Traton will Vorreiter sein Scania ab 2040 nur noch elektrisch

Foto: Scania/Gustav Lindh

Der Fahrzeugbauer Traton bekräftigt seinen Führungsanspruch bei batterieelektrischen Antrieben. Scania stelle den Dieselmotor bereits 2040 infrage, betont Vorstandschef Christian Levin.

„Traton strebt an, dass 2030 jedes zweite verkaufte Nutzfahrzeug einen Elektromotor hat“, sagt der Vorstandsvorsitzende Christian Levin im Interview mit eurotransport.de im Vorfeld der IAA Transportation. Bei der Marke Scania seien die Ziele noch ambitionierter: „Sofern die Rahmenbedingungen stimmen – Ladeinfrastruktur, Ökostrom und der Preis pro Kilowattstunde – werden wir 2040 nur noch batterieelektrische Antriebe auf den Markt bringen und den Verbrennungsmotor aufgeben“, sagt er. „Scania ist der einzige Lkw-Hersteller, der so weit geht und den Dieselmotor bereits 2040 infrage stellt.“

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Was die Bemühungen der Bundesregierung bei der Elektrifizierung des Güterverkehrs angeht, sieht der Traton-Chef erheblichen Nachholbedarf. „Deutschland ist noch nicht sehr fortschrittlich“, sagt Levin. Der Manager erkennt an, dass die Bundesregierung zwar eine Menge unternehme, um den Markthochlauf in Gang zu bringen. Beispielsweise gebe es gute finanzielle Anreize. „Aber die Antragsverfahren sind sehr kompliziert, wie unsere Kunden uns mitteilen. Also ergeben sich aus den Programmen nur wenige Bestellungen.“ Betrachte man den Grad der Durchdringung mit neuen Antriebstechnologien, sei Deutschland nicht an der Spitze. „Es sind die nordischen Länder oder die Niederlande, wo wir richtig große Fortschritte bei der Batterieelektrik sehen.“ Das sei schade, natürlich würde er gerne Deutschland vorne sehen.

Deutschland bei Elektromobilität hinterher

Weltweit führend beim Elektroantrieb sei Norwegen. „Dort haben alternative Antriebe eine unfassbar hohe Quote und machen schon rund 90 Prozent der Fahrzeugzulassungen aus.“ Deutschland könne mehr machen, betont Traton-Chef Christian Levin. „Es ist das Thema der Anreize, aber auch das Thema des unzureichenden Ladenetzes.“ Viele Kunden würden gerne elektrifizieren, hätten aber nicht genug Energie zum Laden. Hier sieht Levin die Bundesregierung am Zug: „Der Netzaufbau ist Sache des Staates.“ Er müsse die Genehmigungen vereinfachen, Investitionsmittel mobilisieren und gewährleisten, dass genügend Energie an den Autobahnen zur Verfügung steht. „Wir haben zudem Kunden, die von ihrem Energieversorger gehört haben, dass sie noch sechs Jahre warten müssen, bis sie ihre Betriebshöfe mit der nötigen Energie für Ladestationen ausrüsten können.“

Trotzdem wolle Traton nicht warten, bis andere ihre Hausaufgaben machen. „Die Hersteller entziehen sich nicht ihrer Verantwortung“, sagt der Vorstandsvorsitzende und weist auf das Joint Venture zum Aufbau einer europaweiten Hochleistungs-Ladeinfrastruktur gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo Trucks hin. „Gemeinsam mobilisieren wir 500 Millionen Euro, um europaweit 1.700 Hochleistungs-Ladepunkte aufzubauen.“ Wolle man ganz Europa elektrifizieren, müsse man von 30.000 bis 40.000 erforderlichen Lkw-Ladesäulen ausgehen. „Da sind 1.700 natürlich nicht ausreichend, sie können aber den Weg aufzeigen.“

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