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Trixi-Spiegel kann Toten Winkel eliminieren

Unterstützung für Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen

Foto: Imove – TU Kaiserslautern

Freiburg hat bereits 160 Trixi-Spiegel flächendeckend an gefährlichen Kreuzungen angebracht und seither keine tödlichen Lkw-Abbiegeunfälle registriert.

Erst vor wenigen Wochen kam in München ein elfjähriger Junge ums Leben, weil ihn ein rechts abbiegender Lkw übersehen hatte. Nun engagiert sich eine private Initiative dafür, an gefährlichen Kreuzungen bis zu 100 sogenannte Trixi-Spiegel anzubringen. Das berichtet der Erfinder dieser besonderen Spiegel, Ulrich Willburger. „Immer erst wenn ein schlimmer Unfall passiert ist, werden ein paar Spiegel bei uns geordert“, sagt er. Und das ist seiner Meinung nach nicht ausreichend. Er nennt die Schweiz als gutes Beispiel, wo insgesamt 3.000 Spiegel installiert sind, „in Basel finden Sie Trixi-Spiegel überall“ – in Deutschland seien es gerade mal 1.000 Stück.

Hierzulande sind vor allem Abbiegeassistenzsysteme en vogue. Seit Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) die Aktion Abbiegeassistent ins Leben gerufen und allein für dieses Jahr zehn Millionen Euro an Fördermitteln für die Nachrüstung mit diesen Systemen bereitgestellt hat, sind sie ein Muss für Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche, die vorweisen wollen, dass ihnen das Thema Sicherheit wichtig ist. Mittlerweile verzeichnet die Aktion 114 Sicherheitspartner, die sich damit verpflichten, ihren Fuhrpark mit Abbiegeassistenten auszustatten, noch bevor dies auf EU-Ebene für Neufahrzeuge Pflicht wird.

Trixi-Spiegel von Ulrich Willburger entwickelt

Ulrich Willburger, dessen Tochter 1994 bei einem Unfall mit einem rechts abbiegenden Lkw schwer verletzt worden war, erfand den runden, konvex gewölbten Spiegel und benannte ihn nach seiner Tochter. „Ob solche Spiegel an Ampelanlagen angebracht werden oder nicht, hängt ausschließlich vom Willen der Politiker und der Verantwortlichen in einer Kommune ab“, berichtet er. Über bloße Absichtserklärungen von Politikern bei Veranstaltungen oder nach Unfällen, die dann aber doch zu keinerlei Veränderung der Verkehrssituation führen, ärgert er sich oft. Und er berichtet von regionalen und privaten Initiativen, die oft bei den Kommunen erreichen, dass Trixi-Spiegel angebracht werden. Die Wirksamkeit dieser Spiegel ist für ihn unbestritten. „Der Schlüssel für Lkw-Fahrer ist es, zu wissen, warum sie in den Spiegel schauen.“ Denn es sei bei Trixi-Spiegeln nicht wie bei den üblichen Verkehrsspiegeln, die dazu dienen, um die Ecke zu schauen. „Der Fahrer sieht im Spiegel sich selbst und den Bereich rechts von seinem Fahrzeug.“ Das bedeute, dass auch eine entsprechende Aufklärung vor Ort nötig sei.

Die Stadt Freiburg hatte 2007 begonnen, Trixi-Spiegel zu installieren, und verzeichnet aktuell 160 Stück, was nach ihren Angaben flächendeckend ist. Auf die Anfrage unserer Redaktion antwortete eine Sprecherin: „In der Zeit seit Inbetriebnahme ist unseres Wissens kein tödlicher Unfall an Kreuzungen mit Trixi-Spiegeln vorgefallen.“ Ausgewählt für die Ausstattung mit Spiegeln hat die Kommune Kreuzungen mit großer Verkehrsbelastung. Bis 2010 hat das Institut für Mobilität und Verkehr an der Technischen Universität in Kaiserslautern eine Untersuchung zum Pilotprojekt „Wirksamkeit von Trixi-Spiegeln zur Reduzierung des Toten Winkels“ erstellt.

Experten sehen Trixi-Spiegel als Ergänzung

Auch Markus Egelhaaf von der Expertenorganisation Dekra kennt die Trixi-Spiegel und sagt: „Vom Prinzip her haben diese ihre Berechtigung.“ Dort, wo die Spiegel angebracht seien, sei es allerdings für Ortsfremde oft schwierig, sie zu nutzen, denn sie wüssten oft nicht, welche Kreuzung mit einem solchen Spiegel ausgestattet ist, und lassen ihn daher ungenutzt. Vorteile biete deswegen nur ein flächendeckender Einsatz, bei dem aber an jeder Kreuzung mindestens vier Spiegel angebracht seien. Darüber hinaus sei bei Trixi-Spiegeln eine regelmäßige Wartung nötig, denn die Spiegel könnten verschmutzen oder kaputtgehen.

Nicht uneingeschränkt positiv bewertet diese auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), der auf Anfrage mitteilte, dass Lkw-Fahrer schon etliche Spiegel hätten, auf die sie blicken müssten. Ein zusätzlicher Blick in den Trixi-Spiegel könne vermutlich nicht helfen, Unfälle gänzlich zu vermeiden. Dafür bedürfe es weit mehr als dieser einen Maßnahme, so die Ansicht des DVR. „Untersuchungen dazu gibt es keine. Es ist lediglich die Einschätzung von etlichen Verkehrsexperten.“ Kommunen, die sich für das Anbringen solcher Spiegel entscheiden, lenkten jedoch die Aufmerksamkeit auf die Verkehrssicherheit, „das ist ein sehr positiver Effekt“.

Entscheidung der Kommunen und Landkreise

Probleme für die zusätzlichen Spiegelsysteme sieht der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) in der Dämmerung oder in der Nacht, bei starkem Regen oder auch nur bei entsprechendem Schattenwurf. Und der Verband sieht, dass Lkw-Fahrer beim Abbiegen zusätzlich zu einem Trixi-Spiegel noch ein halbes Dutzend Außenspiegel, den Gegenverkehr, den Querverkehr, Ampeln, Beschilderungen und schließlich auch den Bereich vor dem Lkw im Blick haben müssen. Doch: „Eine Kreuzung mit Trixi-Spiegel ist grundsätzlich besser als eine ohne, aber er kann einen Abbiegeassistenten mit aktiver akustischer Warnung nicht ersetzen.“

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) antwortete auf Nach­frage von trans akuell, dass in Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mögliche Verbesserungen von Radverkehrsführungen zur Vermeidung von Abbiegeunfällen untersucht wurden. Dabei seien auch ortsfeste Spiegelsysteme wie der Trixi-Spiegel einbezogen gewesen. Ergebnis: „Es konnten allerdings keine belastbaren positiven Effekte dieser Spiegel nachgewiesen werden.“ Eine Analyse von Unfällen zwischen abbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeaus fahrenden Radfahrern habe gezeigt, dass sich die Beteiligten vorher in Bewegung befanden und somit entsprechende Spiegel solche Unfälle nicht effektiv verhindern könnten. Auf die möglichst lückenlose Ausrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten lege Verkehrsminister Scheuer jedoch großen Wert, was man an seinem Engagement für diese Systeme ­sehen könne. „Insgesamt wird der Trixi-Spiegel aber als eine mögliche ergänzende Maßnahme gesehen.“

Fakt ist also: Damit es bei der derzeitigen Rechtslage bundesweit zu einer flächendeckenden ergänzenden Ausstattung von Kreuzungen mit Trixi-Spiegeln kommt, müsste jede einzelne Kommune tätig werden und über die Anbringung von Trixi-Spiegeln entscheiden.

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