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Truck Trial: Total entspannt - 1. ITTM Lauf in Klieken

Eine Kiesgrube im sachsen-anhaltinischen Klieken bei Coswig war Arena für die Premiere der Internationalen Truck Trial Meisterschaft ITTM und Bewährungsprobe für den neu formierten ausrichtenden Truck Trial Club Deutschland TTCD e.V. im DMV. Eine Premiere, die Lust auf Mehr macht!

Das ist den beiden Hauptverantwortlichen des Vereins augenscheinlich unangenehm: Sie stehen auf dem Podium vor Aktiven, Helfern und Zuschauern der gerade zu Ende gegangenen Auftaktveranstaltung wie auf heißen Kohlen. Grund ist aber keineswegs eine missglückte Veranstaltung oder Teilnehmer-Kritik. Ganz im Gegenteil: TTCD-Vorsitzender Stefan Schoder und sein Vize Olaf Grätz hatten gerade die Trophäen und Urkunden an die siegreichen Teams aller Klassen mit Ausnahme der S5 ausgereicht. Aber wie bitte überreicht man einen Siegerpokal an sich selbst? Zumal dann, wenn den Siegern der Sieg irgendwie unangenehm ist. Denn das Dexter Team Grätz/Schoder hatte das Unmögliche vollbracht und trotz der schier unübersehbaren Fülle organisatorischer Aufgaben gerade den Sieg in der großen Klasse eingefahren. „Nein, das geht nicht. Wir sind außerhalb der Wertung gestartet,“ ist die erste spontane Reaktion der beiden hinter den Kulissen. „Wir können doch nicht bei der eigenen Veranstaltung...!“ „Können sie doch“, meinen einhellig zumindest die versammelten Sportkommissare, Sektions- und sonstige Helfer: „Diesen Sieg habt Ihr Euch verdient, er steht Euch zu!“

Bedenken, dies könnte zumindest von Teilen der Fachöffentlichkeit zum Nachteil der neuen Serie interpretiert werden, sind rasch zerstreut. Die aktive Teilnahme hochrangiger Verantwortlicher als Starter bei den eigenen Wettbewerben hat im Truck Trial Sport  schließlich Tradition. Hätte es einer weiteren Bestätigung bedurft, die Reaktion des zweitplatzierten Teams Patrick Töpfer, Torsten und Annika Ruppelt (Team HK Engelbändiger) ist unzweifelhaft: „Olaf und Stefan waren besser. Wir haben ein paar Mal Mist gebaut. Klar haben die beiden gewonnen. Wir wollen doch keinen geschenkten Sieg!“
Geschenkt wurde den Teilnehmern in Klieken, unmittelbar an der Autobahn Berlin-Leipzig gelegen, wahrlich nichts. Das kompakte Gelände mit größtenteils sandigem, aufgeschüttetem Untergrund, einigen Abschnitten mit gewachsenem Boden, einer schönen steinigen Sektion und gleich drei Abschnitten mit Wasser, geilen Schräg- und Steilfahrten bietet beste Voraussetzungen für starke Trials. Und tolle Aussichtspunkte für die Zuschauer. Rechnet man das beinahe schon zu gute Wetter hinzu (ein Streckenhelfer kippte am Super-Sonnen-Samstag schlichtweg aus den Latschen), sind die Rahmenbedingungen in den ausgesteckten 32 Sektionen perfekt. Auch, wenn einmal etwas nicht ganz nach Plan läuft. Wie beim Umfaller des Unimog 404 S des Teams Fahlbusch MogSport. Die Hessen drehen den Benziner-Mog ungewollt-gekonnt aufs Dach. Spitzen-Haltungsnoten! Der weiche Untergrund verhindert größere Blessuren. Dem Neustart nach kurzer Reparaturpause folgt dann aber ein Kupplungsdefekt. Aus die Maus. Problem: Die Fahlbuschs sind mit dem Mercedes „Gelände-Roadster“ auf eigener Achse angereist. Jetzt muss der Rücktransport organisiert werden.
Der 404er bleibt nicht er einzige Ausfall. Peggy und Kay Rudolph haben eigens für die ITTM einen GAZ 66 neu aufgebaut und zerschießen sich schon um die Samstags-Mittagszeit an einem Baumstumpf Vorderachse und Lenkung – ausgeGAZt. Schwund auch bei den Dickschiffen. Das Truck Trial Team Oberharz, besser bekannt als „Schierker Feuersteine“, haben dem geschundenen, zerbeulten Tatra 813 nach einem Jahr Pause wieder Leben eingehaucht. Der Hauch reichte aber nur für den Samstag, dann zerbröselten zeitgleich das Achsgetriebe vorne rechts und die Kupplung. Ein Gläschen Schierker Feuerstein zum Trost? Denkste, die flüssige Naturalien-Sponsorleistung hatte die rote Truppe schlichtweg im neuen Clubhaus in Sorge im Harz (nomen est omen) vergessen. So kann das ja auch nichts werden!
Noch ein früher Ausfall: Wolfgang Bülles und Oliver Enders müssen ebenfalls schon am Samstag den Trialmog-Porsche mit Differenzialschaden abstellen.

Beinahe hätte Gottfried Kelemen seinen 813 ebenfalls vorzeitig geparkt. Denn auch am Trial-Dino des eigens aus Voitsberg in der Steiermark angereisten „Gelände-Ösis“ zeichnete sich vorne links ein ähnliches Problem ab. Kelemen schleppte den waidwunden Tschechen-Dampfer aber übers gesamte Wochenende, nachdem er – erst in den Mittagsstunden am Samstag aus Österreich angereist – die bis dahin bereits gefahrenen fünf Sektionen auf einstimmigen Beschluss aller weiteren neun (!) S5-Starter nachholen darf. Am Ende reicht es für Kelemen trotz Defekt noch zu Platz sechs. Den dritten Podiumsplatz in der Königsklasse sichern sich René “Steini“ Steinbach gemeinsam mit Roland Ott im Ex-Grätz-Tatra-Flacheisen. Die beiden starten für das Truck Team Seehausen. Einer grummelt dann doch ein wenig unzufrieden in den üppig sprießenden Bart: Jiri Inemann aus Tschechien hatte zur Halbzeit noch die S5 angeführt. Am Sonntag vergeigt der Tatra-Bär dann aber ein paar eher einfach zu fahrenden Tore – und futsch waren Führung und Podest.
Die tschechische Fahne halten dafür Adam Stanek und Martin Vlk hoch. Die beiden Trial-Jünglinge distanzieren mit ihrem blitzsauber aufgebauten 815 Dreiachser die übrigen Starter in der Klasse S4. Platz zwei geht an ein Trial-erfahrenes Team, das aber mit einem Rallye Truck frisch von der MT-Rallye in Polen hierher angereist ist: Dieter und Gabi Wollenberg zirkeln mit dem ellenlangen MAN Kat Dreiachser durch die Tore. „So viele Strafpunkte habe ich beim Trial noch nie eingefahren,“ kommentiert „Rhino“ Wollenberg die podestreife Leistung trotz 2.374 Zählern. Maik Lindemann und Andreas Hellner komplettieren als Doppelstarter auf dem Stendike-Zil das Podest in Klasse S4.
Man muss kein Hellseher sein, um das Ergebnis in der S3-Mittelklasse vorher zu sagen. Zwei GAZ gegen Heidenreich. Gegen? Es geht bei dieser ungleichen Konstellation wohl eher um Schadensbegrenzung für die GAZ-Besatzungen. Mit 623 sammelt der Coburger Dauersieger gemeinsam mit Sozia Jacqueline Alfers für seine Verhältnisse heftig Strafpunkte. Exakt 2.000 Zähler Abstand zum zweitplatzierten Team Michael Stendike/Maximilian und Robert Seidel spricht dennoch eine eindeutige Sprache.
Nicht ganz so dramatisch sind die Abstände in der Klasse S2, die im Zeichen des Duells zwischen den aus der Trial-Rente reaktivierten Ex-Europameistern Jürgen und Elke Kottkamp (verstärkt um Thomas Goer) vs. „Mr. Q“ Rolf Kempf stehen. Der sympathisch-verrückte Daniel Düsentrieb aus Vechta war aus bekannten Verschleißgründen ebenfalls mit gleich zwei Beifahrern, Peter Schmidt und Steffen Küster, angereist. Mit 479 Strafpunkten rammt Kempf die niedrigste Punktzahl des gesamten Wettbewerbs in den Fläming-Boden und sichert sich damit den Sieg über die Legende Kottkamp (688). Markus Hey und Michael Remme (TT Team Ostwestfalen Lippe) bleiben mit 827 Zählern zwar nahe dran, werden aber trotz beherzter fahrweise zum Zusehen bei dem S2-Zweikampf verdonnert.

Mit 492 Punkten bleiben die Sieger in der kleinen Klasse ebenfalls unter der magischen 500. Sven Schulze und Susanne Köllner halten damit den Mehrfach-Europameister Holger Brauwers (erstmals mit Sozia Simone Hitzke; 595 Punkte) auf Distanz. Das Treppchen komplettieren die Schulze-Teamgefährten Franz-Jochen Reinwarth/Uwe Plessney vom Team 4x4 Aupitz.
25 Teams aus drei Nationen, bis zu 20 (!) gefahrene Sektionen, eine bis auf Kleinigkeiten gut ablaufende, engagierte Organisation und dazu an allen Tagen eine spürbare allgemeine Entspanntheit bei allen Beteiligten macht den ITTM-Auftakt in Klieken/Coswig zu einem lange nicht mehr dagewesenen Erlebnis und Lust auf mehr.
Eindeutig funktioniert haben auch die wenigen Regeländerungen. Besonders die fehlende Begrenzung der Anzahl bei den Rangiervorgängen führte zu teilweise spektakulären Versuchen, früher schon im Ansatz ausgelassene Tore zu fahren. Auffallend: das sonst eher nervöse Gedränge um den Punkteaushang blieb aus. Immer schön entspannt bleiben! Und mögliche Diskussionspunkte waren ja schon mit dem Kommissar an der Sektion geklärt worden.
Bleibt abzuwarten, wie viele Teams „nur mal zum Schnuppern“ dabei waren. Die Starterliste zu Lauf zwei am 9. und 10. Juni im tschechischen Kràsnà Lipà wird es zeigen.

Autor

Foto

Klaus-Peter Kessler

Datum

1. Mai 2012
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