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Foto: Stephan Klonk

Zukunftskongress Nutzfahrzeuge 2017

Assistenzsysteme retten Leben

Auf dem zweiten Dekra Zukunftskongress in Berlin fordert Unfallexperte Erwin Petersen, dass Fahrer aktive Sicherheitssysteme nicht mehr deaktivieren können.  

Auf dem Weg zum automatisierten Fahren sind fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme (FAS) unverzichtbare Technologie-Bausteine. Doch trotz der immer weiteren Verbreitung von FAS – wenn auch immer noch nicht flächendeckend – kommt es doch immer wieder auf Autobahnen zu Auffahrunfällen beispielsweise am Stauende. Oft mit gravierenden Folgen für die Unfallbeteiligten. Die Ursachen dafür reichen von Sekundenschlaf bis hin zur Handynutzung. Letzteres tituliert Dr. Erwin Petersen, Vizepräsident der Landesverkehrswacht Niedersachen und ehemaliger verantwortlicher Entwickler solcher Systeme beim Zulieferer Wabco, im Rahmen des 2. Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin. Entsprechend seines Gefahrenpotenzials titulierte Petersen die Handynutzung während der Fahrt mit „Tippen tötet“.

Schwere Auffahrunfälle trotz Notbremsassistent

Doch auch Lkw mit Notbremsassistenten verunglücken immer wieder schwer. Die Gründe dafür können nicht immer sicher festgestellt werden. Sie reichen von zu geringem Abstand über falsche Fahrerreaktionen im Falle eines Falles bis hin zu einem bewussten Abschalten des Systems durch den Fahrer. Das Wiener Übereinkommen erlaubt es den Fahrzeugherstellern nämlich, FAS so auszulegen, dass sie sich abschalten beziehungsweise übersteuern lassen. Dr. Petersen plädiert im Falle des sogenannten Notbremsassistenten beziehungsweise Advanced Emergency Braking System (AEBS) dafür, dass künftige Fahrerassistenzsysteme und insbesondere der Notbremsassistent künftig nicht mehr abschaltbar sind. Petersen kann sich selbst nicht erklären, warum Fahrer überhaupt den Notbremsassistenten mit Vorsatz abschalten. Denn das System wirke sich während der Fahrt nicht auf den Fahrkomfort aus und wirke erst, wenn es auch notwendig ist. Als erster Lkw-Hersteller liefert MAN seine jüngste AEBS-Variante seit kurzem ohne die Abschaltfunktion. Bei allen anderen Herstellern sei diese Möglichkeit entweder im Bordsystem versteckt oder auch offen verfügbar.

AEBS könnte fast ein Viertel aller Auffahrunfälle vermeiden

Nach Berechnungen und laut dem Sicherheitsexperten sind 24 Prozent der Kollisionen vermeidbar durch AEBS. Bezogen auf die bei solchen Unfällen getöteten Beteiligten ließen sich rund 80 Prozent davon vermeiden. Am Ende seines Vortrags gibt Petersen Empfehlungen aus, um das volle Potenzial von AEBS auszuschöpfen. Er empfiehlt die Objektidentifikation zu verbessern, um Fehlwarnungen zu minimieren. Auch müssten die Systeme alle stehende Vorausfahrzeuge zu erkennen. Die Abschaltbarkeit dürfe nicht mehr gegeben sein, Übersteuerungsaktionen müssten weiter entwickelt und optimiert werden. Auch die Kollisionswarnung müsse optimiert und eine zusätzliche Abstandsvorwarnung geben werden. So hätten die Systeme höhere Akzeptanz bei den Lkw-Fahrern, eine verbesserte Wirksamkeit und gäben dem Fahrer im Falle eines Falles angemessene Zeit, um zu reagieren. Damit diese Reaktion korrekt ausfällt, seien entsprechende Schulungen unumgänglich.

Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

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Datum

8. November 2017
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