Retro Classics 2020

Liebevoll in Szene gesetzt

Foto: Johannes Roller 48 Bilder

Nutzfahrzeug-Veteranen, historische Jahrmarktschlepper, Lanz Bulldogs und Omnibusse machen die 20. Retro Classics zu einem lohnenden Ausflugsziel für die Liebhaber schwerer Oldtimer.

Auch wenn die Sorge vor der Corona-Pandemie die Stimmung und Besucherzahl etwas drückt, auch wenn der Platzhirsch der letzten Jahre, die Daimler Truck AG, sich ihren Messestand in diesem Jahr spart und auch wenn diesmal gut die Hälfte der Halle 8 zu einem Pkw-Verkaufsraum mutiert ist – die Fangemeinde der historischen Nutzfahrzeuge hat zum 20-jährigen Bestehen der beliebten Oldtimer-Messe viel Engagement und Einfallsreichtum an den Tag gelegt, um den Besuchern eine schöne Zeitreise zu ermöglichen.

Jahrmarktstimmung mit Kaelble & Co

So hat Eliszi’s Jahrmarktstheater mit Kaelble-, Kramer- und Hanomag-Schlepper drei echte Kirmes-Veteranen aufgefahren, historische Schaustellerwagen. Selbstverständlich gibt es hier auch Lebkuchenherzen und frische Waffeln. Wer sich dafür nicht nur im Vorbeigehen begeistern kann – die Jahrmarkttruppe sucht aktuell eine ca. 500 Quadratmeter große Halle und Mechaniker für ihren Traditions-Fuhrpark.

Schwere Büssing-Lastzüge

Die Lücke, die Daimler nebenan hinterlassen hat, füllen gewaltige Büssing-Züge aus der Privatsammlung von Spediteur Fehrenkötter. Auf der anderen Seite ist wieder die Bulldog-Gemeinde versammelt: Die Bulldog- und Schlepperfreunde Württemberg e.V. präsentieren rund zwanzig historische Exemplare, manche auf Hochglanz restauriert, andere mit rostig-schöner Patina. Die Traktoren mit dem berühmten Glühkopfmotor kamen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in der Landwirtschaft zum Einsatz, wo sie eine preiswerte, praktische Alternative zur Dampfmaschine boten. Die Ausstellung „Glühkopf-Legenden“ erinnert nun auf der Retro Classics an die große Zeit der einfachen, aber äußerst robusten Maschinen, die sich in Deutschland noch bis Mitte der Fünfzigerjahre gegen eine technisch überlegene Konkurrenz behaupten konnten.

Zweitakter von Krupp

Inmitten der Traktoren findet sich ein Krupp L701 aus der Veteranenhalle von Timo Pistorius. Das Exemplar gehört zur letztgebauten Ausführung der alten Krupp-Hauber und war einer der letzten Typen mit Zweitakt-Dieselmotor, wie das Infoschild erklärt.

Auf Achse lässt grüßen

Mit viel Herzblut gepflegte Klassiker aus den 70ern- und 80er-Jahren gibt es am Gemeinschaftsstand von Nutzfahrzeug Veteranen Gemeinschaft e.V. und Interessengemeinschaft Süddeutsche Lkw-Veteranen-Freunde zu bestaunen. Darunter sind Frontlenker-Sattelzugmaschinen wie der MAN 16.304 FVS mit dem frühen F7-Fahrerhaus, Ziergittern an der Front und noch ohne den Burglöwen im Kühlergrill, wie der Volvo F88 mit klassischem Zierrat wie Hörnern, Blende und Michelin-Männchen, der kubische Mercedes-Benz LPS 1626 oder der Mercedes NG 1632, den Markus Frey in Kroatien wiederentdeckt und von 2014 bis 2016 im Stil der Kult-Serie „Auf Achse“ restauriert hat.

Heimspiel für Auwärter

Dank Konrad Auwärter sind auch wieder einige Exponate aus dem Gottlob-Auwärter-Museum und befreundeter Omnibus-Sammler in Halle 8 versammelt. Für eine auffällige Präsentation seines Restaurationsprojekts mittels Hebebühne hat sich hier Reinhard Kainzmaier entschieden. Er besitzt eine freie Werkstatt in Unterneukirchen, beschäftigt sich dort aber mittlerweile hauptsächlich mit der Restauration von Pkw- und Nutzfahrzeug-Oldtimern aller Art. Der Mercedes-Benz O 321, den er gerade wiederaufbaut, war von 1962 bis 78 im Betrieb, landete nach dem Tod seines Besitzers bei einem Sammler, der mit der Restauration begann, dann aber auch verstarb. Schließlich wurde Kainzmaier darauf aufmerksam. „Das soll wieder ein richtiger Bus werden, mit Bestuhlung und Konzession“, hat er sich als Ziel gesetzt.

125 Jahre Motor-Omnibus

An die, wie sie stolz hervorheben, weltweit erste Motor-Omnibus-Linie aus dem Jahr 1895 erinnern die Städte Netphen und Siegen aus dem Sauerland. Im März 1895 verkehrte auf der Strecke Deuz-Netphen-Siegen erstmals ein motorisierter Omnibus und revolutionierte den öffentlichen Personenverkehr, der damals nur mit der Pferdekutsche, der Dampflok oder der elektrischen Straßenbahn betrieben wurde.

Der für März geplante große Jubiläums-Korso soll nun wegen der Ausbreitung des Coronavirus erst im Oktober stattfinden. Eingerahmt wurde der Stand der Sauerländer auf der Retro Classics von einem rustikalen International Harvester „Six-Speed Spezial“ aus dem Jahre 1923 und einem gelben Benz-Reichspost-Bus mit Lederverdeck, Baujahr 1922.

Veteranen von Feuerwehr, Bundeswehr und THW

Was wäre eine Oldtimer-Messe schließlich ohne gut erhaltene Einsatzfahrzeuge mit wenig Laufleistung und interessanten Aufbauten? So stellt das Feuerwehrmuseum Winnenden in Halle 10 die Kraftfahrspritze KS 15 aus, einen Rechtslenker, beschafft 1925 bei Benz in Gaggenau. Daneben steht – erkennbar moderner, nun als Linkslenker, mit dem Stern im Kühlergrill und mit blauer Rundumkennleuchte – die KS 20 von Daimler-Benz. Als Ergänzung zum Martinshorn dient weiterhin eine von Hand zu betätigende Messing-Glocke. Das Löschfahrzeug, Baujahr 1933, trägt die Aufschrift der Werkfeuerwehr Sindelfingen und ist regelmäßig Gast auf Oldtimer-Veranstaltungen der Blaulichtgemeinde.

Wieder mit dem bewährten Messe-Team vor Ort ist die historische Sammlung des Technischen Hilfswerks. Das Ziel, jedes Jahr ein paar noch nicht gezeigte Schätze aus dem Depot vorzustellen, haben die ehrenamtlichen Historikern einmal mehr erreicht: mit einem VW T3 im Orange der „Technischen Einsatzleitung“, mit dem ehemaligen Vopo-Krad IFA MZ vom Ortsverband Berlin Steglitz sowie mit einem Krupp Widder, Baujahr 1962, dessen Dreizylinder 126 PS aus 3,7 Litern Hubraum holt. Der Fünftonner diente einst bei der Fachgruppe Trinkwasseraufbereitung im Ortsverband Pforzheim und ist heute in Privatbesitz.

Das G-Klasse-Jubiläum hallt nach

Auch das Jubiläum 40 Jahre Mercedes-G-Klasse von 2019 hallt noch nach, etwa am Stand von Lorinser Classic. Dort gibt es die G-Klasse beziehungsweise den Puch 290 GD mit Sanitätskofferaufbau und als Zugfahrzeug für einen Schlauchanhänger zu sehen und zu kaufen. Auch die Bundeswehr, zum zweiten Mal unter den Ausstellern in Halle 10, zeigt diesmal ihren altgedienten „Wolf“ mit dem Lederverdeck. Zum Repertoire gehören außerdem wieder DKW Munga, VW 181 Kübelwagen und der immer noch aktive Lkw 5t mil gl KAT I. Letzterer hatte 2019 auf der Rückfahrt von der Retro Classics einen kapitalen Motorschaden, jetzt steht der MAN mit alter Hülle und neuem Antrieb zum Entern bereit. Die Frage, ob das viele Streusalz am Fahrzeug eine gewisse Offroad-Optik vermitteln soll, oder ob nach der Anfahrt aus Dornstadt nur eine Waschgelegenheit fehlte, muss sich der Betrachter allerdings selbst beantworten.

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