DAF CF 440 Lightweight 9 Bilder Zoom
Foto: Michael Kern

Fahrbericht: DAF CF 440 Lightweight

Leichte Kost

Gewicht drücken, ohne am falschen Fleck zu sparen? Das ist DAF beim CF 440 Lightweight ganz gut gelungen.

Ein leichtes Mahl, das nicht aufträgt und trotzdem sättigt. So sieht die perfekte ­Diät aus, die nur einen Nachteil hat: Es gibt sie nicht. Wer obendrein zu rackern hat, tut erst recht gut daran, nicht an der Substanz zu kratzen. So kommt es, dass die Mittel beschränkt sind, aus dem Schwerathleten-Lkw einen Leichtfuß zu machen, der sich von Luft und Liebe nährt. Da Tank und Silo aber nun mal nach möglichst wenig Eigengewicht verlangen, bleibt nichts anderes übrig, als den fahrbaren Untersatz wo immer möglich zumindest mal auf Leichtathlet zu trimmen.

Gut dran ist auf jeden Fall, wer wie DAF ­eine etwas bescheidenere Gehäuseversion in petto hat. CF- statt XF-Kabine bedeutet für das Gewicht: Da sind gleich einmal fünf bis sechs Zentner gespart, ohne dass der Fahrer ein allzu eng geschnürtes Korsett zu befürchten hätte. Besonders dann, wenn häufiges Ein- und Aussteigen eine Rolle spielt, kann die CF-Kabine sogar ­extra punkten. Mit nur zwei Stufen und einer Fahrerhaus-Bodenhöhe von gerade mal 1.230 Millimetern macht sie dem Fahrer die Kletterei so einfach wie keine andere Kabine beim schweren Lkw. Drinnen reckt sich allerdings der Motortunnel satte 440 Millimeter als Preis in die Höhe, der dafür zu zahlen ist.

Viel Platz in der Kabine

Obwohl zum Stamm der Schmalen zählend, bietet die 2.260 Millimeter breite CF-Kabine, sofern mit Space-Cab-Hochdach ausgestattet, drinnen beachtlich viel Volumen. Rund acht Kubikmeter umbauter Raum sind es, die das Gehäuse zu bieten hat. Knapp 1,8 Meter Stehhöhe über dem Motortunnel und gut 2,2 Meter vor den Sitzen zeigen, wie gut DAF den Begriff "Hochdach" mit Leben füllt. Fällt wie beim Testfahrzeug die obere Liege weg und ist die untere dafür hochgesetzt, dann lässt es sich auch verschmerzen, dass der CF mit nur einem Außenstaufach aufwarten kann, dessen Fassungsvermögen zudem auf 85 Liter beschränkt ist. Drinnen macht es der CF wieder wett. Unter der Liege und über der Frontscheibe sind insgesamt weitere 550 Liter geschlossenen Stauraums vorhanden. Und zwar außerordentlich praktisch arrangiert.

Reihenweise Gewichtseinsparungen

Keine zweite Liege und ein starrer Beifahrersitz sind beim Interieur die einzigen Abstriche, mit denen DAF die Gewichtsbilanz aufmöbelt. Stärker langen die Holländer dann aber da zu, wo es dem Fahrer so direkt nicht wehtut. Als Skelett dient dem Diät-DAF der sogenannte Lightweight-Rahmen mit reduzierter Trägerstärke, den es seit Kurzem nicht mehr ausschließlich für die Fahrgestelle, sondern eben auch für die Sattelzugmaschinen gibt. Alu bei Tank und Rädern ist Pflicht, ebenso eine Sattelkupplung von der schlanksten Sorte. Vorn fungiert die für solche Fahrzeuge typische Einblatt-Parabel­feder als Achsaufhängung. Natürlich kommt das ZF-Getriebe ohne den 90 Kilogramm schweren Intarder daher. Und unterm Fahrerhaus werkelt sonor kein 13 Liter großer MX-13, sondern der 180  Kilogramm leichtere MX-11-Motor, der es auf genau 10,8 Liter Hubraum bringt.

Diese jüngste Maschine des Hauses, die mit zwei oben liegenden Nockenwellen und variablem Turbo arbeitet, hat DAF kürzlich genauso überarbeitet wie ihren großen Bruder aus der 13-Liter-Klasse. Verfeinert ist zum Beispiel die sogenannte Multipulse-Einspritzung: Neue Einspritzdüsen stehen für ein akkurateres Steuern der Einspritzung, aus deren optimierter Taktung ein ruhigerer Motorlauf resultiert. Dass der MX- 11 sich im DAF CF dennoch eindrücklich zu Gehör bringt, liegt an der Geräuschdämmung der Kabine. Die Isolierung ist dort halt nicht ganz so gut wie beim XF.

Motorbremse lässt sich dosieren

Gefeilt hat DAF darüber hinaus nicht nur an  der Reibung innerhalb des Motors, an der Effizienz von Wasser- sowie Ölpumpe, sondern auch am Biss der Motorbremse. Zwar bleibt es bei maximal 435 Brems-PS, doch verzögert die Kombination aus Kompressions- und Auspuffklappenbremse nun vor allem im oberen Mittelfeld des Drehzahlbands besser als zuvor. Machten sich bisher zum Beispiel bei 1.900/min rund 375 Brems-PS ans Werk, sind es nun knapp 410 PS, die die Fuhre bei dieser Drehzahl zügeln. Mit rund 1.160/min lässt die 2,53er-Hinterachse den Lightweight-CF bei 85 km/h über die Autobahn rollen. Nähert sich ein Gefälle, muss es ­also schon ein doppelter Gangsprung sein, soll die genannte Bremsleistung abgerufen werden. Auf knapp 1.900/min springt dann die Drehzahlnadel im Zehnten. Angenehm ist jetzt – und war auch überfällig – dass sich die Kraft der Motorbremse per Lenkstockhebel portionieren lässt. Gab es früher nur Fortissimo oder gar nichts, so stehen heute in drei Rasten die Stufen 40, 70 oder 100 Prozent zur Wahl.

Apropos Nadeln auf der Uhr: Da die des Tachometers doch etwas dick aufträgt und die genaue Geschwindigkeit schwer ablesbar macht, kann der DAF die aktuelle Geschwindigkeit jetzt zusätzlich in Ziffern auf dem Display anzeigen. Sind die 90 km/h überschritten, erscheint zudem ein Warnsymbol. Auch sonst hat das Infosystem jetzt deutlich mehr zu sagen als vorher. Es gibt nicht nur Auskunft über die täglichen, sondern auch wöchentlichen Lenk- und Ruhezeiten. Und warnt ebenfalls, sobald die jeweiligen Limits (bis hin zu den zweiwöchentlichen Werten) näherrücken.

Lenkpräzision leidet unter Diät

Damit der Lightweight-CF auch beim Verbrauch nicht über die Stränge schlägt, sondern schön Diät hält, hat DAF nun ein "Eco" genanntes Paket geschnürt. Dazu gehören der Ausschluss des manuellen Schaltmodus ab 30 km/h ebenso wie das Fehlen eines Kick-downs. In den Gängen eins bis elf ist zudem das Drehmoment etwas reduziert (um maximal zehn Prozent), und der Limiter steht auf 85 km/h. Das nimmt dem sonst recht quirligen MX-11 in 435-PS-Version doch etwas an Temperament, von dem er reichlich hat: Zwischen 1.000 und 1.450/min fließt das maximale Drehmoment, das 2.100 Nm erreicht. Drüber, aber nur bis 1.700/min zu haben, sprudelt schon konstant die Nennleistung von 435 PS. Lebhaft zeigt sich die sehr direkt arbeitende Lenkung, die wohl etwas unter der Einblatt-Parabelfederung vorn zu leiden hat. Da gibt es eindeutig mehr zu korrigieren als sonst im DAF: Das Sparen beim Gewicht geht eben doch etwas zu Lasten der Akkuratesse des Fahrwerks. 6.680 Kilogramm stehen unterm Strich als fahrfertiges Eigengewicht des Diät-CF zu Buche. Zu den Schlanksten zählt er damit zwar nicht, ­kasteit sich insgesamt aber nicht über Gebühr. Wo er gerne zulegen dürfte, ist klar: bei den Führungsqualitäten der Lenkachse.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 01/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

29. Dezember 2015
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