Tachostunde Folge 3 Die Komplexität des Nachtrags

jörg blommel Foto: Jörg Blommel

Vor Beginn jeder Tour schließt auch Jörg Blommel die Aufzeichnungslücke seit der letzten Entnahme der Fahrerkarte. Bei der Spedition Resing aus Gescher ist er für alle Fragen zum Tacho der Ansprechpartner.

Die Aufteilung seiner Touren im Nah- und Fernverkehr sagt Jörg Blommel, 52, aus Gescher schon immer zu. 1995 machte der gelernte Kfz-Mechaniker auf eigene Kosten den Lkw-Führerschein. Seit 27 Jahren ist er bei der Spedition Resing beschäftigt, einem mittelständischen Unternehmen – ebenfalls aus Gescher – mit derzeit 15 eigenen Lkw. Jörg fährt seit 2016 einen Mercedes Actros 1845 Megaspace mit einem einst "typisch deutschen" Dreiachsanhänger von Krone. "Ich bin zunächst zwei bis drei Tage im nationalen Fernverkehr unterwegs", erzählt Jörg. "Derzeit geht es oft in Richtung Süddeutschland. Am Donnerstag und Freitag mache ich Touren im Nahverkehr, lade dann wieder für die kommende Woche vor und bin jedes Wochenende zuhause."

Digitacho Foto: Jörg Blommel
Der VDO Tacho im Actros 1845 mit Baujahr 2016 von Jörg Blommel ist ein DTCO 1381, Release 2.1. Jeden Arbeitstag beginnt Jörg am Morgen mit dem Nachtrag. Das dauert rund 30 Sekunden.

Seine Fahrerkarte nimmt der zweifache Familienvater nach Schichtende zum Wochende aus dem digitalen Tacho, so wie es seine Kollegen nach den Tagestouren ebenfalls tun. "Am Montagmorgen beginnt meine Arbeitswoche dann natürlich mit dem entsprechenden Nachtrag", sagt Jörg. "Das dauert bei meinem VDO Typ DTCO 1381, Release 2.1, rund 30 Sekunden."

Aber noch eine weitere Rolle spielt Jörg im Rahmen der innerbetrieblichen Organisation bei Resing. "Ich bin von meinem Chef der offiziell beauftragte Ansprechpartner für alle unsere Fahrer zum Thema der Lenk- und Ruhezeiten und dem richtigen Umgang mit dem digitalen Tacho." Dazu hat Jörg aus purem Interesse an der Materie privat eine Weiterbildung zum Verkehrsleiter begonnen, die Prüfung vor der IHK steht bevor. "Es ist auch als Berufskraftfahrer immer gut, ein zweites Standbein zu haben, falls es mit den körperlichen Bedingungen zu viel wird."

So ist Jörg besonders prädestiniert für die dritte Folge unserer "Tachostunde" zusammen mit Götz Bopp am 8. Juni 2022. Darin geht es um das weite Feld des Nachttrags. "Vor Beginn jeder Tour muss der Fahrer die Aufzeichnungslücke seit der letzten Entnahme der Fahrerkarte schließen", erklärt Bopp. "Er muss also detailliert und minutengenau angeben, welchen Tätigkeiten er zwischenzeitlich nachgegangen ist." Erfasst werden müssen Arbeitstätigkeiten, Bereitschaftszeiten und alle Formen der Freizeit, also Pausen und Ruhezeiten ebenso wie Krankheits- oder Urlaubsphasen." Dazu sagt Jörg: "Für Fahrer, die jeden oder fast jeden Arbeitstag aufzeichnungspflichtig unterwegs sind und dabei ein Fahrzeug bewegen, das nicht allzu alt ist und somit über eine neuere Ausbaustufe des digitalen oder gar intelligenten Fahrtenschreibers verfügt, ist dieser manuelle Nachtrag kein Hexenwerk sondern eine routiniert abgewickelte Übung."

Gelegenheitsfahrer im Nachteil

Deutlich komplexer wird es, wenn Fahrer nur sehr unregelmäßig fahren und die Lücke in den Aufzeichnungen größere Zeiträume umfasst. Oder wenn am Montag ein altes Spezialfahrzeug mit Tachoscheibe, am Dienstag der brandneue Sattelzug mit dem VDO DTCO 4.0e und am Mittwoch der Sprinter mit Tageskontrollblatt bewegt wird. "Ob das realistisch ist, sei dahingestellt", sagt Bopp. "Wenn aber der Chef oder der Disponent für den krankheitsbedingt ausgefallenen Stammfahrer ranmüssen, ist es mit einem manuellen Nachtrag im Regelfall nicht getan. Hier gestaltet sich die lückenlose Nachweisführung durchaus anspruchsvoll."

In Zusammenhang mit dem Thema Pflichten des Fahrers rund um den Fahrtenschreiber sowie die Lenk- und Ruhezeitenerfassung werden wir auch über die folgenden Themen sprechen: Die Erfassung von Be- und Entladevorgängen in Neufahrzeugen ab August 2023 und in grenzüberschreitend eingesetzten Fahrzeugen ab dem Zeitpunkt, ab dem sie umgerüstet sind auf die neueste Version des Fahrtenschreibers. Dazu die Erweiterung des Zeitraums, in dem ein lückenloser Nachweis beigebracht werden muss – von 28 auf 56 Kalendertage ab dem 31.12.2024.

"Es ist die Aufgabe des Unternehmens, seinen Fahrern im Rahmen von Schulungen die Bedienung des Fahrtenschreibers zu vermitteln", betont Jörg. "Das ist bei uns ganz klar geregelt. Denn nur, wenn unsere Fahrer wissen, welche Rechte und Pflichten sie im Umgang mit dem digitalen Tacho und den Sozialvorschriften haben, können sie ihre von der Disposition entsprechend geplanten Touren auch weitestgehend ohne Verstöße im Lkw unterwegs umsetzen."

Experte live auf FERNFAHRER-Facebook

Götz Bopp berät Unternehmen und Fahrer rund um das Thema Lenk- und Ruhezeiten. Zum dritten Mal am 8. Juni 2022 ab 18 Uhr und weiter jeden zweiten Mittwoch im Monat, spricht er unter der Moderation von Jan Bergrath mit Fahrern über die Lenk- und Ruhezeiten und alles, was damit zusammenhängt. Die „Tachostunde“ wird auf der Facebookseite von FERNFAHRER live gestreamt. „Wir behandeln die Grundlagen und beschäftigen uns natürlich auch mit den teilweise komplizierten Neuerungen aus dem Mobilitätspaket“, sagt Bopp. „Stellt eure Fragen direkt in der Sendung – wir freuen uns auf euch!“

Lesen Sie auch Tachostunde Folge 2: Lenkzeit-Reserve Hauptsache nach Hause
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