Mercedes Citan 111 CDI Mixto

Sicheres Fahrverhalten im Winter

Mercedes-Benz Citan 111 CDI Mixto Dauertest Euro 6 Daimler Foto: © Thomas Kueppers 3 Bilder

Ein sicheres Fahrverhalten dank des ausgewogenen Fahrwerks zeichnet den Mercedes Citan im Winter aus. Den positiven Eindruck trübt die ungleichmäßige Heizleistung.

Der Winter liegt nun hinter dem Dauertester der Redaktion. Und der Amarena-rote Mercedes Citan 111 CDI hat sich wacker geschlagen. Griffige Winterreifen von Conti, aber vor allem das gut abgestimmte Fahrwerk haben ihr Scherflein dazu beigetragen. Klar, beim ungestümen Tritt aufs Gas scharrt der verhältnismäßig kräftig motorisierte Lieferwagen ungeduldig mit den Hufen, ansonsten zeigt er aber keine Tendenz zu übermäßigem Untersteuern, sondern lässt sich auch über rutschiges Parkett entspannt bewegen. Das Fahrwerk vermittelt jederzeit ein sicheres Gefühl. Gerade recht kommt in der Winterzeit auch die Klimahalbautomatik Tempmatic (1.289 Euro), die in Windeseile die Scheibe von innen von Beschlag befreit und trotz des recht großen Innenraums – schließlich trennt bei der Aufbauvariante Mixto nur ein Gitter den Lade- vom Fahrgastraum – den Wagen auf angenehme Temperaturen bringt.

Auch die Sitzheizung möchte man bei Temperaturen von minus fünf Grad oder noch weniger nicht missen. Der Winter 2016/17 hatte es in sich. Allerdings fehlt es der Klimaanlage an konstanter Heizleistung und homogener Verteilung der Warmluft, was vor allem auf längeren Strecken auffällt. Mercedes verweist auf die Hysterese, die Über- und Unterschwinger zulässt.

Mixto basiert auf extralangem Radstand

Der Verbrauch hat sich über die Wintermonate im Mittel bei akzeptablen 6,5 l/100 km eingepegelt – auch wenn die kraftstoffsparende Start-Stopp-Anlage unter minus zwei Grad nicht aktiv ist. Auf der Testrunde kam der Lieferwagen mit weniger als 6,0 l/100 km aus, beim Parforce-Ritt auf der Autobahn sind aber auch locker 7,5 l/100 km möglich. Bei herkömmlicher Fahrweise kommt der Citan mit dem 60 Liter großen Tank also locker 900 Kilometer weit ohne Boxenstopp. Eine tolle Sache, auch wenn der Lieferwagen vor allem in der Stadt zu Hause sein dürfte und weniger auf weiten Distanzen.

Jedoch basiert der Mixto grundsätzlich auf dem extralangen Radstand, weswegen der Lieferwagen in engen Gassen und Parkhäusern oft sperrig anmutet. Die Rückfahrkamera (566 Euro), die in den Rückspiegel integriert ist, hilft beim Ein- und Ausparken, wäre aber aufgrund der Übersichtlichkeit der Karosse nicht wirklich nötig. Das Arrangement mit extralangem Radstand (3.081 Millimeter) hat natürlich den Vorteil, dass trotz Sitzplätzen im Fond immer noch genügend Platz bleibt, um Ladung, Werkzeug und Co. im praktisch kubischen Laderaum zu verstauen – der fasst 2,4 Kubikmeter. Wünschenswert wäre nur eine Klappe am Fuß des fix an der C-Säule montierten Lastschutzgitters, um Langmaterial zumindest bis zu den vorderen Sitzen durchzuschieben. Die Sitzbank ist zwar Ein- zu Zweidrittel klappbar, doch das Gitter lässt sich nicht klappen, sondern ist fest verschraubt. Dass der Citan zuletzt drei Lackschäden davontrug, hatte nichts mit winterlichen Verkehrsverhältnissen zu tun, sondern ist in jedem der Fälle der Unachtsamkeit zu verdanken.

Navigationssystem fällt als Ärgernis auf

Weil die Blessuren weder Sicherheit noch Funktion behindern, werden sie erst dann ausgebessert, wenn auch auf die Räder wieder die Sommerbereifung aufgezogen wird. Dann kommt ebenso die Windschutzscheibe an die Reihe, der ein Kiesel einen Schmiss verpasst hat. Zudem verbüßte der Testwagen insgesamt drei Aufenthalte in der Werkstatt. Grund dafür war eine quietschende Bremse an der Hinterachse. Der Servicebetrieb der Mercedes-Niederlassung reparierte aber zunächst nichts, weil er die Funktion der Bremse gegeben sah. Mit der Zeit wurde das Quietschen nerviger, weswegen sich Mercedes selbst der Sache annahm. Eine erste Korrektur blieb ohne dauerhaften Erfolg, erst der zweite Aufenthalt, der mit einem Wechsel der Beläge einherging, schaffte Abhilfe. Gleich zu Beginn des Testzeitraumes verzeichnete das Fahrzeug noch ein defektes Domlager, was ein Knacken sowie einen mangelhaften Geradeauslauf zur Folge hatte. Die Ursache ließ sich nicht zweifelsfrei klären, die Werkstatt reparierte den Defekt daher auf Kulanz.

Während der agile, gut abgestimmte Antriebsstrang klaglos seine Arbeit verrichtet, fällt das Navigationssystem (859 Euro) jedem Nutzer sogleich als Ärgernis auf. Nicht nur, dass die Routenfindung nicht immer den idealen Weg weist und auch den einen oder anderen Stau erst zu spät meldet. Wirklich störend ist das Mäusekino, das noch dazu außerhalb des Blickfelds des Fahrers sitzt, nämlich viel zu weit unten in der Mittelkonsole. Bei Sonneneinfall ist es gar nicht mehr abzulesen. Außerdem ist weder die extrem träge Dreh-Drücksteller-Bedienung noch die Betätigung via Mini-Touchscreen ideal. Um präzise Befehle zu erteilen, muss man schon den Fingernagel zu Hilfe nehmen. Hin und wieder verabschiedet sich das System und lässt sich erst wieder nach dem Dreh am Zündschluss zum Leben erwecken. Schade ums Geld! Jedes Smartphone mit Google-Maps-App leistet bessere Hilfe.

Agiler Motor und straffes Fahrwerk

Zu hoffen bleibt auch, dass der Hersteller mit der bevorstehenden Modellpflege das Ablagekonzept überarbeitet. In dem Bereich des Armaturenträgers fehlen sie völlig, insbesondere ein geeignetes Fach für das Handy ist wünschenswert. Das Fach unter der Armlehne zwischen den Sitzen eignet sich nicht, um Papiere zu sortieren, dafür nimmt es 1,5-Liter-Flaschen schräg auf. In die Seitentaschen der Tür passen die zwar auch, aber dann nichts anderes mehr. Der magere Becherhalter nahe der Mittelkonsole verleiht keinen sicheren Halt. Papiere müssen in der Ablage über Kopf verschwinden, wo man sie allerdings aus den Augen verliert. In der zweiten Sitzreihe fehlen Ablagen oder Becherhalter ebenfalls.

Ebenso sind die Ablagen in den vorderen Türen nicht ideal. Durch die zusätzliche Öffnung relativ weit unten in der Tür purzelt der Eiskratzer schon mal unbemerkt in den Schnee und fehlt dann, wenn man ihn am dringendsten braucht – nämlich am nächsten Morgen, wenn man auf dem Weg zur Arbeit eh schon zu spät dran ist. Gut, dass der Citan dank des agilen 1,5-Liter-Motors aus dem Renault-Aggregate-Regal und des straffen, aber nicht unbequemen Fahrwerks dann auf der Straße wieder einige Zeit gutmachen kann.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Lao 05 2017 Titel
lastauto omnibus 05 / 2017
10. April 2017
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