Dauertest Mercedes-Benz Vito Tourer 116 CDi 4 Bilder Zoom
Foto: Thomas Kueppers

Dauertest Mercedes Transporter

Vito Tourer CDI 116 muss sich beweisen

Ein Mercedes Vito Tourer 116 CDI zieht in den Testfuhrpark von lastauto omnibus ein. Über die Dauer von mindestens einem Jahr und damit einer Laufleistung von um die 50.000 Kilometer muss der Kombi im gemischten Praxiseinsatz nachweisen, wie tauglich er ist.

Brillantsilber Metallic – so heißt der Lack des neuen Dauertestfahrzeugs. Der Name verheißt Werthaltigkeit. Leichtmetallräder (956 Euro) und Privacy-Verglasung (Serie) sind aber schon alle Eigenschaften, die sich der Kombi außen an optischen Extravaganzen gönnt. Das ist gut so, denn er soll vor allem beim wirtschaftlichen Transport von Mann und Material überzeugen. Und so ist die weitere Ausstattung des Fahrzeugs auf Praxis- tauglichkeit ausgerichtet. Unlackierte Stoßfänger vorne und hinten sowie unlackierte Spiegelgehäuse sind zwar nicht die hübschesten Varianten, aber im gewerblichen Einsatz durchaus sinnvoll und bei Streifschüssen zu geringeren Kursen zu ersetzen als die lackierten Gegenstücke. Ebenso lassen sich die konventionellen Halogenscheinwerfer des Testwagens im Schadensfall zu niedrigeren Kosten tauschen als die ebenfalls erhältliche LED-Ausführung.

Bei der Sicherheit wurde aus den Vollen geschöpft

Eine Antriebsleistung von 120 kW (163 PS) klingt zunächst recht üppig bemessen, ist für die lange Version des Vito Tourer bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.100 Kilogramm aber sicherlich nicht zu hoch gegriffen – das gilt gerade in Verbindung mit dem siebenstufigen Schaltautomaten namens 7G-Tronic Plus, der sich bequem per Lenkradschaltung betätigen lässt und in Verbindung mit der Ausstattungslinie Pro Edition sogar Serie ist, aber naturgemäß ein paar PS schluckt. An der Sicherheit wurde auch nicht gespart, sondern aus dem Vollen geschöpft. Das gebietet die Vernunft. An Bord des Testwagens sind alle Sicherheits- und Assistenzsysteme, die der Vito-Tourer-Katalog hergibt und im Fahrassistenzpaket zu einem angemessenen Preis (760 Euro) vereint: nämlich Spurhalte- und Totwinkelassistent sowie Kollisionswarnung. Hinzu kommt das Parkpaket (237 Euro), das den aktiven Einparkassistenten, Parklückenerkennung, Einparkhilfe vorne und hinten sowie eine Rückfahrkamera umfasst.

Ein Extra, das ebenfalls Sinn ergibt, weil es vor kostspieligen Remplern schützt, die bei einem langen Fahrzeug und engen Parklücken allzu schnell passieren. Das System funktioniert beinahe kinderleicht. Erkennt der Einparkassistent eine ausreichend große Parklücke am Straßenrand, bietet er, nach einem Stopp im nahen Umfeld des Parkplatzes und setzen des Blinkers, über das Mitteldisplay an, das Einparken zu übernehmen. Sobald der Fahrer sein Okay per Tastendruck am Multifunktionslenkrad gibt, übernimmt Kollege Computer. Der bugsiert das Fahrzeug mit wenig Federlesen in die Lücke und betätigt dazu elektronisch die Lenkung. Dem Fahrer obliegt es aber nach wie vor, zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang zu wechseln, wozu der Assistent zu gegebener Zeit auffordert. Auch der Gasfuß des Fahrers ist noch gefragt. Und natürlich sollte der Fahrer einen Blick auf den Raum ums Fahrzeug haben.

Vito ist zweckdienlich und robust ausgestattet

Dabei hilft die Rückfahrkamera, die ihr Bild auf das Display des Radios beziehungsweise des Navis (Becker Map Pilot, 173 Euro) projiziert. Der Fahrer kann die Elektronik jederzeit überstimmen und allein mit Hilfe der Kamera und der optischen Anzeigen, die den Abstand zu Hindernissen vor und hinter dem Fahrzeug per Balken signalisieren, einparken. Die lange Tourer-Variante fährt mit einer Gesamtlänge von 5.140 Millimeter vor – eine überaus sinnvolle Spezifikation, wenn neben sieben Insassen inklusive Fahrer (die zweite Sitzreihe umfasst nur zwei Plätze, was einen leichten Durchstieg in die dritte Reihe ermöglicht) auch deren Gepäck noch Platz im Fahrzeug finden soll. Zusätzlichen Komfort für die Passagiere im Fond spendieren die halbautomatisch geregelte Tempmatic-Klimaanlage (591 Euro) sowie die ebenfalls aufpreispflichtige zusätzliche Schiebetür (588 Euro) auf der linken Seite. Funktional ist der optionale 70-Liter-Tank statt der Serienversion mit einem Fassungsvermögen von 57 Liter Diesel. Für 66 Euro Aufpreis sollten rechnerisch laut Normverbrauch Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern möglich sein. Der Adblue-Tank wiederum, der mit Einführung von Euro 6 eingezogen ist und dessen Tankstutzen direkt unter dem des Dieselreservoirs sitzt, umfasst zwölf Liter des Reduktionsmittels.

Etwas Schmuck für den ansonsten zweckdienlich und robust ausgestatteten Innenraum darf noch sein. Dafür zeichnen Lederlenkrad (131 Euro) und Chrompaket Interieur (100 Euro) verantwortlich. Es beschert Chromumrandungen für Instrumententafel, Türverkleidung, Lüftungsdüsen, Klimabedienelemente, Türbedienfeldeinfassung. Das war’s auch schon an aufpreispflichtigen Extras, die sich auf 4.047 Euro addieren, was auch an der schon recht umfangreichen Ausstattungslinie Pro Edition liegt. Vito Tourer Base und Pro Edition trennen beim Grundpreis runde 1.000 Euro. Zur Serienausstattung der Pro-Edition-Linie gehören unter anderem Ausstattungsmerkmale wie die Start-Stopp-Anlage, elektrisch betätigte Ausstellfenster im Heck, Spiegelpaket, Komfortsitze, Sitzheizung, das Radio Audio 15 mit Bluetooth-Freisprechanlage, Regensensor und Komfortfahrwerk. Alles in allem verspricht die Spezifikation einen vielseitig einsetzbaren und zugleich komfortablen Kombi. Der Dauertest wird zeigen, ob diese Annahme in der Praxis Bestand hat.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 11/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

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Datum

16. Oktober 2017
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