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Vorstellung Volvo 9700 / 9900

Ungleiche Zwillinge

Premiere Volvo 9700 und 9900 Foto: Volvo Buses 7 Bilder

Deutlich knackiger gezeichnet bringt Volvo seine Reisebusse 9700 und 9900 auf den umkämpften europäischen Markt. Wir konnten die beiden recht unterschiedlichen Modelle mit dem markanten Gesicht bereits unter die Lupe nehmen.

30.05.2018 Thorsten Wagner

Die Zeit des Wartens hat ein Ende: Die beiden Volvo-Baureihen 9700 und 9900 werden rundum erneuert und gleichzeitig gestrafft. Zeit wurde es, hatten die Schweden doch schon vor rund einem Jahr einen flotten mexikanischen Bus namens 9800 ins Rennen geschickt.

"Wir haben die umfangreichste Erneuerung unserer europäischen Reisebus-Baureihe seit vielen Jahrzehnten durchgeführt. Die Änderungen betreffen sämtliche Aspekte und erstrecken sich vom strukturellen Aufbau der Fahrzeuge über die Fahreigenschaften bis hin zu einem völlig neuen Design mit einer modernen Formensprache", erklärt Håkan Ågnevall (52), seit 2013 Präsident der Volvo Bus Corporation.

Fahrwerk und Motoren weitgehend unverändert

Das "sämtliche Aspekte" betroffen seien stimmt nicht ganz, denn Fahrwerk und Motoren bleiben – bis auf eine jetzt erhältliche 380 PS-Version für den 9700 – weitestgehend unverändert, was durchaus kein Manko sein muss bei einem weltweit agierenden Motorenhersteller mit viel Erfahrung.

Neu ist die Aufstellung des Programms aus preiswertem 9700er ohne Theaterboden und dem 9900 Premiumwagen in Drögmöller-Tradition und ansteigendem Theaterboden. Beide Busse sind leicht in der Höhe gewachsen, dafür wurde der 9700er der Wahlmöglichkeit zwischen zwei Höhen beraubt. Er ist jetzt mit 3,65 Meter immer genau 20 Zentimeter niedriger als sein großer Bruder. Neu ist zudem erstmals eine lange Zweiachser-Version mit 13,1 Meter Länge. Außerdem bietet Volvo zukünftig eine funktionale "Select"- und eine luxuriösere "Superior"-Ausstattungslinie für den 9700 an, mit dem man auch auf die boomenden Fernlinien zielen will – der 9500er Hochbodenbus entfällt derweil komplett.

Leichtes Dach, schwungvolle "Z-Line"

Da das jetzt aus gewichtssparendem Composite-Material bestehende und trotzdem stabilere Dach um zwölf Zentimeter im Vergleich zum Boden angehoben wurde, wächst die Innenstehhöhe auf üppige 2,01 und 2,08 Meter – nebenbei sinkt der Schwerpunkt des Wagens. Die seit 2017 schon laufende Integralbauweise im umgebauten Werk Breslau trägt neben dem leichten Dach wesentlich zur Gewichtseinsparung von rund 300 Kilo beim Zweiachser bei und soll besonders beim Thema Korrosion Gutes bewirken.

Um das bekannte Alleinstellungsmerkmal Theaterboden noch deutlicher zu betonen, hat sich Chef-Designer Dan Frykholm etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine doppelte, silbern gezeichnete "Z-Line" à la Opel Meriva, die kurz vor der Tür 2 nochmal deutlich abfällt, um dann einen beherzten neuen Anlauf zum hohen Heck zu nehmen ­– wer den ansteigenden Bodentrick immer noch nicht erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Fahrerzentriertes Cockpit mit zwei Lenkradgrößen

Im Cockpit, das bei 9700 und 9900 grundlegend identisch und sehr fahrerzentriert ausgefallen ist, darf sich der Kapitän sogar zwischen zwei Lenkradgrößen (450 und 500 Millimeter) entscheiden. Auf Multifunktionstasten muss er allerdings genauso verzichten wie auf moderne Anzeigen im Instrumentencluster. Die wurden aufgrund der alten Elektronikstruktur noch vom Vorgänger übernommen und sind bei starker Sonneneinstrahlung nicht immer optimal ablesbar.

Der Fahrgastraum selbst vermittelt ein wohnliches Ambiente. Verschiedene Farben sind für die Decke wählbar, die sehr funktional gehaltenen Servicesets bekommen beim 9900er einen Metallrahmen sowie zwischen den Einheiten edle Lederbezüge spendiert. Edel kann man nach wie vor auch die von Kiel eigens für Volvo gefertigten Sitze nennen, die mit ihren stoffbezogenen Rückenteilen schon seit Jahren sehr hochwertig daherkommen.

Leichtgängige VDS-Lenkung, feinfühlige Schaltung

Die ersten Fahreindrücke der drei Modelle waren durchaus positiv, auch wenn der 9900er ein Rechtslenker war, der erstmals als Integralbus so gebaut wird. Immer wieder sehr positiv hervorzuheben ist die seit rund einem Jahr lieferbare elektrohydraulische VDS-Lenkung, mit der auch lange Autobahnfahrten kaum Verspannungen hinterlassen und sich Kreisverkehre fast von alleine fahren. Die typische 12-Gang-i-Shift Schaltung hat in ihrer 6. Emanation viel Feingefühl erlernt, zudem ist auf Wunsch eine Power/Eco-Schaltung zu bekommen, die etwas mehr Dynamik verspricht. Dank der optimierten Aerodynamik und der Gewichtserleichterung sollen die Motoren auch ohne den prädiktiven Tempomaten "I-See" bis zu vier Prozent Diesel sparen, gerne kann aber auch HVO (Hydrogenated Vegetable Oil) getankt werden.

Beim markenprägenden Thema Sicherheit erwartet den Kunden eine kleine Enttäuschung. Zwar wurde der vordere Unterfahrschutz (FUP) nebst Aufprallschutz (FIPS) weiter verstärkt und auch ein Aufmerksamkeitsassistent (Driver Alert System) hat nun Einzug gehalten, aber der arbeitet noch immer ohne eine Augenbeobachtungskamera der nächsten Generation. Eine Fußgängererkennung für den Notbremser, der im Stadtbus schon als reines Warnsystem verbaut wird, gibt es ebenso wenig wie LED-Hauptscheinwerfer oder den wichtigen Abbiegeassistenten, der gerade bei Daimler Einzug hält. Hier hätten wir uns etwas mehr erwartet, aber das zeigt wiederum, wie wichtig die Elektronikgrundlage bei modernen Fahrzeugen ist.

Trotz derlei Nickeligkeiten darf man dem neuen Volvo dennoch einen gehörigen Modernisierungsschub bescheinigen, der aber auch nötig war. Viele Schrulligkeiten, die die Baureihe vorher auszeichneten, haben die beiden Busse abgelegt, und in vielen Kategorien zum Wettbewerberfeld aufgeschlossen. Mit moderner Elektronikarchitektur und stärkeren Motoren würde dann aus dem runden Paket ein echter Schwedenhammer.

Ausführlicher Fahrbericht in lastauto omnibus 07/2018

Einen ausführlichen Fahrbericht samt technischer Daten und aller Details zum neuen Volvo 9700 und 9900 lesen Sie in der kommenden lastauto omnibus 07/2018, die am 9. Juni 2018 erscheint.

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