Shaping Future Transportation 2015, Campus Safety: Neueste Generation Mercedes-Benz OM 471 ; Shaping Future Transportation 2015, Campus Safety: Latest Generation Mercedes-Benz OM 471.; 18 Bilder Zoom
Foto: Daimler

Mercedes-Benz Actros 1845

Alte und neue Generation im Vergleich

An allen Ecken und Enden hat Mercedes gefeilt, um den Verbrauch beim Actros zu drücken. Was das für die Praxis beim 1845 bedeutet, klärt ein Vergleich der Generationen.

Portugal, Algarve: Die Saison läuft an, von Tag zu Tag strömen mehr Touristen an die berühmte Küste, sie hat Hochkonjunktur. Auf der A 22, der Algarve-Autobahn, herrscht trotzdem eine ähnliche Leere wie derzeit in den Hotels von Türkei, Ägypten oder Tunesien: wenig Verkehr im Allgemeinen, der Puls des Schwerlastverkehrs im Winterschlafmodus. Ideale Voraussetzungen also, um unbehelligt ausgedehnte Bahnen nicht im Pool des Hotels zu ziehen, sondern auf jener wenig befahrenen A 22, die zudem ein wunderbar hügeliges Streckenprofil parat hält. Berg und Tal wechseln sich dort in einer so schönen Regelmäßigkeit ab, dass einem vorausschauenden Tempomaten wie PPC ganz einfach das Herz im Leibe hüpfen muss.

Äußerlich fast identisch, vom Innenleben her aber grundverschieden, nehmen zwei Exemplare des modernen Mercedes-Klassikers Actros 1845 den Algarve-Kurs ein ums andere Mal unter die Räder.

Drei Journalistenteams beim Test an der Algarve

Der eine, rot lackiert, markiert den Stand der Technik vor den zwei Modellpflegen anno 2015 und zur IAA 2016. Der andere, in unschuldiges Blütenweiß gewandet, hat alles an Bord, womit Mercedes den Verbrauch gegenüber dem Vorgänger um "bis zu 6,5 Prozent" gedrückt haben will. Ganz wichtig zum Verständnis solcher Zahlen bei Mercedes ist: Diese beziehen sich in aller Regel auf das Streckenprofil der Relation Stuttgart–Hamburg, die das Haus seit vielen Jahren als Referenz für interne Verbrauchsmessungen nutzt. Dort gibt es ja nicht nur stete, aber moderate Berg- und Talbahn wie hier an der Algarve. Denn Stuttgart–Hamburg bedeutet nun einmal auch viel Bergsteigen extremerer Natur, wie in den Kasseler Bergen; zugleich aber auch eine Menge Flachland oben im Norden, auf dem Segment Göttingen–Hannover–Hansestadt. Hier drunten am südwestlichsten Zipfel Europas hingegen, beträgt die Messstrecke exakt 200 Kilometer und erstreckt sich auf die eben durchweg hügelige A 22 zwischen den Wendepunkten Tavira im Osten und Lagos im Westen.

Drei Journalistenteams à zwei Mann sind zugange. Sie tauschen nach jedem Umlauf die Zugmaschine. Die Zugmaschinen ihrerseits wechseln nach jedem Umlauf den Auflieger. So ist sichergestellt, dass jeder Einfluss von Fahrer oder Auflieger aufs Ergebnis der Messungen am Ende ohne verfälschende Folgen bleibt. Start am frühen Morgen in Faro, während der Antike für seine besonders feine Fischsoße berühmt, heute Verwaltungszentrum der Algarve – und mit Sicherheit europaweit führend im Verbau extrascharfer Bremsschwellen auf innerstädtischem Pflaster: Es zieht sich, bis all die Kreisverkehre absolviert und der Autobahnzubringer erreicht ist. Die PPC-Einstellung lautet bei beiden Fahrzeugen –5/+4 km/h, als Fahrmodus ist "Standard" gewählt. "A" leuchtet also unten im Display auf.

Schaltstrategie beim Beschleunigen geändert

Große Unterschiede sind bei der Anfahrt zur Autobahn auf Anhieb nicht zu spüren zwischen Alt und Neu. Oder doch. Ja, da war doch was. Ganz langsam fällt der Groschen: Die Schaltstrategie beim Beschleunigen, sie ist schon einmal tatsächlich nicht die gleiche. Steuert der rote Actros, technischer Stand vor den beiden Modellpflegen von 2015 und 2016, über die Gangsprünge 2–5–8–10–11–12 das vorgegebene Marschtempo von 85 km/h an, greift der weiße Actros mit dem heutigen Stand an Technik bei seinen Schritten weniger weit aus. Statt Fünf auf Acht schaltet er beim Beschleunigen zum Beispiel sachte von Fünf auf Sieben, um dann auf Neun zu springen und von dort aus Gang für Gang Kurs auf den Zwölften zu nehmen. Klarer Fall: Was die Drehzahl angeht, hält der aktuelle Actros den Ball schon einmal etwas flacher als sein Vorgänger. Durch die Lande rollen beide Testfahrzeuge mit der neuen, besonders lang ausgelegten Hinterachsübersetzung von 2,533, die im Vergleich zur vorigen Standardachse mit i = 2,611 Folgendes bewirkt: Statt mit ungefähr 1.200/min zeigt die Nadel des Drehzahlmessers bei 85 km/h dann nur noch auf gut 1.160 Touren.

Da muss im Drehzahlkeller schon gut bei Kräften sein, wer 40 Tonnen die Algarve-Autobahn auf und ab zieht. Zwei bis drei Prozent Steigung sind dort in aller Regel geboten. Und das stellt keinen der beiden Probanden vor nennenswerte Schwierigkeiten. Drei steigungsbedingte Schaltungen fallen jeweils bis zum Wendepunkt bei Tavira an, dem einstmals wichtigsten Hafen der Algarve. Und wieder braucht es ein ziemlich scharfes Auge, um überhaupt Unterschiede zwischen den zwei Technikgenerationen auszumachen: Der 1845 von heute, das wird im Lauf der Zeit immer klarer, der schaltet einerseits einen Tick später zurück als sein Kollege von gestern, andererseits – und mit besonderer Vorliebe – auch einen Tick früher rauf als jener. Er ist aber nicht grundsätzlich so reserviert. Fein dosiertes Beschleunigen vor dem Berg praktiziert er zum Beispiel häufiger als sein Vorgänger. Und als auf halber Strecke bis zum Wendepunkt der steilste Anstieg des gesamten Parcours in Sicht kommt, da fackelt der weißlackierte 1845 überhaupt nicht lange und schaltet gleich vor dem Anstieg noch – und somit sehr wachsam – flugs von Zwölf in Elf. Zieht dann im Elften mit gut 1.000/min locker gen Kuppe, um früh, sehr früh, schließlich in Ecoroll zu wechseln.

Neue Bestwerte bei niedrigeren Drehzahlen

Fast etwas schlafmützig dagegen das Verhalten des roten 1845 am gleichen Berg: Probiert’s, wie weit er im Zwölften kommt. Merkt dann bei gut 1.000 Touren, dass es so nicht weitergehen kann. Und schiebt per doppeltem Gangsprung dann sogleich den Zehnten nach, in dem er nun der Kuppe entgegendampft. Auch mit dem Einlegen von Ecoroll hat er es ein bisschen weniger eilig als sein Nachfolger. Im PPC-Betrieb sind es nur Nuancen, um die sich der Actros in Weiß von dem in Purpur unterscheidet. Anders sieht die Sache übrigens aus, wenn ohne PPC gefahren wird. Da tritt die Fixierung der heutigen Technik auf niedrigere Schaltpunkte viel deutlicher zutage, weil die Technik von vordem – ohne die Hilfe von PPC – doch deutlich drehzahlorientierter agiert, um auf der sicheren Seite zu sein. Allzu üppig nutzt der neue OM 471 – zumindest hier auf der Algarve-Autobahn, mit ihren eher moderaten Bergen – jene besonders niedrigen Drehzahlbereiche aber auch mit PPC nicht, in denen die neue Fassung des 12,8-Liter-Motors die Ur-Version in Euro 6 jetzt deutlich überflügelt.

Hauptsächlich zwischen 800 und 1.000 Touren haben die Techniker die neue Fassung des Aggregats ja kräftig aufgepäppelt. Arg tief taucht der neue OM 471 da vor dem Rückschalten so gut wie nie ein, beim Raufschalten allerdings schon eher. So spricht also vieles dafür, dass der wesentliche Vorteil der neuen Motorcharakteristik an anderer Stelle zu suchen ist. "Passend zur neuen Drehmomentkurve verschieben sich die Bestwerte im Verbrauchskennfeld auf niedrigere Drehzahlen", bringen die Techniker den Gewinn auf den Punkt, der in der Praxis tatsächlich die größte Rolle spielen dürfte. Obendrein sind es beileibe ja nicht allein die innermotorischen Verbesserungen samt länger übersetzter Hinterachse sowie subtiler gefasster Schaltstrategie von PPC, die hinter jenen maximal 6,5 Prozent an Spritersparnis stecken, die Daimler mit der aktuellen Technik für Strecken wie Stuttgart–Hamburg reklamiert. Da haben die Konstrukteure (siehe Kasten links) zudem an der Aerodynamik gefeilt, den Wirkungsgrad von Getriebe wie Hinterachse erhöht. Nicht zuletzt zählen zur Schar der mit gewissen grauen Zellen ausgestatteten Nebenverbraucher jetzt auch zwei Neue: Lichtmaschine sowie Lenkhilfpumpe, sie beide verzehren jetzt weniger Energie.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 07/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

19. Juli 2017
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Ich bin Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht. Ich vertrete Arbeitnehmer und Arbeitgeber… Profil anzeigen Frage stellen
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