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Telematik-Tochter von BPW

Idem setzt auf partnerschaftliche Lösungen

Emons, Lkw, Wechselbrücke Foto: Emons 3 Bilder

Die Idem Telematics-Chefs Thomas Piller und Jens Zeller sehen bei der Telematik den Prozess im Fokus. Neuheiten auf der IAA 2018.

09.07.2018 Carsten Nallinger

Nüchtern betrachtet, geht es bei der Telematik nach wie vor um die Optimierung und Sicherstellung des Transports von A nach B. "Doch während den Kunden vor 20 Jahren noch eine Positionsbestimmung genügte, sind die Anforderungen heute deutlich höher", erklärt Idem Telematics-Geschäftsführer Jens Zeller, der für die Bereiche Kommunikation, Vertrieb, Produktmanagement und Support innerhalb der BPW-Tochter zuständig ist. Wobei die Zahl derer, die die Telematik für die Automatisierung ihrer Prozesse nutzen, nach wie vor recht gering ist. Laut einer Studie der Marktforscher von Berg Insight setzen gerade einmal zwölf Prozent der Transporteure auf eine Trailertelematik. Etwas besser, mit einer Marktdurchdringung von 23 Prozent, sieht es bei den Zugmaschinen aus. "Es stellt sich die Frage, was die verbleibenden rund 88 Prozent im Trailergeschäft machen", sagt Thomas Piller, der zweite Geschäftsführer im Bunde und bei Idem Telematics für die Entwicklung und kaufmännische Abteilung zuständig. Denn gerade im Zeitalter der Digitalisierung, in dem die Telematik in der Logistik einen entscheidenden Baustein darstelle, sei das schwer nachvollziehbar.

Foto: Idem Telematics
Idem Telematics-Geschäftsführer Jens Zeller.

Andere Themen im Blick

Offenkundig haben viele kleinere und mittelständische Unternehmen gerade andere Themen im Fokus – etwa den Lkw-Fahrermangel. Aber auch bei den größeren und großen sei längst nicht alles Gold, was glänzt: "Wenn ich einen schlechten Prozess digitalisiere, dann habe ich einen schlechten digitalisierten Prozess", bringt es Zeller auf den Punkt. Weshalb er dazu rät, die Telematik nicht als Allheilmittel zu sehen. Vielmehr gehe es darum, die eigenen Transportprozesse genau zu kennen und zu beschreiben. So lassen sich über eine klare Prozessbeschreibung entscheidende Schlüsselfaktoren, aber auch völlig neue Geschäftsmöglichkeiten identifizieren. "Wir agieren nach dem Motto: Connecting all road transport", sagt Piller. "Konkret bedeutet es, dass wir die unterschiedlichen Datenquellen und Adressaten im Transportprozess sinnvoll miteinander vernetzen." Dazu gehören etwa das Logistikmanagement, das Personalmanagement, die Truck- und Trailer-Telematik, die Kontrollsysteme für Aufbauten oder auch die ERP-Systeme. Denn die Informationen aus diesen Systemen geben Auskunft über die wichtigsten Fragen im Transport: Hat das Fahrzeug noch freie Kapazitäten? Wie viel Lenkzeit hat der Fahrer aktuell? Kommen Fahrzeug und Fahrer für einen ausstehenden Auftrag infrage? Eben dabei könne die Telematik unterstützen – immer vorausgesetzt, dass die Daten so gesammelt, aufbereitet und verteilt werden, dass jeder Teilnehmer am Transportprozess zum richtigen Zeitpunkt genau die Daten erhält, die er braucht.

Ob eine Telematik zum Einsatz komme, hänge heute oftmals auch an der IT-Affinität der Führungsriege in einem Unternehmen. Doch für den entscheidenden Schritt zur Digitalisierung – der Prozessbeschreibung – brauchen Spediteure noch nicht einmal IT-Kenntnisse. Zeller und Piller favorisieren in diesem Fall die Politik der kleinen Schritte. Statt gleich die eierlegende Wollmilchsau einführen zu wollen, ergebe es mehr Sinn, sich zunächst ein vordringliches Problem im operativen Geschäft zu suchen und dieses anzugehen. Bestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist hier die digitale Plombe. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das Idem Telematics gemeinsam mit der Kölner Spedition Emons in Angriff genommen hat, um dem zunehmenden Ladungsdiebstahl zu begegnen. Herausgekommen ist ein Sicherheitskonzept, das die Wechselbrücke mit einer digitalen Plombe überwacht, um den Gefahrenübergang zu dokumentieren. Mit Geofencing lässt sich festlegen, in welchem Gebiet die Tür des Koffers geöffnet werden darf. Anderenfalls wird ein Alarm ausgelöst. Dieser geht an den Fahrer, die Spedition und auf Wunsch auch an weitere Partner. "Die digitale Sicherung ermöglicht eine Dokumentation mit juristisch und versicherungsrechtlich verwertbaren Daten", erklärt Zeller. Das Modul wird ganz einfach im Idem-Telematikportal Cargofleet 3 integriert. Die Datenerfassung und -übermittlung sowie die autarke Stromversorgung der Hardware erfolgen in diesem Anwendungsfall über die wartungsfreie Telematikeinheit TC Solar.

Mit Emons zusammen

Darüber hinaus wurde mit Emons ein Wechselbrücken-Management entwickelt: Dabei werden die einzelnen Wechselbrücken automatisch den regionalen Niederlassungen zugewiesen. Eine Unterschreitung des Bestands ist sofort im Cargofleet 3-Portal ersichtlich. Mit dem Modul wird auch die Schadenserfassung an Wechselbrücken ermöglicht. Das ist vor allem hilfreich, wenn auch Subunternehmer die Einheiten einsetzen. "Die auf der Wechselbrücke eingesetzte Telematikeinheit bietet außerdem alle bekannten positionsbezogenen Funktionen, die das Tagesgeschäft der Transporteure vereinfachen", berichtet Zeller. Doch damit nicht genug. Die nächste Innovation steht bereits in den Startlöchern und soll zur IAA 2018 gezeigt werden. "Die Fracht übernimmt mehr und mehr die Führung in der digitalen Logistik und darauf stellen wir uns ein", erklärt Piller. Und noch einen anderen Trend beobachten die beiden Idem Telematics-Geschäftsführer: den Einsatz von situationsbezogenen Schnittstellen. Läuft bislang noch viel über standardisierte Schnittstellen wie beispielsweise FMS ab, gehe die Tendenz mittlerweile auch vermehrt zu partnerschaftlichen Lösungen, um den Kunden noch mehr Informationen bereitstellen zu können. "Wir sind in diesem Zusammenhang mit vielen OEMs und anderen Partnern vernetzt", berichtet Zeller. Die im Mai in Kraft getretene Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sieht er gelassen. "Diesbezüglich waren wir schon gut aufgestellt", sagt Zeller. Letztlich gebe es lediglich vermehrte Dokumentationspflichten. Nur an vereinzelten Stellen habe Idem Telematics Lösch-Scripte einbauen müssen. "Bisweilen hat es den Anschein, dass jetzt alles böse ist, was mit Daten zu tun hat. Aber de facto geht es um die personenbezogenen Daten, die es zu schützen gilt", erläutert er. Eine Gefahr für die Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung sieht er daher nicht.

Thomas Piller, geschäftsführer Idem Telematics, ein Tochterunternehmen von BPW Foto: Idem Telematics
Geschäftsführer Thomas Piller.

Das Unternehmen

  • Der auf Truck- und Trailer-Telematik spezialisierte Anbieter Idem Telematics ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen von BPW
  • 2012 beteiligte sich BPW mehrheitlich an Idem mit Sitz in München
  • Ende 2013 erwarb BPW außerdem die Funkwerk Eurotelematik mit Sitz in Ulm
  • Im April 2014 schlossen sich die Idem und Funkwerk Eurotelematik zu Idem Telematics zusammen
  • Ende 2015 erfolgte die vollständige Übernahme durch die BPW-Gruppe
  • Ziel war und ist die Erweiterung des Produktportfolios von BPW im Bereich Elektronik und Telematik
  • Im Oktober 2016 gaben BPW und SAP die Zusammenarbeit in einem eigenen Innovation Lab bekannt
  • Ziel ist das Entwickeln von integrierten Telematik- und ERP-Systemen für Versender und Logistikdienstleister
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
TA 14 2018 Titel
Heft 14 / 2018 6. Juli 2018 Heftinhalt anzeigen Jetzt kaufen
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