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Setra S 415 Multi-Class UL business, Fahrzeuge 11 Bilder Zoom
Foto: Karl-Heinz Augustin

Setra S 415 Multi-Class UL business

Sparprogramm

Wer meint, einen Setra muss man sich leisten können, der wird mit der S 415 Multi-Class UL business eines Besseren belehrt – auch wenn Verzicht dazugehört.

Für gewöhnlich pflegt die Daimler-Premiummarke Setra den Nimbus des Exklusiven und Unbezahlbaren gut und gerne. Und das nicht erst seit gestern. Hier wird nicht gekleckert, man tendiert zum Klotzen. Und in so manchem Bereich, wie Elektrik- und Cockpitdesign, richten sich die Ulmer zunehmend komfortabel in der Position als Benchmark ein. Im Reisebussegment, zumal in dessen Luxusbereich, mag dies funktionieren und gewollt sein – die Zahlen geben der Traditionsmarke Recht. Aber trotz guter Margen im Luxussegment lässt sich auch auf der anderen Seite des Marktes mit dem richtigen Angebot gutes Geld verdienen, gerade im Bereich der preiswerten Doppelverdiener, die ohne Pomp und Gloria auskommen müssen. Hier tummeln sich die Kollegen der Schwestermarke Mercedes mit dem zur Multi-Class weitgehend baugleichen Intouro ebenso wie andere Hersteller wie Iveco oder Temsa oder ganz aktuell auch MAN mit dem gerade vorgestellten Lion’s
Intercity.

Kluge Kundenbindungs- und Gewinnoptimierungsstrategie

Was auf den ersten Blick wie das letzte Aufgebot der alten 400er-Baureihe aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als kluge Kundenbindungs- und Gewinnoptimierungsstrategie. Die Modellfamilie, die 2006 gestartet ist, ist seitdem auf mehr als zwölf Vertreter angewachsen in einem feinen Sortiment aus Längen von 10,50 bis 15 Metern und verschiedenen Karosserie-Konfigurationen. Ziel der Übung in eher markenfremder Wortakrobatik ist es, " … mit effizient-sparsamen Ausstattungen einen höchst wirtschaftlichen Einsatz zu garantieren". Oder kurz gesagt: "Weniger ist mehr."

Ein solch umfassender Anspruch lässt sich natürlich kaum mit der hochmodernen, aber auch teuren 500er-Plattform umsetzen. Daher verwendet Setra hier als einzige Baureihe noch die bisherige 400er-Plattform, die das Bild des deutschen Busmarktes der 2000er-Jahre weitgehend dominierte. Techniknerds mögen das bedauern, Kostenkillern stellt sich kaum eine andere Alternative. Und schließlich gehört das Design der "bewährten" Setra-Baureihe beleibe nicht zum alten Eisen – hier zahlt sich das eher dezente, aber langlebige Setra-Longlife-Design aus.

Einstiegspreis unter 200.000 Euro

Freilich, um einen günstigen Einstiegspreis unter 200.000 Euro zu realisieren (der im Übrigen kaum vom Mercedes-Pendant abweicht),  mussten die Produktstrategen so manche Hand anlegen, um den Bus zu "entfeinern", was das Zeug hergibt. Und das fängt schon bei der peppig orangefarbenen Außenhaut an. Das Arbeitstier aus türkischer Fertigung verzichtet auf so manchen Schmuck wie die Markenplakette an der B-Säule oder die lackierten Applikationen an den bis ins Dach reichenden Türen. Serie sind zudem ausschließlich die steile Frontscheibe und die eher robust gehaltenen Spiegel an Metallrohren. Die Verarbeitung ist an sich gut, trotzdem schmerzt der eine oder andere grobe Schraubenkopf im Innenraum oder der von außen durchs Fahrerfenster sichtbare,
fingerbreite Spalt unterhalb des Cockpits.

Den Innenraum betritt der Fahrgast sodann durch Türen, die fast bis ins Dach reichen, also auch für groß gewachsene Menschen ideal sind. Kein Begleitersitz verengt den Durchgang vorne – es gibt den Sitz erst gar nicht. Auch Toilette und Kühlschrank fehlen. Das Cockpit stammt aus der Überlandbaureihe, was seiner bekannten Bedienungsfreundlichkeit keinen Abbruch tut.

Viel Plastik ist mit ausreichend Ablagen gepaart, ein Multifunktionslenkrad sucht man in dieser Klasse ebenfalls vergebens. Wir fühlen uns trotzdem auf Anhieb wohl hinter dem Volant, alles findet sich da, wo es hingehört. Auch die Sicht durch die leicht martialisch anmutenden Spiegel ist durchaus gut zu nennen, wäre da nur nicht das leichte Zittern.

Die Tür zwei gibt es in Breiten von 900 oder 1.380 Millimetern, Letztere ist Voraussetzung für einen Rollstuhllift. Natürlich wird dann auch ein Stellplatz gegenüber der Tür fällig, der von vier einfachen Klappsitzen flankiert wird. Diese Variante beschneidet den mit 5,2 Kubikmetern ansehnlichen und sehr aufgeräumten Kofferraum allerdings auf 4,9 Kubikmeter.

Innenraum ist eher funktional

Der Innenraum selbst ist eher funktional als wohnlich zu nennen, das können auch die serienmäßigen Sitze des Typs "Transit" nicht grundlegend ändern. Gegen Aufpreis sind durchsichtige Kunststoffablagen zu haben, im schnelllebigen Überlandverkehr oft von Vorteil. Weder für Geld noch gute Worte gibt es jedoch eine Konvektorenheizung, und das liegt an der etwas eigenartigen Podestlandschaft des Fahrzeugs, die der Setra mit dem Mercedes Intouro teilt. Durch die Absenkung des Bodens gegenüber dem
H-Wagen um rund 16 Zentimeter auf eine Höhe von 877 Millimetern entfällt zwar eine Stufe zum Mittelgang und die Stehhöhe vergrößert sich dementsprechend, aber über der Vorderachse erhebt sich ein unschönes Podest in gleicher Höhe über zwei bis drei Sitzreihen, wo es etwas stört. Statt der durchgehenden Konvektoren müssen aufgrund dieser bodennahen Topografie vier Gebläseheizer mit jeweils 3,5 kW Leistung für Wärme sorgen. Sollte man vielleicht die besten Plätze im Bus gesondert kennzeichnen?

Nicht der schlechteste Platz ist der des Fahrers vorne links. Und das auch wegen der robusten Fahreigenschaften. Das Fahrwerk der 400er-Baureihe ist betont sicher und ausreichend straff ausgelegt. Der Testwagen irritierte lediglich mit einer um die Mittellage etwas wabbelig agierenden Lenkung, was aber durchaus nicht Setra-typisch ist. Im Heck arbeitet der kleine 7,7-Liter Motor OM 936 mit sauberen Euro-6-Manieren. Zugleich spart das Aggregat einige hundert Kilo an Gewicht. Den nicht ganz ausgeladenen Testwagen beschleunigte die stärkere der beiden angebotenen Leistungsstufen (260 kW/354 PS statt 220 kW/299 PS) mit 1.400 Newtonmeter Drehmoment durchaus zügig. Vor allem in Verbindung mit dem Sechsgang-Automatikgetriebe von ZF liefert sie eine gute Vorstellung ab. Der Kunde sollte jedoch einiges an Hirnschmalz in die Auswahl der richtigen Hinterachse investieren, gerade wenn es dann doch die preiswerteste Ausführung in Form des Schaltgetriebes sein soll. Im ebenfalls schon getesteten Mercedes  Intouro hatten wir unsere liebe Not, mit der Sechsgang-Box zwischen dem vierten und dem fünften Gang den rechten Anschluss ans Drehzahlniveau zu finden.

Auch beim extrem sanft und schnell schaltenden Eco-Life-Getriebe klafft bei Tempo 80 noch eine Drehzahllücke von über 500 Touren zwischen Gang 4 und 5. Es gibt aber sowohl eine längere als auch eine kürzere Achse im Angebot, sodass der Unternehmer den Antriebsstrang genau auf seine Bedürfnisse auslegen kann. Optional ist auch das an dieser Stelle schon hoch gelobte, automatisierte Powershift GO 250-8 im Angebot, was wahrlich mehr Sinn ergibt, will man den Wagen oft auf der Autobahn bewegen.

33 Liter im reinen Überlandeinsatz

Für unseren Geschmack ist die ZF-Box indes die perfekte Paarung für den gemischten Überlandeinsatz. Der Verbrauch von 33 Litern im reinen Überlandeinsatz ohne Autobahnanteil geht in Ordnung. Die Volllastverbräuche an der berüchtigten lastauto omnibus-Bergstrecke im Schwarzwald liegen dabei sogar deutlich unter 100 Liter.

Sicherheit auf hohem Niveau

Das Geräuschniveau des Motors bewegt sich dabei konzeptbedingt nicht auf Reisebusniveau, es wird aber nie unangenehm. Die Sicherheit der Baureihe ist auf einem hohen Niveau – freilich im Rahmen der Vorgaben. Mangels Neukonstruktion  des Aufbaus muss man zum Beispiel auf die 2017 Pflicht werdende Zertifizierung nach der neuen Überschlagrichtlinie verzichten und ab Juli diesen Jahres wird nicht etwa ABA 3 verbaut, sondern aufgrund der alten Elektronikstruktur nur das Notbremssystem AEBS, das auch der Tourismo bekommt und das nicht auf stehende Ziele bremsen kann. Ebenso wird der Spur­assistent (SPA) zu diesem Zeitpunkt lieferbar sein, beides nur bei Klasse-2- beziehungsweise -2- und -3-Zulassung. Alle anderen wesentlichen Systeme wie ESP (optional), Bremsassistent, Reifendruckkontrolle und DBL sind bereits an Bord, das Fahrzeug kann sich also durchaus eines hohen Sicherheitsniveaus rühmen. Denn wenn es etwas gibt, woran auch die Premiummarke Setra auf gar keinen Fall spart, dann ist es die Sicherheit!

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Datum

10. Juli 2015
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