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Wasserstoff-Lkw

Die Schweizer machen's vor

Brennstoffzellen-Lkw bei Coop Foto: Kilian J. Kessler

Die privatwirtschaftliche Schweizer Initiative H2 Mobilität setzt auf Wasserstoff-Lkw. Ihr Ziel: die weltweit größte Flotte bis 2023.

Wasserstoff ist im Kampf gegen den globalen CO2-Anstieg eine Alternative zum Elektroantrieb mit seiner schweren Batterie, gerade auch für Lkw. Während Deutschland sich hier extrem schwertut, preschen die Schweizer auf Initiative der Privatwirtschaft voran: Bis 2025 sollen 1.600 Wasserstoff-Lkw auf eidgenössischen Straßen fahren; die ersten 50 sind bis Ende des kommenden Jahres ­vorgesehen.

Förderverein baut flächendeckendes Netz an Wasserstoff­tankstellen

Tempotreiber war der Schweizer Einzelhändler Coop, der von einem Ingenieurteam den ­weltweit ersten Wasserstoff-Lkw mit 34 Tonnen entwickeln ließ. Mitte 2017 bekam das Fahrzeug eine Zulassung, seitdem hat der Brennstoffzellen-Lkw in einem geschlossenen Kreislauf in der Schweiz gezeigt, dass er die an ihn gestellten Anforderungen erfüllt. Eine mit erneuerbarem Strom erzeugte Wasserstofffüllung reichte für etwa 400 Kilometer, das Tanken dauerte rund zehn Minuten. Trotzdem stand man bei der Suche nach einem Hersteller für die Serienproduktion bei allen Autobauern in Europa vor verschlossener Tür. Dabei wird die Markteinführung der CO2-freien Technologie in der Schweiz deutlich unterstützt: Wasserstoff ist von der Mineralölsteuer befreit, und der erhebliche Kostenfaktor Schwerverkehrs­abgabe (LSVA) entfällt ganz.

„Es war nie ein Ziel, eigene Wasserstoff-Lkw zu bauen“, unterstreicht der Präsident des Fördervereins H2 Mobilität Schweiz, Jörg Ackermann. Der im Mai 2018 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2023 ein flächendeckendes Netz an Wasserstoff­tankstellen aufzubauen. Er vereint die Einzelhandelsgrößen Coop und Migros sowie den Autohändler Emil Frey und den Milchverarbeiter Emmi, Tankstellenbetreiber wie Agrola, Avia, Shell und ­Tamoil, aber auch Logistiker wie Camion Transport, Chr. Cavegn, F. Murpf, Galliker und G. Leclerc unter seinem Dach.

Koreaner kümmern sich um die Lkw

Die derzeit 17 Mitglieder repräsentieren schweizweit ein Netz von über 2.000 Tankstellen und eine Flotte von mehr als 4.000 schweren Nutzfahrzeugen. „Damit verfügen sie über das Potenzial, um die H2-Infrastruktur in der Schweiz privatwirtschaftlich aufzubauen und die weltweit größte Flotte an Wasserstoff-Elektro-Nutzfahrzeugen bis 2023 in Betrieb zu nehmen“, stellt Ackermann fest – sowohl durch den Betrieb von Wasserstofftankstellen als auch durch den Einsatz von Lkw.

Und die kommen aus Korea. „Das Klima macht ja nicht an Euro­pas Grenzen halt, und per Zufall ergab sich ein Kontakt zur Besitzerfamilie von Hyundai“, erläutert der Fördervereinsprä­si­dent. „Gemeinsam haben wir beschlossen, dass die Koreaner sich um die Lkw kümmern und wir uns um die Infrastruktur für die Tankstellen.“ Das Joint Venture H2 Energy AG und Hyundai sieht vor, dass die in der Schweiz neu gegründete Firma Hyundai Hydro­gen Mobility inte­ressierten Unternehmen die Fahrzeuge gegen eine Nutzungsgebühr pro gefahrenen Kilometer (Pay-per-Use) zur Verfügung stellt. Das Paket schließt Treibstoff, Unterhalt, Versicherungen und Service mit ein.

„Das Technologierisiko liegt bei diesem Geschäftsmodell bei Hyundai Hydrogen Mobility, und wir kommen unterm Strich auf die gleichen Kosten wie mit einem herkömmlichen Diesel-Lkw unter Anrechnung der wegfallenden LSVA“, sagt Ackermann. In Zusammenarbeit mit den Tankstellenbetreibern werde ergebnisneutral ein völlig neues Mobilitätssystem mit erneuerbaren Energien aufge­baut. Jeder Wasserstoff-Lkw helfe, jährlich rund 70 bis 80 Tonnen CO2 einzusparen. So könne der Energieträger beispielsweise auch Kühlaggregate versorgen. „Bei dieser Technologie muss man früh dabei sein“, sagt Josef Jäger, Direktor von Camion Transport, der seit Kurzem dem Förderverein angehört. Wasserstoff biete die Chance, Güter auch in Zukunft wirtschaftlich ohne Emissionen zu transportieren.

„Gemeinsam kann das Henne-Ei-Dilemma gelöst werden“

Bislang hat Coop auch die erste und einzige öffentliche Wasserstofftankstelle der Schweiz betrieben. Für nächstes Jahr peilt der Förderverein sechs bis acht öffentliche Tankstellen und insgesamt zehn Lkw an. Das Netz soll laufend ausgebaut werden. Um das CO2 von der Straße zu bringen, haben sich große Konkurrenten wie Coop und Migros zusammengetan. Ackermann hält es für wichtig, dass die Systemgrenzen zwischen den Branchen und den einzelnen Unternehmen aufgelöst werden, um klimaschonenden Technologien zum Durchbruch zu verhelfen. „Gemeinsam kann das Henne-Ei-Dilemma gelöst werden“, betont er.

Der Lkw ist eigentlich nur Mittel zum Zweck, er soll in der Startphase für Absatz sorgen. Mit zehn Lastwagen, die pro Jahr gesamthaft 80.000 Kilogramm Wasserstoff verbrauchen, lässt sich eine Tankstelle betriebswirtschaftlich sinnvoll abbilden und der Schwerverkehr ermöglicht so den Aufbau eines neuen Wasserstoffnetzes für den Straßenverkehr insgesamt. Klar, dass an den Zapfsäulen auch 700 Bar für Pkw zur Verfügung stehen.

Hyundai Fuel Cell Electric Truck

Die ersten Fahrzeuge sind auf 18 Tonnen ausgelegt und dürfen mit Anhänger 34 Tonnen wiegen. In das Fahrgestell sind sieben Wasserstofftanks integriert, die ein Fassungsvermögen von rund 33 Kilogramm haben. Das Fahrzeug kann laut Hersteller mit einem Druck von 350 Bar in sieben Minuten betankt werden.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
trans aktuell, Ausgabe 18/2019
trans aktuell 18 / 2019
13. September 2019
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