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Ablenkung durchs Handy

Kaum weniger tödliche Unfälle

Foto: Jan Bergath

IRTAD-Studie zeigt: Zahl der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr geht weltweit zunehmend langsamer zurück.

Auch Länder, die bei ihrer Verringerung bislang sehr erfolgreich waren, wie Schweden, Großbritannien oder die Niederlande, haben inzwischen Schwierigkeiten hier weitere Fortschritte zu erzielen. Das geht aus Untersuchungen der International Traffic Safety Data and Analysis Group (IRTAD) hervor. Insgesamt sterben jährlich etwa 1,35 Millionen Menschen bei Unfällen auf der Straße, 90 Prozent davon in Ländern mit mittleren oder niedrigen Einkommen.

„Wir verzeichnen seit 2013 eine deutliche Verlangsamung bei der Verringerung tödlicher Unfälle“, sagte IRTAD-Vorsitzender Prof. Fred Wegman bei einer Präsentation auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig. Ein Grund könne seine, dass das Fahrrad viel beliebter geworden sei und E-Bikes zunehmend auch von älteren Bürgern genutzt würden. Außerdem kontrolliere die Polizei oftmals weniger als früher, was ein risikoreicheres Verhalten der Bevölkerung bewirke. Ein großer Faktor für Unfälle sei neben Alkohol am Steuer oder überhöhtem Tempo auch die Ablenkung durch Handys und elektronische Geräte. Hinzukämen jetzt neue Herausforderungen wie Elektro-Roller.

Positiver Trend reicht nicht

Zwar sei der Trend langfristig positiv, sagte Wegmann. Das reiche aber nicht aus, um die Zahlen der Todesopfer bis 2020 zu halbieren, wie es sich die Vereinten Nationen zum Ziel gesetzt hatten. Hierfür wäre ein Minus von 38 Prozent notwendig gewesen. Die IRTAD wertet zuverlässige Daten von 33 Ländern aus, im Jahr 2017 war die Anzahl der Straßenverkehrstoten im Vergleich zum Vorjahr noch in 27 Ländern um 2,6 Prozent zurückgegangen. Im vergangenen Jahr dagegen konnten nur 17 von 27 Ländern die Zahlen verringern oder stabilisieren, in zehn Ländern stiegen sie sogar an. „Hierfür eine Erklärung zu finden, ist nicht einfach“, sagte Wegman.

„Die Straßenverkehrssicherheit ist weltweit ein dringendes Problem“, betonte auch der schwedische Verkehrsminister Tomas Eneroth. Unfälle auf der Straße seien inzwischen die Haupttodesursache für Kinder über fünf Jahren. Schweden habe trotz wachsenden Verkehrs bedeutende Verbesserungen erzielt und verfolge das langfristige Ziel „Vision Zero“ ohne Schwerverletzte oder Verkehrstote bereits seit 1997. Diese Erfahrungen wolle man 2020 bei der 3. Globalen Ministerkonferenz zur Straßenverkehrssicherheit in Stockholm gern mit anderen Staaten teilen.

Neue Ziele bis 2030

Zu der Veranstaltung, die von der Weltgesundheitsorganisation unterstützt wird, werden am 19. und 20. Februar 2020 Delegationen aus mehr als 80 Ländern erwartet. Teilnehmen werden auch Vertreter aus Industrie und Forschung sowie weitere globale Organisationen. Die Konferenz beendet die UN-Dekade zur Straßenverkehrssicherheit und soll zum Ausgangspunkt für die weitere internationale Zusammenarbeit mit einer Richtschnur bis 2030 werden.

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