MAX 80 Regeln

Rothermels Flotte steht unter Polizeischutz

Foto: Jan Bergrath 4 Bilder

Die Fahrer der Spedition Rothermel aus Östringen sind Profis am Steuer. Daher sind die zehn Max-80-Regeln der Verkehrspolizei Mannheim für sie im Alltag eigentlich selbstverständlich.

Die Speditionen Graeff in Mannheim und Rothermel in Östringen haben eigentlich keine Berührungspunkte. Dennoch haben sie etwas gemeinsam: Beide stehen sozusagen unter „Polizeischutz“. Während Dieter Schäfer, Direktor der Verkehrspolizei Mannheim, höchstpersönlich den 17 Fahrern von Graeff die zehn Max-80-Regeln aus der Kampagne „Hellwach mit 80 km/h“ nahebrachte, war es dem Polizeihauptkommissar Rüdiger Heiler, Leiter Verkehrsgruppe gewerblicher Güter- und Personenverkehr der Polizei Karlsruhe, überlassen, die Fahrer von Rothermel vom Sinn und Zweck dieser sehr lobenswerten Aktion zu überzeugen. 22 Jahre lang fuhr Heiler im Rahmen einer erlaubten Nebentätigkeit als Aushilfe für Rothermel. Nun klärt er sie bei Schulungen über das Thema der „fahrerfremden Tätigkeiten“ auf. Immer wieder entdecken seine Kontroll­beamten auf ihren Streifen Fahrer, die mit etwas anderem beschäftigt sind als eben dem Fahren. „Im Rahmen meiner Schulung möchte ich die Fahrer sensibilisieren, sich es täglich zur Aufgabe zu machen, auf das Fahren konzentriert zu sein.“ Das Dilemma: Moderne Lkw mit allen ihren technischen Assistenten unterstützen den Fahrer auf der einen Seite, andererseits fördern sie die Monotonie hinterm Lenkrad. Diese wiederum reizt dazu, sich abzulenken. Sei es durch den schnellen Griff zum Smartphone oder den kurzen Blick etwa auf den Frachtbrief.

Foto: Jan Bergrath
Christian Rothermel, Geschäftsführer der Spedition Rothermel.

10 Regeln der Fahrsicherheit sind eine Frage der Berufsehre

Lkw-Fahrer sollten es eigentlich wissen: In einer Sekunde legt ein Lkw bei 80 km/h etwa 22 Meter zurück. Taucht ein Hindernis auf, beträgt der Anhalteweg auf trockener Fahrbahn immer noch 60 Meter. Tausende Male am Tag geht die momentane Ablenkung auf der Autobahn gut. Und dann gibt es eben doch irgendwo in Deutschland diese eine Konstellation, die letztendlich zu einem Crash am Stauende führt. So wie es immer wieder auf den Autobahnen 5 und 6 rund um das Walldorfer Kreuz passiert: das sogenannte Augenblicksversagen. Oft reicht es, um für einen kurzen Moment nach rechts abzudriften. Genau in dem Augenblick, in dem auf dem Pannenstreifen ein Fahrzeug steht. „Auch wir hatten 2010 einen Unfall, bei dem ein Fahrer nur kurz zu einer noch brennenden Zigarette auf dem Boden der Beifahrerseite gegriffen hat“, sagt Christian Rothermel. Er ist zusammen mit seinem Bruder Martin in zweiter Genera­tion Geschäftsführer der Spedition mit 130 Lkw und 155 festen Fahrern. „Dann hat er ein Fahrzeug des ADAC touchiert. Leider gab es einen Toten."

Rothermel hat daraus in der Fuhrparkleitung Konsequenzen gezogen und acht Jahre später sofort zugesagt, die Aktion der Polizei zu unterstützen. „Wir haben den Flyer mit den zehn Regeln mit einem Schreiben an unsere Fahrer sofort in die nächste Lohnabrechnung gesteckt. Und Rüdiger Heiler baut die Aufklärung über die Gefahr der fahrerfremden Tätigkeiten in seine Modulschulungen ein, die er seit diesem Herbst bei uns abhält.“ Drei gewissenhafte Fahrer von Rothermel, so beschreibt sie Heiler, haben sich nun die zehn Regeln genau angesehen und dabei, so wie ihr Chef, festgestellt, dass sie für Profis am Steuer eigentlich selbstverständlich sein sollten – eine Frage der Berufsehre. „Von uns muss sich zum Beispiel niemand während der Fahrt am Steuer umziehen“, meint etwa Uwe Mönch, 45, aus Waldangelloch, seit 19 Jahren Fahrer bei Rothermel. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass die meisten Fahrer von Rothermel ausschließlich im Radius von rund 250 bis 300 Kilometern unterwegs sind. Schwerpunkte sind neben der Automotive-Logistik die Transporte von Baustoffen, Reifen und Verpackungen. Die grundsätzlich defensive Fahrweise schlägt sich bei Mönch in einer kontinuierlichen Fleetboard-Note von 9,5 nieder, knapp über dem Flottendurchschnitt von 9,2.

Jan Bergrath Mannheimer Initiative gegen Lkw-Unfälle Hoffnung auf Max 80

Fahrer stimmen den Regeln absolut zu

„Manche Punkte scheinen mir vor allem auf die Kollegen aus Osteuropa gemünzt zu sein, die tagelang auf Tour sind“, ergänzt Rolf Giesin, 62, aus Hambrücken, schon seit 30 Jahren dabei. In der Tat werden die Flyer dank eines Sponsors, der Mannheimer Versicherungs AG, in mehreren Sprachen gedruckt und sollen an den wichtigsten Ladestellen der Metropolregion Mannheim/Ludwigshafen verteilt werden. „Alkohol oder Drogen kommen für Profis am Steuer sowieso nicht infrage“, betont Karl Weinmann. „Und zum Glück kommen wir im Regionalverkehr jederzeit schnell zum Arzt.“ Alle drei Fahrer können den Regeln absolut zustimmen. In der Dispo herrscht ein hoher Digitalisierungsgrad: telefoniert wird eher selten, Nachrichten in den Lkw werden nur im Stand entgegengenommen oder ins Büro geschickt. Und den Drang, immer in den sozialen Medien unterwegs zu sein, haben die drei Fahrer nicht. „Allerdings sollte man während der Fahrt schon mal trinken dürfen“, meint Mönch, „schließlich gibt es doch in allen Lkw praktische Getränkehalter.“

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 02 2019 Titel
FERNFAHRER 02 / 2019
5. Januar 2019
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