Porträt Spedition Röck

Unterwegs auf der ­Milchstraße

Foto: Steffen Löffler 14 Bilder

Das Allgäuer Unternehmen Röck setzt beim Milchtransport auf MAN – aus Tradition und mit Blick in die Zukunft.

Die Einsatzplanung für die Altusrieder Firma Röck ist eigentlich ganz einfach. Arbeit gibt es immer – 7 Tage in der Woche, an 365 Tagen im Jahr und manchmal sogar bis in die Nacht hinein. Grund für die dauer­hafte Emsigkeit des 50 Mitarbeiter großen Unternehmens im Herzen des Allgäus sind seine fleißigen Lieferanten.

„Röck around the clock“

Wetter, Wochenende oder Wellnessferien: Das alles spielt im Business der Milchtransportfirma Röck keine große ­Rolle, denn das liebe Vieh in den heimischen Ställen und auf den sattgrünen Weiden in Bayerns Süden kennt weder Freizeit noch Ferien. Die Kühe produzieren jeden Tag im Jahr ihr weißes Gold – den natürlichen Rohstoff für Kühlschrank, Käsetheke oder Babynahrung. Im gleichen engen Tagestakt, wie der Bergbauer an die Melkmaschine geht, sind die Milchsammler der Allgäuer Traditionsfirma unterwegs: an jedem Tag in der Woche und, wenn’s sein muss, durchaus auch rund um die Uhr. „Röck around the clock“ – so könnte die Devise der Allgäuer Milchprofis lauten.

Foto: Steffen Löffler
Kurz nach Sonnenaufgang startet Michael Lingenheil auf die Langstrecke mit seinem neuen Arbeitsgerät. Die Fahrt durchs Allgäu könnte nicht schöner beginnen.

Auf dem Tourplan des rührigen, familiengeführten Unternehmens um Seniorchef Fritz Röck (61) steht nicht nur der tägliche Sprint von Bauernhof zu Bauernhof, um die frische Rohmilch von den regionalen Erzeugern zum nächsten Milchwerk zu sammeln. Als zweites Standbein übernimmt die Spedition Röck auch Langstreckentransporte von ­Flüssiglebensmitteln, vornehmlich nach Frankreich und den Beneluxländern – echter Fernverkehr also.

Auch im Langstreckeneinsatz dominiert bei Röck der Milchtransport. So liefern die 20 Fernverkehrszüge Molke und andere Milchprodukte aus den Allgäuer Milchwerken auch nach Frankreich. Dort werden sie beim weltgrößten Milchpulverhersteller zu Grundzutaten für Babynahrung oder in andere Milchqualitäten verarbeitet. Die Rückladungen nach Deutschland bestehen dann oftmals auch aus Milchprodukten, nur eben in anderer Aufbereitung und Zusammensetzung.

Trucks von MAN im regionalen Milchsammeleinsatz

Als Garant für den reibungslosen Ablauf der hochkomplexen Milchlogistik vertraut man seit der Firmengründung im Jahr 1981 auf bayerisches Gerät. Die Trucks von MAN gehören aber beileibe nicht nur aus lokalpatriotischen Gründen zur Stammbesetzung seit 40 Firmenjahren. Mit MAN sei man immer gut gefahren, heißt es unisono aus Firmenleitung und Fahrerkreisen. Dabei müssen sich die Münchner Trucks auf vielfältigem Terrain beweisen. Im regionalen Milchsammel­einsatz, der von der Allgäuer Haustour bis ins Tiroler Lechtal reicht, setzt man auf TGS-Hängerzüge, die bei Bedarf solo weiter zu entlegeneren Sammelstellen fahren.

Foto: Steffen Löffler
Die wendigen MAN TGS übernehmen das Milchsammeln in der Region um den Standort. Tradition und Technik in bester Harmonie, und bei Hans-Peter Lingenheil sitzt jeder Handgriff.

Im 1995 dazu ins Programm genommenen Langstreckenverkehr fahren voll ausgestattete TGX – allesamt blitzsauber mit Edelstahltanker und Röck-grünem Großraumfahrerhaus. 500, 540 oder 580 PS Motorleistung sollen unter dem MAN-Fahrerhaus schon zur Verfügung stehen, wenn man mit einem meist auf volle 40 Tonnen ausgeladenen Milch­tanker auf Tour geht. „Kann denn Leistung Sünde sein?“, fragt Fritz Röck lächelnd und kennt die Antwort auch aus der ­eigenen 20-jährigen Erfahrung hinter dem Steuer seiner Fahrzeuge ganz genau.

Kein Quark, sondern erste Sahne ist auch die Ausstattung, welche die mit Seniorchef Fritz, seiner Gattin Elisabeth und den beiden Junior-Geschäftsführern Christoph (34) und Julian (31) familiär besetzte Röck-Firmenleitung ihren ­Fahrern spendiert: Die Vollausstattung mit Assistenz- und Sicher­heitssystemen gehört in Altusried genauso wie ­Abbiegeassistenten schon lange zum Standard. Die TGS arbeiten sich mithilfe von Rückfahrkameras durch die oft sehr engen Hofeinfahrten.

Bis zu 500 Kunden fahren 9 Sammeltanker täglich an

Optisch machen die grasgrünen MAN mit Zusatzschein­werfern, Chromzierbügel, Alufelgen und Drucklufthorn auch nach außen hin eine gute Figur. Mit familiär-kameradschaftlichem Umfeld, leistungsgerechter Bezahlung und voll ­ausgestatteten Fahrzeugen bindet man die Fahrer an die Firma – zum Teil schon ein ganzes Arbeitsleben lang.

Wobei der Milchsammeljob alles andere als eine ruhig ­geschobene Kugel ist: Bis zu 500 Kunden fahren die neun Sammeltanker täglich an – und wirklich jeden Tag, denn das Rindvieh kennt kein Wochenende. Je nach Tour sind das zwischen vier und sieben Großmilchhöfe oder auch bis zu 70 einzelne kleine Ladestellen, die minutengenau ­angefahren werden wollen.

Trotz aller Idylle des Alpenlandes kennt dieser Job nur ein Ziel: pünktlich und zuverlässig beim Kunden vorfahren. Das trifft vor allem beim Milchbauern zu, dessen Rohmilchtanks rechtzeitig vor der nächsten Melkrunde geleert werden. Wind und Wetter dürfen folglich auch in den schneereichen Allgäuer Wintern kein Hindernis werden. Immerhin geht es bei manchen Touren hinauf bis in Höhenlagen von 1.100 Metern. Dorthin, wo glückliche Allgäuer Kühe auf den Bergweiden ihre Milch produzieren. Um die Früchte ihrer Arbeit über die engen Bergstraßen sicher abzuholen, setzt Röck bei den 6x2-TGS-Tankern auf eine gelenkte ­Nachlaufachse und Hydrodrive-Antrieb für die Vorderachse. Julian Röck lobt den hydrau­lischen Vorderradantrieb wegen seiner Traktionsunterstützung, des niedrigeren Gewichts und des gegenüber einem klassischen Allradantrieb günstigeren Spritverbrauchs.

Michael Lingenheil fährt für Spedition Röck

Auch Michael Lingenheil (23) schwört auf diese Traktionsvorteile, die ihm im Wintereinsatz schon oft über glattes Geläuf geholfen haben. Der gelernte Metallbauer und ­Berufskraftfahrer ist seit einem Jahr in Röck-Diensten, hat aber den Job quasi mit der Muttermilch aufgesaugt. Sein Vater fährt schon seit 28 Jahren für Röck – klar, dass der Junior auf dem Lkw-Beifahrersitz ein eindeutiges Berufsziel vor Augen hatte. Michael liebt die Abwechslung zwischen der rund neunstündigen Milchsammeltour in seiner Heimat und der bis zu sechstägigen Fernfahrt nach Frankreich und weiter zu anderen Abladestellen irgendwo in Deutschland oder den Beneluxstaaten.

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Röck-Fahrer Michael Lingenheil hat ein Herz für Löwen und seinen Berner Sennenhund Josy.

Im Winter könne es manchmal anstrengend werden, gibt er zu. Im alpinen Einsatz sind Ketten – manchmal an Vorder- und Hinterachse – unverzichtbar. Dafür entschädigen die interessanten Touren und die Landschaft mit ihren Post­kartenmotiven für alles. „Solang es halt geht!“, möchte der sympathische Allgäuer hinter dem Steuer eines Röck-Lkw sitzen. Die Abwechslung mit dem Fernverkehr macht den Job noch attraktiver.

Heute genießt Michael Lingenheil die Langstrecke im neuen TGX. Zwei Exemplare der neuen TGX-Generation sind ­bereits für Röck auf Tour über die Milchstraßen Europas. Die Fahrer sind rundum begeistert. „Der Innenraum ist mit der neuen Ausstattung wirklich sehr fahrerfreundlich“, ­berichtet Michael. Der Dreh-Drück-Regler für die Menüsteuerung der wichtigsten Funktionen gefiel ihm auf Anhieb. „Das hat was von Audi, kein Vergleich zu einem Touchscreen!“, lobt der ­Allgäuer die neue Technik am Arbeitsplatz hinter dem MAN-Lenkrad, selbst wenn die Bedienung am Anfang ein paar Minuten Lernen benötigte. Auch die überarbeitete ­Retardersteuerung und die Schaltstrategie finden bei dem jungen MAN-Lenker große Anerkennung.

Hochzufrieden mit den MAN-Niederlassungen in Kempten und Leutkirch

„Hier wurde für die Fahrer wirklich viel getan“, bestätigt Julian Röck die Einschätzung seiner TGX-Piloten. Als ­Technikleiter und Manager der Betriebswerkstatt hat er ­einen genauen Blick auf seine Fahrzeugflotte. Die neuen TGX fahren – das bestätigt die Fahrzeugtelemetrie – mit deutlich weiter verbessertem Verbrauch. Die Investition in die neue Technologie rentiert sich folglich auch betriebswirtschaftlich. Mit der eigenen Werkstatt auf dem Firmenareal übernimmt Julian Röcks Team Servicearbeiten, ­kleinere Reparaturen sowie Reifen- und Bremsenservice. Ansonsten ist man mit den örtlichen MAN-Niederlassungen in Kempten und Leutkirch hochzufrieden – auch ein Grund für die Treue zum bayerischen Lastwagen.

Treue im Firmensinn erlebt man auch im Personal. „Einmal Milchfahrer, immer Milchfahrer“, bringt Fritz Röck die Einstellung seiner Mannschaft auf den Punkt. Der dienstälteste Mitarbeiter fährt schon seit 35 Jahren für die Familienfirma. Seine Fahrer, erzählt Fritz Röck, müssten sich zum einen gut in der Region auskennen und zum anderen den gar nicht so ­einfachen Job als Milchsammler mit ­täglicher Perfektion umsetzen. Denn der je nach Hofgröße täglich anfahrende Abholer ist neben der maximalen Hygiene im Umgang mit dem ­Lebensmittel auch indirekt an der Qualitätskontrolle ­be­teiligt. Milch ist das tägliche Geschäft – und trotzdem ­kommen die Mitarbeiter damit heute nur noch selten in Kontakt. Denn wer beim Milchsammeln an lederbeschürzte Landwirte und offene Milchkannen mit kuhwarm ­gezapfter Milch denkt, lebt in der Vergangenheit.

Foto: Steffen Löffler
Fuhrparkleiter Julian Röck fährt auch selbst und weiß, wovon er spricht.

Heute funktioniert auch das regionale Sammelgeschäft nicht mehr ohne die Hilfe vom Himmel. Per GPS erkennt der Milch-Truck automatisch die Daten des zur Milchabholung ­anstehenden Landwirts und zieht aus der abgesaugten Milchmenge an verschiedenen Füllstandshöhen automatisch eine Probe, die direkt im Pumpenkasten in ein mit Barcodescan versehenes Messröhrchen gezogen wird. Aus dem Mittelwert des Fett- und Eiweißgehalts errechnet die Molkerei den Abnahmepreis für den Bauern und ­erkennt mögliche Verunreinigungen oder Keimbelastungen. So erfassen die Trucks neben der geeichten ­Abnahmemenge auch die Qualität des auf sechs Grad heruntergekühlten Rohstoffs schon vor Ort direkt neben dem Kuhstall. Deswegen überprüft der Milchprüfring als ­unabhängige Institution alle sechs Monate die korrekte Probenentnahme, regelmäßig werden die Fahrzeuge neu geeicht.

Spedition Röck: Maximale Hygiene ist eine Kernqualität

Im Laufe eines Jahres sammeln die grasgrünen MAN-Trucks nicht nur jede Menge Milch, sondern auch Kilometer. Nach fünf bis sechs Jahren Einsatz und viel Motorarbeit auch durch den Pumpenantrieb werden die treuen TGS ersetzt. Die teuren isolierten Edelstahlaufbauten mit der aufwendigen Pump- und Messtechnik werden dagegen dreimal auf neue Chassis gesetzt. Auch die Fernverkehrs-TGX sammeln fleißig Strecke und müssen nach vier bis fünf Jahren mit einer Million Kilometer auf dem Zähler gehen.

Neben Pünktlichkeit gehört Sauberkeit zu den Kernquali­täten von Röck. Qualitätsmanager Christoph Röck, der sich beim Kemptener Großspediteur Dachser seine ersten ­Managermeriten verdient hat, kennt die Notwendigkeit, mit maximaler Hygiene gegenüber den Kunden Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört natürlich die tagtägliche Reinigung der Milchtanks – an 365 Tagen im Jahr. Anderswo findet dies oft bei den Milchwerken oder Molkereien statt.

Make or buy? Die Frage der täglichen Tankreinigung an 365 Tagen multipliziert mit der eingesetzten Fahrzeugzahl beantwortete die Familie Röck mit dem Bau einer groß­zügigen Tankreinigungshalle im benachbarten Gewerbe­gebiet Krugzell. Dort können von früh bis spät auf drei Spuren Tanks, Silos und Container von flüssigen Inhaltsresten befreit werden. Man merkt, dass sich die Familie Röck gern mit dem Ganzen und folglich auch dem Großen beschäftigt.

Foto: Steffen Löffler
Das A und O im Lebensmitteltransport ist die perfekte Hygiene beim Arbeitsgerät. Deshalb setzt Röck auf die eigene Tankreinigungsanlage. Betriebsleiter Florian Röck hält sie an 365 Tagen im Jahr in Betrieb.

Beim Bau der Anlage hatten sich die beiden Junior-­Geschäftsführer Christoph und Julian so sehr mit der komplexen Thematik von Tankreinigung, Wasseraufbereitung, Chemiezusammensetzung und Regeneration ­beschäftigt, dass sie zusammen mit einer Tankreinigungsanlagenfirma ein eigenes Reinigungskonzept erstellten. Neben aller Chemie und Anlagentechnik bleiben auch die Fahrerkunden nicht auf der Strecke.

Während der Tankzug in der Halle seine Reinigung ­bekommt, können die Röck-Kunden sich in den blitz­blanken Duschräumen selbst auf Hochglanz bringen und im Kaffeeraum ihre Arbeitspause genießen. Auch die Tankreinigung kennt kein Wochenende. Wenn Not am Tank ist, tritt selbst zu nächtlicher Stunde ein Einsatzdienst zum Reinigungsjob an. Der lässt sich – von der Anmeldung bis zur Durchführung erstaunlich gut durchorganisiert – von einem Mitarbeiter managen. Es handelt sich hierbei um Florian Röck, den 49-jährigen Bruder von Fritz Röck. Das passt zum professionellen Familiensinn des Unternehmens. Und trotz des geringen Altersdurchschnitts im Management denkt man schon an folgende Generationen. „Enkelsicher“ soll das Business geführt werden – im ­Hinblick auf die Umweltverantwortung wie auch auf den wirtschaftlichen Erfolg der fleißigen Allgäuer.

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