes V-Klasse geht, ist ein Rundgang ums Fahrzeug angebracht. Zumindest von der B-Säule nach hinten hat sich an der Linienführung im Vergleich zum Vorgänger kaum etwas geändert. Es scheint, als hätte Mercedes nur an der Front Hand angelegt und trägt mit rund zehn Zentimetern zusätzlicher Schnauze dem Passantenschutz Rechnung. Dennoch finden sich bei genauerem Hinschauen optische Veränderungen.

Viel Komfort in der V-Klasse

So duckt sich die V-Klasse etwas flacher (trotz nur zwei Zentimeter Unterschied) als ihr Vorgänger und rangiert damit neun Zentimeter unter dem T5. An den Laderaummaßen für den ­Vito dürfte sich damit nur wenig ändern. Zeit, im neuen Mercedes Platz zu nehmen.
Wer Nutzfahrzeug-Ambiente gewohnt ist, wird in der V-Klasse vom Komfort fast erschlagen. Leder, Holz und Aluminium, so weit das Auge reicht, Wohlfühlsitze mit sehr guter Seitenführung und eine Multimedia-Ausstattung, wie sie manches Wohnzimmer nicht bietet.

Das Testfahrzeug hört auf den Namen V250: das bedeutet Top-Motorisierung und Pkw-Variante. Mit dem V soll sich der Transporter bei den Brüdern wie E-, S- oder G-Klasse einreihen. ­Viano ist passé. Den Grundstein dafür hat Mercedes bereits mit dem Vorgängermodell gelegt, indem die Bordelektronik beim Viano anders als beim Vito aus der Pkw-Welt kam.

Wenig Unterschiede dürfte es beim Antriebsstrang geben. Den 2,1-Liter-Vierzylinder bietet Mercedes in Leistungsstufen mit 100, 120 und 140 kW an. Letztere ist auch im Testfahrzeug verbaut und soll den Sechszylinder ersetzen. Im Vito ist zudem eine kleinere Motorvariante denkbar, die aus der Renault-Allianz kommen könnte. Das würde sowohl dem Fahrzeugpreis als auch dem Flottenverbrauch gut tun.

Sport-Modus steigert Leidenschaft des Motors

Genug der Theorie: den Wählhebel des Siebengang-Automatikgetriebes auf D stellen und los geht’s. Der Vierzylinder soll zeigen, ob er dem Konkurrenzprodukt gewachsen ist. Dazu steht der wählbare Fahrmodus auf "Sport". Das hat nicht nur Einfluss auf die Schaltzeitpunkte, sondern steigert auch die Leidenschaft des Motors bei Gaspedalberührungen. Alternative Modi sind "Comfort", "Eco" und "Manuell".

Beim Betätigen des Kickdown-Schalters springt die Automatik flink zwei Stufen zurück, um der Motorleistung die nötige Übersetzung für die Beschleunigung zuzubilligen. Auffällig ist, dass die Automatik noch gefälliger durch die Gänge wechselt als DSG im VW. Mit 140 kW ist der V250 solide ausgestattet. Dazu gibt es einen kurzzeitigen Overboost von 10 kW, der dann auch das maximale Drehmoment von 440 auf 480 Nm anhebt. Trotzdem wirkt die V-Klasse im Antritt etwas müder als der VW mit weniger Leistung und niedrigerem Drehmoment.

Mercedes und VW bei Fahrwerk gleichauf

Das Fahrwerk der V-Klasse macht dafür einen ähnlich guten Job wie das des T5. Bei den Fahrerassistenzsystemen ist der Mercedes dem VW bis auf eine Kleinigkeit auch überlegen. Das ESP könnte etwas subtiler arbeiten. Dafür gibt es die ganze Klaviatur an Sicherheitsfunktionen wie Seitenwind- und Spurwechselassistent sowie Müdigkeitswarner. Für den Start des Vito bleibt zu hoffen, dass Mercedes die Sicherheitssysteme der V-Klasse ebenfalls anbietet.

Mercedes ruft für die Test-V-Klasse in der Grundausstattung 41.330 Euro und damit 5.695 Euro weniger auf als VW für den Multivan. Damit hat sich an der Preisstruktur der beiden Hersteller im direkten Vergleich nur wenig getan. Insgesamt ist die V-Klasse am Ende aber auch ohne den günstigeren Anschaffungspreis insgesamt gefälliger. Wenn Mercedes die guten Anlagen der V-Klasse in den Vito mitnimmt, könnte der dritte Versuch, den Transporter-König zu stürzen, erfolgreich sein.

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4. August 2014
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