Unterwegs im Reinigungstruck

Entlastung für Feuerwehr und THW

Abeschleppdienst, Ölspur, Unfall, Tator, Reiniger, Truckjob FF 6/2018. Foto: Oliver Willms 10 Bilder

Bei Autoservice Feuerstein sorgt Fahrer Micha Hancic mit seinen Berge- und Abschlepptrucks sowie einem speziellen Ölspurreinigungs-Lkw für freie Fahrt auf der Piste.

Eben noch ein Lkw-Reifenwechsel beim Kunden und schon geht es Schlag auf Schlag. Wenn Micha Hancic zum Alarmeinsatz gerufen wird, muss es schnell gehen. Der 49-Jährige arbeitet bei der badischen Firma Autoservice Feuerstein als "Cheffahrer" für das schwere Berge-, Abschlepp- und Krangerät. Bei einem Unfall oder einer Havarie auf den Autobahnen der Region ist Tempo angesagt – jede Minute zählt, wenn es darum geht, die Piste wieder frei zu bekommen. Neben den klassischen Drei- und Vierachsern und einem mächtigen 60-Tonnen-Kran für die Lkw-Bergung steuert der Familienvater bei Bedarf auch ein ganz spezielles Fahrzeug – den Ölspurmaster K4.

Abeschleppdienst, Ölspur, Unfall, Tator, Reiniger, Truckjob FF 6/2018. Foto: Oliver Wilms
Die Bergeprofis von Autoservice Feuerstein im badischen Grünsfeld nehmen jeden Bergeauftrag auf den Hacken. Im umfangreichen Fuhrpark steht für jeden Einsatz ein passendes Gerät bereit. Der Ölspurmaster K4 ist ein exklusives Einzelstück – noch.

Ölspurmaster K4 nimmt rückstandslos Öl und Hydraulikflüssigkeiten auf

"Dieses Fahrzeug ist einzigartig!", erklärt Firmenchef Martin Feuerstein die Raffinessen des sonnengelben MAN TGM. Der 44-jährige Selfmade-Unternehmer, der vor 17 Jahren mit einer kleinen Pkw-Werkstatt begann, kennt alle Details des Ölspurreinigungstrucks. Schließlich hat er bei der Entwicklung des beim Spezialaufbauer Brechtel auf Kiel gelegten 15-Tonners sein gesammeltes Know-how aus 15 Jahren Ölspurbeseitigung mit einfließen lassen. Der Ölspurmaster K4, so heißt das gelbe Hochdruckreinigungsfahrzeug auf Basis eines TGM 15.340 offiziell, übernimmt zusammen mit Micha am Steuer jenen Job, den sonst Feuerwehrleute mit Ölbindemittel und Kehrbesen erledigen – das rückstandslose Aufnehmen von Öl und Hydraulikflüssigkeiten, die sich nach einer Havarie auf der Straße verteilen. Wobei Micha nur auf der flinken Fahrt zum Einsatzort tatsächlich ins Steuer des Spezialtrucks greift.

Nach der rasanten Fahrt zum Unfallort schaltet der Bergeprofi nämlich um auf Trucking in Slow Motion. Wo vorher mindestens Autobahntempo auf dem Tacho stand, bleibt die Nadel jetzt ganz unten. Der zugeschaltete hydrostatische Antrieb treibt den ganz speziellen MAN bei maximalem Säuberungseinsatz mit gerade mal 0,3 km/h über die Schnellstraße. Damit ist Micha zwar der Titel "langsamster Trucker Deutschlands" gewiss, langweilig wird es dem gebürtigen Kroaten an seinem Arbeitsplatz aber keineswegs. Neben dem gefühlvollen Lenken steuert er mit einem Joystick die technisch aufwendige Reinigungsanlage des Ölspurmasters. Der TGM verfügt dazu in seinem GFK-Aufbau über ein vom Motornebenabtrieb angetriebenes kompaktes Tank-, Saug- und Hochdrucksystem, mit dem am Frontausleger vier rotierende Bürstenteller zusammen mit auf 90° C erhitzter Reinigungsflüssigkeit aus Hochdruckdüsen jeder noch so hartnäckigen Ölspur auf der Fahrbahn erfolgreich zu Leibe rücken.

"Zwei Stunden sind normaler Durchschnitt bei einem Autobahneinsatz"

Micha kennt sich wie kein Zweiter damit aus und steuert über sein Display sowie zahlreiche Stellschalter die diversen Funktionen. Das Reinigungsprogramm muss je nach Verschmutzungsbild bei Anpressdruck der Bürsten, Wasserdruck, Wassertemperatur und Reinigungsmittelbeigabe individuell am Touchscreen, am Dreh- und Druckregler justiert werden. Mittels Joystick steuert der Bergespezialist nicht nur den seitlichen Verschub des Arbeitsauslegers, sondern auch das Tempo des Hydrostatantriebs. 5.000 Liter Frischwasser sind mit an Bord, das reicht bei maximalem Wasserdruck für gute zwei Stunden oder 600 Meter Reinigungsfahrt. Dann muss der Frischwassertank aufgefüllt und der 5.500 Liter fassende Abwassertank abgepumpt werden. "Etwa zwei Stunden sind normaler Durchschnitt bei einem Autobahneinsatz", berichtet Micha, während er die Hochdruckdüsen kontrolliert, die mit bis zu 200 bar Wasserdruck jeden Ölfleck förmlich wegfräsen.

Bei seiner längsten Fahrt mit dem Ölspurmaster dauerte es fast neun Stunden, bis die Autobahn wieder frei von Öl und anderen Schmierstoffen war. Der Feuerstein-Spezialtruck im Anschaffungswert eines stattlichen Einfamilienhauses hilft entscheidend, die Autobahn schnell wieder befahrbar zu machen – und entlastet die Kollegen von Feuerwehr und von THW, die sonst mit Ölbindemittel und Kehrbesen dem schmierigen Nass zu Leibe rücken müssen. "Anfangs waren die Feuerwehren eher skeptisch", berichtet Martin Feuerstein über den Einsatz seines Sauber-MANs. Heute sei der Einsatz des Ölspurmasters im Radius von bis zu 50 Kilometern rund um den Firmensitz im Taubertal jedoch hoch willkommen. Denn der Spezialtruck löst nicht nur die Verunreinigungen auf der Straße.

Die Arbeit als Berge- und Havariespezialist wird nie langweilig

Mittig im Aufbau sitzt neben den Hochdruckpumpen und den Waschwasserheizern eine mächtige Unterdruckturbine, die eine Absauganlage am Heckantrieb betreibt. Damit entsteht ein geschlossener Hochdruckwasserkreislauf von der Vorsprühdüse bis zum Heckabsauger, der in der Heckkamera des Spezialtrucks den befriedigenden Anblick einer tiefengereinigten Fahrbahn hinterlässt. "Porentief rein!", freut sich Micha über seinen erfolgreichen Hochdruckputzeinsatz, wenn die überaus klanggewaltige Turbine im Aufbau nach getaner Arbeit langsam ausläuft. Sein Chef, bei dem Micha vor 17 Jahren angefangen hat, ist stolz auf die gelungenen Fahrer-Fahrzeug-Kombination. Aus 15 Jahren Erfahrung mit kompakteren Ölreinigungsfahrzeugen entstand die Konfiguration des Feuerstein-Paradefahrzeugs. Die vergleichsweise hohe Motorleistung von 340 PS ist dem kräftezehrenden Nebenabtrieb für die zahlreichen Zusatzaggregate geschuldet. Der große Dieseltank muss sein, weil die Wasserdurchlauferhitzer mehr Brennstoff verlangen als der Sechszylinder unter der TGM-Kabine.

Für "Cheffahrer" Micha macht der Umgang mit den Spezialfahrzeugen aus dem Feuerstein-Fuhrpark den Reiz aus: "Jeder Einsatz ist anders, jeder Job fordert dich unterschiedlich!" Ob Rüstwagen, Lkw-Abschlepper oder ob Autokran, mit dem er neulich einen 20-Tonnen-Tanker mit Adblue-Füllung erfolgreich wieder auf die Räder gestellt hat – seine Arbeit als Berge- und Havariespezialist wird nie langweilig. Wobei der passionierte Schafkopf-Turnierspieler Einsätze wie jüngst, als er zusammen mit seinen Kollegen 24 Tonnen Tomaten aus dem Straßengraben aufsammeln musste, nicht unbedingt zu den Highlights zählt. Neben dem Notfalleinsatz auf der Straße rücken die Fahrbahnsaubermänner bei Nachfrage auch zu Gewerbekunden zur Parkplatz- oder Hallenreinigung aus. Jedes Mal aber, wenn er zur Tages- oder Nachtzeit zu einem Einsatz gerufen wird, wartet garantiert eine besondere Herausforderung auf ihn. Noch in diesem Jahr will Micha die höchsten Weihen der Branche erwerben und sich zum Berge-Meister weiterschulen lassen. Berge – das ist dann auch sein Thema, wenn es um die häufig schlecht kalkulierbare Freizeit geht. Dann zieht es Micha und seine Partnerin in die Berge, zum Wandern – einmal ganz ohne Abschleppgeschirr und Hochdruckpumpe.

Abeschleppdienst, Ölspur, Unfall, Tator, Reiniger, Truckjob FF 6/2018. Foto: Oliver Wilms
Die zwanzig Mitarbeiter von Feuerstein betreiben auch eine MAN-Niederlassung sowie eine Werkstatt.

Job-Check

Arbeitgeber: Autoservice Feuerstein e.K. Brückle 2, 97947 Grünsfeld Einstiegsqualifikation: Technische Ausbildung im Kfz-Gewerbe,
C/CE-Führerschein, Ziffer 95 und Staplerschein wünschenswert, ggf. Kranschein
Aufstiegsmöglichkeiten: Weiterqualifizierung zum Bergungsleiter und Disponenten
Fuhrpark: 1 Berge-Masterlift (MAN TGA 41.463), 1  Auto­kran (FAUN ATF-60-4), 1 Spezial-Berge­kran (MB Actros 3340), 1  Plateaufahrzeug mit Kran (MAN TGL 12.210), 1  Plateaufahrzeug (MB Atego 818), 1  Plateaufahrzeug (VW T5), 1  Ölspurmaster K4 (MAN TGM 15.340), 1  Ölspurreinigungszug (Iveco Daily/Biotec No.1), 1  Hakenfahrzeug
(Meiller/MAN TGX 26.440), 1  Sattelzug­maschine mit Auflieger (MAN TGX 18.440), 1  Pannenhilfsfahrzeug/Rüstwagen (MAN TGL 8.180), 1  Einsatzleiterfahrzeug
(Fiat Ducato), 1  MAN-Service-Fahrzeug (Peugeot Boxer)
Arbeitsbedingungen: Flexible Arbeitszeiten. Hochsaison ist immer, 24 Stunden Einsatzbereitschaft
Bezahlung: Stundenlohn bei Fahrern, bezahlte Überstunden
Positiv: Große Herausforderung, da jeder Einsatz individuell ist, interessantes Arbeitsumfeld, vielfältige Arbeiten
Negativ: Bei jedem Wetter kommen Einsätze. In der Regel bei schlechtem Wetter eher mehr

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 06 2018 Titel
FERNFAHRER 06 / 2018
5. Mai 2018
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