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JansBlog

Nach dem Saufgelage brennt ein Lkw

Foto: Jan Bergrath
Meinung

Ein betrunkener Fahrer aus Weißrussland hat über Pfingsten auf einem deutschen Parkplatz randaliert und am Ende einen Lkw angezündet. Keine guten Zeichen für die Parkplatzpläne des Europäischen Parlaments, über die am 4. Juni in Brüssel angestimmt wird.

23.05.2018 Jan Bergrath

Sinnlose Verwüstung und ein verkohltes Lkw-Skelett: Nach Angaben des Nordkuriers sind am Pfingstsonntagabend einem alkoholisierten, 39 Jahre alten Lkw-Fahrer aus Weißrussland auf einem Parkplatz in einem Industriegebiet bei Schwedt (Brandenburg) die Nerven durchgegangen. Nach einem Trinkgelage hat er laut Polizei zuerst die Lkw zweier Kollegen mit einer Axt attackiert und dann einen Lkw angezündet. Er kam in Polizeigewahrsam.

Etwas glimpflicher verlief eine ähnliche Auseinandersetzung auf der Autobahnraststätte Bottrop an der A2 am Pfingstsamstag. Hier wurde ein Fahrer aus der Ukraine von drei seiner Kollegen verprügelt. Sie sollen vorher friedlich zusammengesessen sein.

Keine Einzelfälle mehr

Diese beiden aktuellen Ereignisse passen in das Bild, dass ich zuletzt Mitte März gezeichnet habe, nachdem bereits der zweite Fahrer aus der Ukraine während eines Wochenendes an einer deutschen Autobahn von seinen betrunkenen Kollegen erschlagen worden war. Dazu kommt mittlerweile praktisch einmal die Woche ein Vorfall mit einem stark alkoholisierten Lkw-Fahrer, den die Autobahnpolizei aus dem Verkehr ziehen muss, so wie gleich zweimal am Pfingstsamstag, einmal auf der A3 und einmal auf der A44, wobei hier keine Nationalitäten genannt werden.

Ukrainer wegen getöteter Polizistin vor Gericht

Der ukrainische Fahrer, der nach Weihnachten auf der A61 bei Viersen betrunken in einen Streifenwagen gerast ist muss sich ab dem 12. Juni in Mönchengladbach vor Gericht verantworten. Ich werde dort sein und versuchen, etwas über die Hintergründe zu erfahren.

Nicht mehr akzeptabel

Eins steht auf alle Fälle fest: Es gibt es mittlerweile zu viele Vorfälle dieser Art, um sie einfach so hinzunehmen. Sogenannte "Abfahrtskontrollen", wie sie etwa die Autobahnpolizei an der A61 bei Bingen immer wieder "erfolgreich" durchführt, indem sie verhindert, dass alkoholisierte Lkw-Fahrer am Sonntagabend auf Tour gehen, sind viel zu selten.

Auch wenn bei Facebook aktive Polizeibeamte schreiben, dass weit mehr Pkw-Fahrer bei Alkoholkontrollen in den Städten auffallen würden, was sicher unbestritten ist, so liegt hier meines Erachtens vor allem ein großes soziales Problem der Fahrer aus Osteuropa vor. Das sei nicht länger akzeptabel, schrieb mir spontan Professor Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des BGL, dem ich die beiden Berichte über die Vorfälle an Pfingsten geschickt hatte.

Wie reagiert das Europäische Parlament?

Ich habe die beiden Berichte auch an Wim van de Camp und Ismail Ertug nach Brüssel geschickt. Wie ich kürzlich schrieb, wurden beide EU-Politiker von der IRU eingeladen, einmal mitten in der Woche eine einzige und wohlbehütete Nacht auf einem Sicherheitsparkplatz bei Brüssel zu verbringen.

Denn vor allem van de Camp verfolgt den Plan, dass Lkw-Fahrer in Zukunft auch weiter ihre regelmäßige wöchentliche Ruhezeit auf "zertifizierten Sonderparkflächen" verbringen dürfen, statt dafür zu sorgen, dass sie, so will es der Kompromissvorschlag der Kommission, spätestens am Ende der dritten Wochen wieder nach Hause fahren müssen. In einem Interview nahm Ertug zu diesem Ausflug Stellung.

Voraussichtlich am 4. Juni wird das Europäische Parlament über das Mobilitätspaket abstimmen, und ich kann die Politiker in Brüssel nur ermahnen, von der Kopplung einer Änderung des Artikels 8 Absatz 6 und 8 über die Verbringung der Ruhezeiten im Lkw mit der eh schon verheerenden Parkplatzsituation insbesondere im größten europäischen Transitland abzusehen. Das wird einfach nicht so funktionieren, wie es sich die Theoretiker in Brüssel ausmalen.

Diese erschreckenden Vorfälle mit betrunkenen Fahrer werden dann nämlich schlicht und einfach weiter zunehmen – denn es werden immer mehr, inzwischen sogar aus den Nicht-EU-Ländern Ukraine und Weißrussland, die den bereits auch in Polen herrschenden Fahrermangel ausgleichen müssen. Und gegen übelste Trinkgelage werden auch keine eingezäunten Sonderparkflächen helfen.

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