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Renault Alaskan (2018)

Neuer Pick-up aus Frankreich im Test

Renault Alaskan (2018) Foto: Thomas Kueppers 18 Bilder

Mit dem Renault Alaskan muss sich ein weiterer Pick-up-Neuling auf Nissan-Basis im Test beweisen.

08.05.2018 Markus Bauer

Rein optisch will sich der neue Renault Alaskan im schicken Lifestyle-Segment positionieren. Das gelingt ihm dank wuchtiger Chromfront und serienmäßigen 18-Zoll-Rädern auch auf Anhieb. Im Innenraum trägt zumindest die wertigere Ausstattungslinie Intens edles Echtleder. Die Sitze fallen komfortabel aus. Im Fond fehlt es zwar ein wenig an der Kopffreiheit, doch selbst mit 1,87 Metern und direktem Kontakt zum Dachhimmel sitzt es sich auf der wohlgeformten Rückbank erstaunlich bequem. Einzig die steile Sitzlehne könnte auf langen Strecken zum Problem werden. Etwas gedämpft werden die Luxus-Ambitionen vom zwar üppig bestückten, aber haptisch nicht sonderlich hochwertigen Multifunktionslenkrad. Auch der glitzerschwarze Rahmen um das Sieben-Zoll-Display wirkt etwas aus der Zeit gefallen.

Renault Alaskan (2018) Foto: Thomas Kueppers
Die 360-Grad-Kamera ist vor allem in Parklücken ein Segen.

Praktischer Innenraum

Im Innenraum wartet der Alaskan mit vielen praktischen Ablagen auf. Flaschen, Becher, Kleinigkeiten wie der Schlüsselbund und das zum Laden in die USB-Buchse eingesteckte Smartphone finden locker Platz. Allerdings ist das Navi-Display ungeschickt platziert. Der Bildschirm ist einige Grad nach hinten gekippt und spiegelt so schon bei geringer Sonneneinstrahlung extrem. Dazu kommt, dass das Multimediasystem an sich nicht gerade der allerletzte Schrei ist. Zwar ist der Alaskan ein neues Auto, sein Technikspender Nissan Navara hat aber schon einige Lenze auf dem Buckel.

Renault Alaskan (2018) Foto: Thomas Kueppers
Der Nissan Navara als Technologiespender ist nicht zu übersehen.

Offroad ist Paradedisziplin

Vom Navara stammt auch die komplette Fahrzeugarchitektur, was allein schon die Seitenlinie des französischen Pick-ups verrät. Leider überzeugt diese Basis aber nicht in allen Disziplinen. Am wohlsten fühlt sich der Alaskan abseits der Straße. Hier kutschiert er seine Insassen dank Schraubenfedern ringsum durchaus komfortabel über Stock und Stein und kämpft sich wacker durchs Gelände – dank Allrad und Geländeuntersetzung. Bergab hält ihn die Elektronik der Bergabfahrhilfe  zuverlässig im Zaum und lässt den Wagen sachte gen Tal tuckern. Die 360-Grad-Kamera, Serie beim Intens, verschafft dem Fahrer den nötigen Überblick an kniffligen Stellen. Unbezahlbar ist die Kamera aber auch beim Einparken. Denn auf der Straße, eingezwängt in das europäische Maßkonzept, erweist sich der Renault als ziemlicher Brocken. Grundsätzlich fühlt sich der Alaskan ein ganzes Stück größer an, als er tatsächlich ist. Die gebirgige Motorhaube schränkt die Sicht ein. Zudem ist er mit einem Wendekreis von 12,3 Metern nicht gerade handlich. Viel Raum braucht der Fahrer auch beim Schalten. Die Schaltwege des manuellen Getriebes sind unheimlich lang, worunter nicht zuletzt die Präzision leidet.  

Renault Alaskan (2018) Foto: Thomas Kueppers
Viele praktische Ablagen im Innenraum.

Defizite auf der Straße

Ebenso vage verhält sich der Alaskan auf der Straße. Zwar trägt er 255 Millimeter breite Schlappen, hat aber scheinbar zu weiche Stoßdämpfer in die Wiege gelegt bekommen. Ein Pick-up muss gewiss kein Sportwagen sein. Der Renault zirkelt aber selbst dafür etwas zu schwammig um Kurven. Im Gegenzug reicht er Bodenwellen ungefiltert an die Insassen weiter und wirkt selbst bei ebener Fahrbahn etwas stuckerig. Ebenso nonchalant schnappt das ESP zu. Zwar dosiert es die Traktion abseits der Straße sachte, in ambitioniert gefahrenen Kurven wirft es aber vehement den Anker und lässt den Motor auch Sekunden später noch kein Gas annehmen.

Kräftiger Motor spricht langsam an

Die Gedenksekunde ist der Fahrer allerdings eh schon gewohnt. Diese genehmigt sich der Motor nämlich nach jedem Halt. Beim Anfahren braucht der Motor etwas Zeit, bis er Leistung entwickelt. Einmal in Fahrt schiebt das Nissan-Aggregat mit seinen 190 Pferden den gut zwei Tonnen schweren Renault aber ordentlich voran bis knapp an die 200 km/h-Marke. Nimmt man ihm das Gas dann wieder weg, quittiert er dies mit einer kernigen Mischung aus Brüllen und Schnauben.

Erhöhter Verbrauch

Der Pferdestall unter der Haube entwickelt allerdings – nicht nur bei schneller Autobahnfahrt – einen gehörigen Durst. Mit einem Testverbrauch von gut elf Litern Diesel ist er vom Normverbrauch etwa so weit entfernt wie Paris von Tokio. Ein Hardtop könnte diesen Wert sicher ein ganzes Stück verbessern. Pick-ups sind nun mal keine Aerodynamik-Wunder. Immerhin macht das Tanken Spaß. Mit einem hörbaren Röcheln kündigt sich an, dass das Fass nun voll ist. Wer dann noch zwei oder drei Mal die Zapfpistole klacken lässt, bekommt den Tank randvoll. Dabei schwappt glücklicherweise kein Diesel raus. 

Intens-Linie empfehlenswert

Erfreulich kurz fällt die Aufpreisliste aus. Der Kunde wählt zwischen den Ausstattungsvarianten Zen und Intens. Dabei braucht es die Zen-Linie streng genommen gar nicht. Der Preisunterschied zu Intens beträgt lediglich 1.110 Euro netto. Allein die LED-Scheinwerfer, Serie bei Intens, schlagen mit 1.000 Euro zu Buche. Wer dann noch die äußerst empfehlenswerte 360-Grad-Kamera wählt, käme ohne Intens teurer, zumal er damit ja auch Vollleder, Soundsystem und einen höhenverstellbaren Fahrersitz bekommt. Am Ende müsste der Kunde dann lediglich noch für Farbe, Differenzialsperre und Schiebedach extra bezahlen.

Fazit

Unter dem Strich zeigt sich der Renault also als schicke Alternative zum Technologiespender Navara. Allerdings fühlt er sich abseits der Straße deutlich wohler als auf Asphalt. Das führt auch dazu, dass man dem Pick-up ad hoc weniger zutraut, als er tatsächlich auf dem Kasten hat. Denn eigentlich beherrscht er das was ein 4x4-Pick-up können soll ganz gut: Traktion, schwere Lasten ziehen, große Ladefläche und sogar noch ein wenig Blingbling obendrauf.  

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