Traumroute Madrid-Algeciras 21 Bilder Zoom
Foto: Felix Jacoby

Traumroute Madrid-Algeciras

Der Weg nach Afrika

Sehr abwechslungsreich sind die 650 Kilometer auf dem Weg von Madrid zum Fährhafen Algeciras, von dem aus viele Schiffe zum nahen afrikanischen Kontinent ablegen.

Madrid ist ein beliebtes Ziel für Fernfahrer. Die Hauptstadt zählt 3,2 Millionen Einwohner, zusammen mit den Vororten sind es mehr als doppelt so viele. Fast ein Fünftel der spanischen Wirtschaftsleistung wird hier erbracht. Nur landet man mit dem Lastwagen meist in einem der trostlosen Industriegebiete. Es wäre aber schade, nicht einmal in der Innenstadt von Madrid gewesen zu sein.

Allerdings sollte der Lkw sicher bei einer Firma oder einem Lkw-Parkplatz (Spanisch: aparcamiento camiones) abgestellt sein. Mit Bus und Bahn geht es unkompliziert in die Stadt, selbst mit dem Taxi vergleichsweise günstig zurück. Wer den Ausflug wagt, wird belohnt mit einem unglaublich lebendigen Zentrum, spanischer Hochkultur, leckerer Gastronomie und einem legendären Fußballstadion, dem Bernabéu von Real Madrid. Allerdings ist das Klima gewöhnungsbedürftig – im Winter garstig kalt und im Hochsommer stickig und extrem heiß.

Madrilenische Gewerbewüsten werden zu weitläufigem Niemandsland

Der Platz "Puerto del Sol" markiert den zentralen Nullpunkt zahlreicher spanischer Fernstraßen. Unser Weg führt nach Süden. Es geht über riesige Schnellstraßen durch Gewerbewüsten aus Madrid hinaus. 50 Kilometer weiter ist man von einem Extrem ins andere geraten: von der brummenden Stadt in ein weitläufiges Niemandsland, Kastilien-La Mancha, die Heimat des ebenso legendären wie tragischen Ritters Don Quichote. Weiße Windmühlen neben der Straße erinnern an die Heldentaten des Edelmanns. Zur Freude der Fernfahrer gibt es in Spanien zahlreiche Straßenrestaurants mit Lkw-Parkplätzen, wo meist ein Menü für unter zehn Euro zu haben ist.

Die Hochebene liegt mehr als 600 Meter über dem Meeresspiegel, weswegen es hier zu üblen Straßenverhältnissen im Winter kommen kann. Das reicht von tückischer Vereisung bis zu wilden Schneestürmen. Deshalb gibt es entlang der Strecke mehrere riesige umzäunte Parkflächen für viele hunderte Lastzüge. Sie werden bei drohendem Chaos geöffnet, um Unfälle und Behinderungen der Räumdienste zu vermeiden.

Einsam und vierspurig

Bis auf zwei kleinere Städte, Manzanares und Valdepeñas, zieht sich die vierspurige Fernstraße gleichförmig und einsam durch das zunächst flache Land. Hier treffen wir Mihai Bilibou aus Ciudad Real. Er hat mit seinem sechsachsigen MAN-Anhängerzug Möbel für Nordfrankreich geladen. "Das ist angenehmes Fahren hier und es gibt nicht die elende Parkplatznot wie in Mitteleuropa. Gut auch, dass es hier kein Sonntagsfahrverbot gibt, da kann man sich die Tour am Wochen­anfang besser einteilen."

250 Kilometer südlich von Madrid kommt ein kleines Mittelgebirge in Sicht, das bis vor wenigen Jahren auf einer kurvigen und steilen Schnellstraße überwunden werden musste, eine extrem unfallträchtige Passage. Jetzt geht es ohne Tempoverlust dreispurig durch zwei moderne Tunnel. Bei Bailén führt der kürzeste Weg Richtung Afrika zunächst auf die A 44 in Richtung Granada. Hier betreibt die für den Schwerverkehr zuständige ­"Guardia Civil Trafico" eigene Lkw-Kontrollstationen mit Verwiegung und Tacho-Auslesung. Ab Jaén, dem so genannten "Tor zu Andalusien", gibt es eine Abkürzung über die A 316, die N 432 und die A 318 bis Lucena, damit erspart man sich den größeren Schlenker entweder über Granada oder Cordoba. 

Auf der Autovia nach Malaga

60 Kilometer davon sind noch zweispurige Landstraße, so wie es vor 30 Jahren noch flächendeckend in Spanien üblich war. Bei Lucena geht es wieder auf eine Autovia, die A 45. Sie verbindet Cordoba mit Malaga. Doch bevor das Mittelmeer in Sicht kommt, sind noch die bergigen Ausläufer der Sierra Nevada zu überwinden. Malaga mit seinen knapp 600.000 Einwohnern hat sich in den vergangenen Jahren sehenswert zu einer sauberen und im Hafenbereich nicht mehr so verwilderten Stadt entwickelt.

Von hier weiter südwestwärts geht es die Costa del Sol entlang: ein touristisches Ballungszentrum, das sich fast nahtlos über die Städte Torremolinos, Estepona, Marbella und kleinere Orte hinzieht. Bis vor wenigen Jahren bekam in Spanien so ziemlich jeder einen Immobilienkredit, wenn er nur einen Kugelschreiber halten konnte. Deswegen ist der Landstrich arg zubetoniert. Zahlreiche Neubauruinen säumen nun als steinerne Zeugen der Finanzkrise den Weg.

Gibraltar ist in Sicht

An der Küste führt die N 340 entlang, die in mehreren Teilstücken zur A 7 wird. Doch wegen der dichten Besiedlung kommt man hier mit dem Lastwagen nur mühsam voran. Alternativ gibt es mehrere mautpflichtige Abschnitte der AP 7, die an den unzähligen Betonburgen im Hinterland vorbeiführen. Am südlichsten Ende Europas kommt der britische Felsen Gibraltar in Sicht. Hier hat Jesús Gurado mit seinem Volvo vier britische Geländewagen für Mitteleuropa übernommen: "Eine gute Ladung, nur muss man wegen des Werts der Fahrzeuge immer sichere Parkplätze suchen!" 

Die Hafenstadt Algeciras, in Sichtweite von Gibraltar, zählt nur gut 100.000 Einwohner, aber jährlich über vier Millionen Durchreisende in Richtung Afrika. Dazu kommen fast fünf Millionen Containereinheiten und rund 300.000 Trucks und Trailer. Algeciras ist alles andere als reizvoll. Wer hier eine Pause verbringen muss, sollte lieber 20 Kilometer weiter nach Tarifa fahren. Das ist der südlichste Ort Europas, mit einer faszinierenden Altstadt und einem im Vergleich zum Mittelmeer wilderen und schöneren Atlantikstrand.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 04/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

11. März 2016
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Rechtsanwältin Judith Sommer ist Fachanwältin für Arbeitsrecht. Seit über 10 Jahren berät und… Profil anzeigen Frage stellen
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