Alle Marken
Hier zu allen Marken des Fahrzeugtyps
VDL Futura FMD2-129, Move, Together 14 Bilder Zoom
Foto: Jacek Bilski

VDL Futura FMD2-129

Goldene Mitte

Mitteldecker kommen in Mode - VDL hat mit dem Futura FMD2-129 einen der ersten ins Rennen geschickt. Und der bricht Rekorde.

Die Mitte ist seit jeher kein schlechter Platz, um sich massentauglich im Markt zu positionieren. Sowohl Wahlkämpfer als auch Marketingstrategen wissen davon zu berichten – und haben damit mal mehr und mal weniger Erfolg beim Publikum.

Auch Mitteldecker, also die niedrigere Variante der bekannten Hochdecker, haben gerade Konjunktur. Setra stellte unlängst die hochwertigen MD-Varianten der Comfort-Class vor und am anderen Ende des Preisspektrums will Van Hool die in Mazedonien produzierte preiswerte EX-Baureihe zum Kampfpreis in den Ring schicken.

Nur da dreht schon einer flott seine Runden, der den Trend gewissermaßen vorweggenommen hat und sich derweil über mangelnden Erfolg nicht beschweren kann: der FMD der neuen Futura-Baureihe von VDL, der vom Reisebusbaukasten des FHD abgeleitet ist. Schon oft hat sich dieses Vorgehen  als Erfolgsrezept erwiesen.

Trend geht weg vom Hochdecker

Seit der Euro-6-Einführung Anfang 2014 setzten die Niederländer, deren Hauptaugenmerk zumeist auf Effizienz und Leichtbau liegt, bereits mehr als 160 Busse der Baureihe ab, davon allein 43 des später gestarteten FMD2. Dabei ist nach den Worten von VDL-Marketing-Mann Wim Chatrou seit geraumer Zeit verstärkt ein Trend zu beobachten: weg vom Hochdecker und hin zum 13-Meter-Zweiachser. Ein leichtes für VDL, hat man doch das Gewicht traditionell gut im Griff.

13,6 Tonnen Leergewicht können sich durchaus sehen lassen für den langen Zweiachser, dessen Aufpreis von rund 5.000 Euro auf den kurzen Bruder eine gute Investition ist. Durch den um mehr als 70 Zentimeter verlängerten Radstand schluckt der Kofferraum zwischen den Achsen stolze zwei Kubikmeter mehr als der des FMD2-122. Der Wendekreis des Futura erhöht sich zwar um rund eineinhalb Meter, was sich im Testbetrieb zu keinem Zeitpunkt als Manko herausstellt.

Hier machen sich vor allem die Reisebusgene des FMD2 bemerkbar, so wie auch bei Fahrverhalten und -komfort. Zwar ist die Vorderachse aus dem Hause ZF etwas straff abgestimmt und ein leises Poltern kann sie sich hie und da nicht verkneifen, insgesamt darf man dem niedrigen Futura aber einen hohen Fahrkomfort bescheinigen. Lediglich der Lenkung, hier in der einfachen Version ohne geschwindigkeitsabhängige Servounterstützung, fehlt es etwas an verbindlicher Rückmeldung um die Mittellage. VDL-typisch verzichtet der Hersteller auf teure Gimmicks. Weder adaptive Dämpfer noch eine hydraulisch gelenkte dritte Achse lassen sich ordern. Dafür sollen kurzfristig Abstandsradar und Spurhalteassistent zu bekommen sein. Erste Fahrzeuge befinden sich in Erprobung. Ab Modelljahr 2015 kommen zudem alle neuen Futura mit Zertifizierung nach ECE R66.02 (Überrollstabilität). Später soll sich der Notbremsassistent dazugesellen. Komfort steigernd ist das geringe Geräuschniveau sowohl im Cockpit als auch im Fahrgastabteil. Tolle Leistung – das ist Oberklasseniveau!

369-PS-Maschine ist empfehlenswert

Doch entsprechen auch die Fahrleistungen solch hohen Ansprüchen? Der neue Euro-6-Sechszyliner MX11 von Paccar bringt 369 PS und 1.600 Newtonmeter souverän auf die Straße. Serienausrüstung ist zwar die schwächere Variante mit 330 PS und 1.400 Newtonmeter maximalem Drehmoment. Die sollte man aber mit dem langen Wagen tunlichst nicht kombinieren.

Eine sehr gute Kombination dagegen ist die mit der AS-Tronic von ZF. Deren Abstimmung und Bedienung wurde verfeinert. Flott und kaum spürbar wechseln die Gänge. Nur am kurvenreichen Anstieg an der berüchtigten Solitude-Rennstrecke bei Stuttgart haben Motor und Getriebe ihre liebe Not, gegen die anspruchsvolle Topografie zu punkten. Da hilft nur der manuelle Getriebemodus.  Eine Alpentour wird man also mit dieser Antriebskombination kaum wagen wollen.

Unschlagbarer Vorteil des 10,8-Liter-Aggregates ist dagegen seine Knauserigkeit. Damit lassen sich Werte einfahren, die man ausnahmsweise mit dem Begriff "phänomenal" bewerten muss. 23,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer sind ein Bestwert für die harte Teststrecke von lastauto omnibus. Auf der Autobahn 81 pegelte sich der Verbrauch sogar deutlich unter 20 Litern ein.

Verbrauch im grünen Bereich

Zudem musste der VDL noch die Standard-Überlandrunde absolvieren. Denn auch als klassischer Doppelverdiener bietet sich der Mittel­decker durchaus an. Das Gesamtergebnis von 31,7 Litern im Durchschnitt liegt ebenfalls mehrere Liter unter den Testergebnissen vergleichbarer Fahrzeuge. Neben dem geringen Fahrzeuggewicht dürfte auch die verbesserte Aerodynamik verantwortlich für diese Rekordwerte sein.

Auch das Cockpit des Futura offeriert handfeste Vorteile. Dort findet der Fahrer viele Ablagen und ein griffiges Multifunktionslenkrad vor. Auch die Sicht über die großen Außenspiegel ist hervorragend. Schlechter geht es da schon dem Begleiter, dessen abnehmbarer Sitz etwas zu tief platziert ist und der wiederum einen Mangel an Ablagefächern in Reichweite, auf denen er eine Kladde oder den Laptop ablegen könnte, beklagt.

Aber etwas Potenzial für weitere Verbesserung darf auch ein Vertreter der Goldenen Mitte bieten, der dann doch eher als "Everybody’s Darling" denn als Premiumdampfer punktet.

Rekord-Verdächtig

Als Schluckspechte waren Busse von VDL ja noch nie verschrien, aber dieser Mitteldecker, der als Doppelverdiener genauso gut einzusetzen ist wie als vollwertiger Reisebus auf weniger anspruchsvollem Terrain, hat unter Beweis gestellt, dass er das Zeug zum Verbrauchsrekord hat. Mit 330-Liter-Zusatztank muss der FMD2 erst nach sage und schreibe 2.800 Kilometern zur Tankstelle. Daraus resultieren zudem nur rund zehn Gramm CO2 pro Personenkilometer – sonst ein klassischer Doppeldecker-Wert. Lob verdient zudem die Möglichkeit bei VDL, fast jedem Bus mehrere Rollstuhlplätze einzubauen. Das kann immer noch nicht jeder Hersteller. Und die Preislage des in Mitteleuropa produzierten Wagens dürfte so manchem Sparfuchs als finales Argument zur Unterschrift dienen.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren

Autor

Datum

9. April 2015
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
Fred Dremel, Experte für Sozialvorschriften für das Fahrpersonal im Strassenverkehr, Arbeitszeitrecht , Kontrollgeräte Fred Dremel Sozialvorschriften
Von 1980 bis 2013 Betriebsprüfer Arbeitsschutz in Aachen auf dem Gebiet Sozialvorschriften für… Profil anzeigen Frage stellen
Markus Bauer, Experte für Trucksport Markus Bauer Truck Sport
Redakteur beim ETM Verlag. Truck Sport in allen Variationen ist sein Steckenpferd… Profil anzeigen Frage stellen
Aktuelle Fragen
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.