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München investiert in Sicherheit

Test mit 100 Trixi-Spiegeln

Foto: Andrea Ertl, Montage: Frank Haug

100 Trixi-Spiegel, eine neue Software und Abbiegeassistenten in städtischen Fahrzeugen sollen künftig Rechtsabbiegeunfälle verhindern.

„Dreißig Verkehrstote in den letzten zehn Jahren, das ist einfach zu viel“, sagt Dr. Wolfram Hell vom Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München im Gespräch mit trans aktuell. Fast alle Straßenkreuzungen mit tödlichen Unfällen sollen aus diesem Grund zusätzlich mit Trixi-Spiegeln ausgestattet werden, die Lkw-Fahrern ermöglichen, vor dem Abbiegevorgang den toten Winkel neben ihrem Fahrzeug einzusehen: „Wir planen mittlerweile, insgesamt rund 1.000 Trixi-Spiegel einzusetzen“, berichtet Hell weiter. Grundlage für die Bestimmung der Standorte ist eine Landkarte, die die Schwerlastverkehrsstärke in der Stadt aufzeigt. Je nach Gesamtsituation der einzelnen Kreuzungen sind jeweils bis zu vier oder gar sechs Spiegel geplant. Wann das Anbringen abgeschlossen sein wird, steht noch nicht fest: „Wir sind mittendrin, München ist eine Riesenstadt“, gibt Hell zu bedenken.

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Dass die Trixi-Spiegel kein Allheilmittel gegen tödliche Verkehrsunfälle mit Lkw sind – die vor allem die ungeschützten Verkehrsteilnehmer betreffen –, ist für Hell klar: „Der Spiegel ist nur eine zusätzliche Information, denn wenn Radfahrer und Lkw in Bewegung sind, ist der Radfahrer nur für ein paar Sekunden im Spiegel sichtbar.“

Die Installation der Trixi-Spiegel ist für die Stadt München nur ein Schritt auf dem Weg zur Vision Zero, der Vision, als Stadt keine tödlichen Verkehrsunfälle mehr verzeichnen zu müssen.

Als weiteres Ziel sieht der Experte, Modellkreuzungen zu bauen, wo Lkw-Fahrer die Radfahrer immer sehen können – etwa wie in Skandinavien oder in den Niederlanden. „Doch das kann noch gut zwei bis drei Jahre dauern“, wie er schätzt. „Wir hoffen darauf, dass immer mehr Lkw mit Abbiegeassistenten ausgestattet sind, um die Gefahren zu vermindern; 100 Prozent wären wünschenswert.“

Lkw-Fahrer selbst sehen in den Zusatzspiegeln für die Verkehrssicherheit meist eine gute Ergänzung, die helfen kann, Unfälle zu verringern. Auf eine Facebook-Umfrage berichten sie davon, dass solche Spiegel auch in Osnabrück, Kassel, Münster oder in Freiburg (siehe trans aktuell 16, Seite 11) angebracht sind. Doch oft lasse die Wartung zu wünschen übrig: Sie seien nicht richtig ausgerichtet oder verschmutzt. Außerdem wünschen sie sich von Radfahrern und Fußgängern ebenso gegenseitige Rücksichtnahme, gemeinsam mit den Lkw-Fahrern, die größten Respekt vor dem hohen Unfallrisiko in der Innenstadt haben.

Software für Unfallanalyse

Insgesamt soll ein ganzes Bündel von Maßnahmen die Stadt München zum Ziel Vision Zero führen, wie das Kreisverwaltungsreferat auf Anfrage mitteilt. Eine davon ist eine neue Software. Diese soll die Unfalldaten der Polizei in einer Datenbank und einer digitalen Karte darstellen. Mit nur wenigen Klicks sollen sich so wichtige Auswertungen für die Verkehrssicherheitsarbeit vornehmen lassen, etwa Unfallhäufigkeit, Unfallfolgen oder Unfallkonstellation – samt weitergehenden Informationen, die bei Auffälligkeiten schnell in die tiefere Unfallanalyse einsteigen lassen, um wirksame Maßnahmen ergreifen zu können.

Auch Befragungen von Lkw-Fahrern sind in diesem Rahmen geplant. Rechtsabbiegeverbote für Lkw, wie sie beispielsweise die Stadt Wien plant, sind für München nicht möglich, da es keine Rechtsgrundlage dafür gibt – etwa in der Straßenverkehrsordnung (StVO). Damit die Stadt München ihrer Vorbildfunktion gerecht werde, hat sie nach Information einer Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats ihren eigenen Fuhrpark von etwa 800 Lkw bereits zu rund 90 Prozent mit einem Kamerasystem ausgestattet. „Die Modernisierung in Richtung sensorgestützter Systeme läuft.“ Alle öffentlichen Ausschreibungen der Landeshauptstadt München, die für eine Dienstleistung mit einem Lkw gelten, machen zur Bedingung, dass der Lkw mindestens über eine Kamera verfügt.

Die einjährige Testphase der Trixi-Spiegel an den vom Kreisverwaltungsreferat gemeinsam mit Polizei, Baureferat, Bezirksausschüssen und dem Unfallforscher Dr. Wolfram Hell ausgewählten Standorten ist bereits gestartet. Schritt für Schritt sollen weitere Standorte folgen, und nach einem Jahr werten Polizei und Baureferat die Erfahrungen gutachterlich aus. Anfang 2021 sollen Ergebnisse und daraus resultierende Empfehlungen dann dem Stadtrat vorgelegt werden.

Der Trixi-Spiegel

Trixi-Spiegel an Ampeln unterstützen Lkw- und Busfahrer darin, den toten Winkel vor und neben ihrem Fahrzeug einzusehen. Der Spiegel zeigt Radfahrer, Fußgänger oder E-Scooter mit einem Sichtfeld von etwa 90 Grad. Sind Fahrzeug und Radfahrer oder Fußgänger gleichzeitig in Bewegung, ist der ungeschützte Verkehrsteilnehmer nur kurz im Spiegel zu sehen. Die runden Kunststoffspiegel sind konvex gewölbte Parabolspiegel und etwa 45 Zentimeter groß. Sie lassen sich relativ einfach an Ampel- oder Verkehrsschildpfosten anklemmen, wichtig ist die richtige Ausrichtung. Gegen Verschmutzung und Beschlagen hilft die Montage mit leichter Neigung nach unten.

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