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Stickoxid-Messungen bei Lkw Umwelthilfe befürchtet Manipulationen

Fehrenkötter Praxistest Fehrenkötter-Test Foto: Thomas Küppers

Die Deutsche Umwelthilfe hat nachgemessen und beklagt überhöhte Stickoxidemissionen - und äußert einen Verdacht.

Drei Jahre nach den von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach eigenen Angaben"aufgedeckten Manipulationen der Lkw-Abgasreinigung" hat die Organisation wieder Abgas-Messungen bei Lkw vorgenommen. Demnach ist sie bei jedem zweiten Fahrzeug von insgesamt 235 geprüften Lkw fündig geworden - und sieht das als Hinweis auf illegale Abschalteinrichtungen.

"Jetzt ist klar, dass die verantwortlichen Behörden die damals geforderten Emissionskontrollen und Sanktionierungen nicht umgesetzt haben", so eine Mitteilung der DUH, die nach eigenen Angaben damals das Bundesverkehrsministerium sowie das Bundesamt für Güterverkehr über die teils massiven Grenzwertüberschreitungen informiert habe.

Kritik am Verkehrsministerium und dem Bundesamt für Güterverkehr

"Während Länder wie Dänemark die realen Abgasemissionen von Lkw kontrollieren und bei Verstößen hohe Strafen verfügen, ist dem Bundesverkehrsministerium offensichtlich die Gesundheit der Menschen unwichtig. Es ist ein Skandal, dass keine wirksamen Kontrollen stattfinden", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. "In der Spitze haben wir Lkw mit bis zu 22-facher Grenzwertüberschreitung gemessen. Wir fordern von Verkehrsminister Wissing die Einführung von wirksamen Kontrollen auf den Autobahnen und Bundesfernstraßen sowie eine periodische Abgasuntersuchung für Stickoxide."

Anlass für die neuen Messungen war unter demnach anderem der gestiegene AdBlue-Preis und die daraus folgende Annahme der zunehmenden Verwendung von illegalen AdBlue-Emulatoren.

Jetzt habe das Emissions-Kontroll-Institut (EKI) der DUH bei den 235 Lkw der Abgasstufen Euro V und VI Messungen im Realbetrieb durchgeführt und bei knapp der Hälfte Überschreitungen des Grenzwerts für Stickoxid (NOx) festgestellt.

"Durch den Einbau eines Emulators wird die Funktion des Katalysators verringert, indem die Zufuhr des erforderlichen Harnstoffs AdBlue reduziert oder ganz eingestellt wird. Die Betreiber können sich auf diese Weise einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen - das Reduzieren der Harnstoffzufuhr führt jedoch dazu, dass Stickoxidemissionen geradezu explodieren", so die Organisation.

Ausreißer bei Euro VI-Lkw ziehen Ergebnis runter

In der aktuellen Messreihe machten die Euro VI-Lkw rund 90 Prozent aus, da die Anzahl der Euro V-Lkw sinkt. Die gemessenen Euro VI-Lkw emittierten im Durchschnitt 708 mg NOx/kWh. Die Spanne reichte dabei bis zu 10.141 mg NOx/kWh, während der derzeitige gesetzliche Stickoxidgrenzwert für Euro VI-Lkw laut DUH noch bei 460 mg/kWh liegt. Ein Entwurf der EU-Kommission für die Euro VII-Lkw sieht einen Wert von 90 mg/kWh vor.

Laut DUH fanden sich bei der Messung einige Ausreißer - knapp 14 Prozent der Euro VI-Lkw seien für die Hälfte der gesamten NOx-Emissionen der Euro VI-Flotte verantwortlich.

Gründe dafür seien beispielsweise mangelnde Inspektionen und Wartungen der Abgasreinigung, Installationen von AdBlue-Emulatoren sowie fehlende Kontrollen und Ahndungen. "Besonders auffällig ist Volvo: Entgegen dem allgemeinen Trend steigen bei den Euro VI Volvo-Modellen die Stickoxidemissionen im Vergleich zu vorherigen Messungen sogar an", so die DUH.

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