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Transportsysteme

Horizontales Entladen mit dem Schubboden

Schubbodenauflieger Entladung Foto: Joachim Geiger

Landwirte und Entsorger schwören auf die horizontale Entladung durch einen Schubboden. Die Technik steht für die Kombination aus Mechanik, Hydraulik und Haftreibung.

22.03.2018 Joachim Geiger

Wenn sich das Ladegut über die gesamte Länge des Fahrzeugs scheinbar ohne jegliches Zutun nach hinten an die Ladekante schiebt, ist dabei keine Zauberei im Spiel, sondern eine ausgeklügelte Kombination aus Mechanik, Hydraulik, Haftreibung und Handwerk. Die Fahrzeugbauer installieren Schubböden in Aufliegern, Motorwagen und Hängern. Sie spielen ihre Stärken beim Entladen von Kartoffeln, Rüben und Getreide, Hausmüll, Schrott, Sand und Asphalt aus. Auch Palettenware und Papierrollen lassen sich damit laden und entladen. Die ersten Schubbodenfahrzeuge hat Keith Walking Floor aus den USA in den frühen 1970ern auf die Räder gestellt. In Europa entwickelt der niederländische Hersteller Cargo Floor seit rund 30 Jahren diese Technologie.

Planken Traversen Foto: Joachim Geiger
Die seitlich versetzten Traversen verbinden Antrieb und Schubboden. Am Querträger fixierte Gleitkämme führen die verschiebbaren Planken.

Kolbenschübe setzen Schubboden in Bewegung

Das Markenzeichen des Schubbodens ist seine Beweglichkeit. In einem Auflieger besteht er in der Regel aus 21 dicht gepackten und miteinander verzahnten Planken, die sich präzise wie ein Uhrwerk vor und zurück schieben. Zuständig für diesen Rhythmus ist das mit dem Nebenantrieb des Lkw verbundene hydraulische Antriebssystem im vorderen Bereich des Aufliegers. Dieses sitzt meist in einem Hilfsrahmen unter dem Chassis. Die wichtigsten Komponenten sind drei massive Kolbenstangen, Zylinder, Leitungen und das Steuerventil. Die Verbindung zwischen Antrieb und Schubboden bilden drei seitlich versetzte Quertraversen. Jede dieser Traversen ist von unten auf einer Kolbenstange fixiert. Auf der Oberseite sitzen über die ganze Breite verteilt sieben Führungen, die bei der Montage des Schubbodens jeweils mit einer Planke verschraubt werden. Die erste Planke sitzt ganz außen auf Traverse eins, die zweite Planke auf Traverse zwei und die dritte auf Traverse drei. Alle weiteren Planken fixiert man ebenso, bis am Ende sieben Dreiergruppen besetzt sind.

Die sich wiederholende Abfolge von Kolbenschüben setzt den Schubboden in Bewegung. Beginnt der Ladevorgang, zieht das System die erste Traverse mit allen darauf fixierten Planken zurück. Gleichzeitig bleiben die beiden anderen Traversen in Ruhestellung. Das gleiche Prinzip gilt bei den folgenden Kolbenbewegungen. Da das Ladegut in diesen Phasen stets auf zwei ruhenden Planken liegt, bleibt es infolge der größeren Haftreibung an Ort und Stelle. Bewegung in die Sache bringt erst der vierte Schritt eines Arbeitstaktes. Die Steuerung schiebt die Traversen gleichzeitig zurück in die Ausgangsposition. Daher bewegen sich alle Planken mitsamt dem darauf liegenden Ladegut gemeinsam. Dieser Zyklus wiederholt sich, bis sich die Ladung in der gewünschten Position befindet. Das Arbeitstempo hängt von der Leistung der hydraulischen Pumpe ab. Ein Auflieger mit 70 Kubikmetern zum Beispiel lässt sich mit einem Standardantrieb in rund sechs Minuten, mit einem schnelleren System in dreieinhalb Minuten leeren.

Individuelles Profil hängt vom Einsatzzweck ab

Ein wesentliches Konstruktionsmerkmal für einen Schubboden ist die Fixierung der Planken. Die klassische Variante arbeitet mit einem im rechten Winkel zu den Querträgern geschweißten Vierkant- oder Aluminiumrohr. Darauf werden dann meist über die gesamte Länge Gleitböcke aus Kunststoff als Führungen für die Planken aufgesteckt. Eine gewichtsparende Alternative ist die Verwendung von Gleitkämmen. Hier können die Rohre entfallen, da man die Führungen direkt auf den Querträgern befestigt. Die Planken selbst sind aus Aluminium, Stahl oder Kunststoff gefertigt. Design und Stärke der Profile hängen vom Einsatzzweck des Schubbodens ab. Knapp zwei Dutzend Profile listet Cargo Floor auf, darunter leckdichte Heavy-Duty-Profile für die Abfallindustrie, die im 21-Planken-Auflieger zusammen immerhin rund 1.400 Kilogramm auf die Waage bringen.
Bedienen lässt sich ein Schubboden entweder manuell oder per elektrischem Schalter.

Auch eine Fernbedienung steht in der Regel zur Wahl. Damit der Boden nicht entlädt, wenn er eigentlich laden soll, muss der Fahrer im Vorfeld sicherstellen, dass die gewünschte Transportrichtung aktiviert ist. Die Türen des Fahrzeugs wiederum sollten stets offen sein, bevor die Hydraulikpumpe in Aktion tritt. Andernfalls stehen die Türen unter hohem Druck. Darüber hi­naus empfiehlt es sich beim Entladen von Schüttgut, das Fahrzeug zwischendurch nach vorne zu bewegen. Das beschleunigt das Entladen, vermeidet die Überlastung des hydraulischen Antriebs und reduziert den Verschleiß des Bodens.

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