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Scania V8 2017 Vorstellung Getriebe 13 Bilder Zoom
Foto: Michael Kern

Active Prediction von Scania

Neues Getriebe senkt den Verbrauch

An Varianten und Finesse hat das Scania-Getriebe mit prädiktivem Tempomat CCAP viel mehr zu bieten als zuvor. Kein noch so gemeiner Berg droht der Schaltautomatik jetzt mehr mit Matt. Als gewöhnungsbedürftig erweist sich vor allem eine der neuen Funktionen.

Sie denken nicht ganz, aber beinahe so weit voraus wie jene Super-Schachcomputer, gegen die heute auch ein Weltmeister des königlichen Spiels gar nicht mehr anzutreten braucht. Vorausschauende Tempomaten: Sie lesen nicht nur die Strecke selbst bei Nacht wie ein offenes Buch. Sie kennen auch die Verbrauchspunkte des Motors in jeder Lebenslage ganz genau. Und halten mit diesem Know-how den Dieseldurst so effektiv in Schach, wie es dem besten Fahrer bloß mit einer großen Portion Glück gelingen kann. Der prädiktive Tempomat dürfte einer der genialsten Züge sein, die auf dem Feld der Verbrauchssenkung je geführt wurden. Kein Wunder, dass jeder Hersteller inzwischen seine eigene Variante in petto hält.

Den Vorreiter bei dieser Art des Angriffs auf den Verbrauch hatte Scania anno 2011 gespielt, verfeinerte die Taktik im Lauf der Jahre per Zutaten wie Ecoroll und Eingriff in die Schaltstrategie. Sein etwas hölzernes, auf starren Rahmen zurückgehendes Wesen konnte er so aber nie ganz ablegen.

Active Prediction bietet Spielraum für Unterschwinger an

Das ändert sich dieser Tage ganz gewaltig. Der hauptsächliche Unterschied zu vorher ist die größere Auswahl an Fahrvarianten. Das macht die Bedienung zwar nicht einfacher, aber vor große Rätsel stellt auch die neue Konfiguration von Scania Active Prediction ihren Nutzer keineswegs. In die Auswahl der Modi gelangt er nicht mehr wie einst per kunstvollem Switch am Lenkstockhebel. Dorthin führt ihn nun ein Druck auf die halbrechts positionierte Lenkradtaste an jener Stelle, wo eine Art Zahnradsymbol zu sehen ist. Prompt poppt im Display das Trio der Symbole auf, die für die Fahrmodi à la Eco, Standard und Power stehen. Die konkrete Wahl des Fahrprogramms geschieht dann per benachbarter Rechts-links-Funktion der großen Lenkradtaste.

Doppelt hält besser: Das Symbol der angewählten Variante scheint jeweils ein zweites Mal auf. Ist immer auch zur Rechten des Tachometers zu sehen und bleibt dort auch, wenn mittig auf dem Monitor die Szene wechselt. Handelt es sich um Eco, tritt wie gehabt ein kleiner grüner Halo um die Rundinstrumente herum zutage. Bei Standard gibt es solche Lichtspiele nicht. Bei Power dann wiederum sehr wohl: Da hüllt sich der Halo – wie mittlerweile gewohnt – in helles Blau. Ganz neu ist aber nun, dass Active Prediction sowohl im Standard- als auch im Ecomodus einen gewissen Spielraum für die Unterschwinger anbietet, mit denen das Fahrzeug dann über die Kuppe schiebt. War das bisher bei Eco starr auf zwölf Prozent weniger als die gesetzte Tempomatgeschwindigkeit fixiert, so stehen nun als zusätzliche Möglichkeiten zehn oder acht Prozent zur Wahl. Bei Standard, bisher auf sechs Prozent festgeschrieben, kommen als neue Unterschwinger-Optionen die Werte von wahlweise vier oder zwei Prozent hinzu.

"Downhill Speed Control" für Talfahrten

Doppelklick auf die Abwärtstaste: Das zaubert im Display den dreigeteilten Balken hervor, auf dem unter dem Schriftzug "Mindestgeschwindigk. einstellen" die jeweilige Stärke der Unterschwinger zu definieren ist. Drei illuminierte Segmente entsprechen dem jeweils höchsten Maß, zwei dem mittleren Maß und einer der Minimallösung. Was davon welchem Prozentwert entspricht, darüber gibt das Mäusekino allerdings keine Auskunft. Das muss der Fahrer wissen. Erfahren wird er es wortwörtlich wenig später aber sowieso. Ist auch diese Entscheidung gefallen, bleibt nur noch das Einstellen von Marschgeschwindigkeit und Limiter. Zuständig ist der Cluster unten im Lenkrad. Und dort geht das auf getrennten Bahnen vor sich. Der Wippschalter zur Linken dient dem Setzen des Marschtempos, der zur Rechten ist fürs Definieren der maximalen Bergabgeschwindigkeit da. Wobei hier gilt: Im Ecomodus liegt der minimal einstellbare Wert für die Bergabgeschwindigkeit fünf km/h oberhalb der gesetzten Marschgeschwindigkeit.

Im Standardmodus sind es drei km/h drüber, die sich als Minimum für Talfahrt ordern lassen. Und: Nach oben hin ist diese Skala neuerdings ziemlich offen. Bis zu 15 km/h oberhalb der Tempomat-Setzgeschwindigkeit reicht die Leiter, auf der da geklettert werden kann. Was nun aber keineswegs bedeutet, dass die Fuhre dann auch besinnungslos mit übermäßigem Zahn dauerhaft zu Tale rauschen kann. "DHSC" alias "Downhill Speed Control", wie Scania dieses neue Merkmal von Active Prediction nennt, verfährt da schon etwas subtiler und hält die Bergabgeschwindigkeit auch bei Settings oberhalb von 90 km/h nach Möglichkeit erst einmal in den gewohnten schicklichen Grenzen, die noch zu keinem Eintrag auf der Fahrerkarte führen. Sie öffnet die Schleusen gegen Ende des Gefälles aber so, dass die Fuhre für maximal ungefähr 35 Sekunden Fahrt bis zu jenem Wert aufnehmen kann, der dem Limiter vorgegeben ist. Einen Eintrag auf die Fahrerkarte gibt es so nicht.

"Pulse and Glide" heißt die zweite Neuerung

Klar ist aber auch, dass dieses Surfen oberhalb der Baumgrenze auf eigenes Risiko geschieht. Kurzum: Um spritsparende Schwungspitzen nach Gusto zu definieren, hat der Fahrer per DHSC jetzt reichlich freie Hand. Diese neue Funktion gibt’s übrigens sowohl im Eco- als auch in Standardmodus. Ohne DHSC, also bei Limiterwerten bis 90 km/h, geht Active Prediction bei seiner Schwungspitzentaktik wesentlich sachter vor und gibt im Standardmodus bei Auslauf des Gefälles für gerade mal vielleicht acht Sekunden einen km/h zu. Im Ecomodus sind’s deren zwei, für die gleiche kurze Zeitspanne. Wer 90 km/h als Obergrenze gesetzt hat, landet somit freilich auch jenseits der tolerierten Grenze, wenn allerdings nur für relativ kurze Zeit. DHSC ist aber nicht die einzige neue Funktion, die Active Prediction jetzt aus dem Köcher ziehen kann. "Pulse and Glide" heißt die zweite große Neuerung im Repertoire.

Sie nutzt den Umstand, dass die Verbrauchskurve des Motors bei starker Last in der Regel sparsamer verläuft als bei nur leicht gestreicheltem Gaspedal. So beginnt dann die Tachonadel zwischen 83 und 87 km/h zu pendeln, sobald Pulse and Glide aktiv wird. Ist sie bei 87 km/h angelangt, verfällt Pulse and Glide mit Vorliebe in Ecoroll, um die Fuhre vor sich hin segeln zu lassen, bis eben wieder 83 km/h erreicht sind. Und dann beginnt das Spiel von vorn, sofern es die Topografie zulässt. Leichtes Gefälle und Ebene sind die Felder, auf denen Pulse and Glide sich vorzugsweise tummelt. Auch wenn er Ähnliches vom standardmodus-typischen Angasen (bis vier Prozent der Marschgeschwindigkeit) in Active Prediction vorm Berg kennt: Für den Fahrer (und für seinen Hintermann erst recht) ist das erst einmal gewöhnungsbedürftig. Zumal ihm nirgendwo angezeigt wird, ob Pulse and Glide nun werkelt oder nicht. Und anders als etwa beim Spurwächter gibt es auch keine Möglichkeit, die Sache temporär auf Eis zu legen.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 08/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

5. Juli 2017
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