Qualifizierung, Fahrerlaubnis, Weiterbildung, Pause 4 Bilder Zoom

Qualifizierung: Der Countdown läuft

Wer die vorgeschriebene Weiterbildung seiner Kraftfahrer schlecht plant, muss ab dem Jahr 2014 womöglich selbst ans Steuer. Bildungsträger befürchten Engpässe und mahnen zur Eile. trans aktuell hat bei einigen Speditionen nachgefragt, ob sie ihre Hausaufgaben schon gemacht haben.

Alle reden vom Fahrermangel – die Verkehrsverbände und Speditionen, die Handelskammern und Bildungsdienstleister. Noch ist er für manche nicht richtig greifbar, doch die Zahlen sprechen für sich: In den nächsten zehn Jahren geht fast jeder dritte Berufskraftfahrer in Rente. 150.000 Stellen müssen dann neu besetzt werden. Gleichzeitig wächst der Güterverkehr rapide. Und dazu noch das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz (kurz BKrFQG), ein Wort-Ungetüm, das manchem Spediteur das Fürchten lehrt. Dabei muss er doch nur vorausschauend planen und seine Fahrer rechtzeitig schulen.

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Ein in Paragrafen gegossener Wunsch aus dem Jahr 2006 steckt hinter dem BKrFQG: mehr Sicherheit im Straßenverkehr durch bessere und einheitliche Schulungen für die Profis im Güter- und Personenverkehr. Bis 2014 müssen alle Berufskraftfahrer ihre 35-stündige Weiterbildung abgeschlossen haben. Mancher Anbieter von Schulungen, etwa die Sachverständigenorganisation Dekra, befürchtet, dass die Schlafmützen der Branche erst kurz vor Schluss wie die alte Fasnet daherkommen könnten."

Wer nicht rechtzeitig handelt, hat unter Umständen volle Auftragsbücher und genügend Fahrzeuge, aber kein einsetzbares Personal", warnt Dekra-Akademie-Chef Jörg Manns-
perger. Er prognostiziert einen Schulungsstau, weil viele der begehrten Samstagstermine bereits belegt seien. Ein reales Szenario? trans aktuell hat bei einigen Speditionen nachgefragt.

Die Spedition Pabst aus dem bayrischen Gochsheim nahe Schweinfurt hat vorgesorgt, wie viele Transportkollegen auch. Sie hat 2009 mit den Schulungen begonnen. Im Juni nutzten 250 der 300 Berufskraftfahrer (BKF) zwei Samstage, um die Bausteine Ladungssicherung und Eco-Training zu belegen.

Experten referieren über Sicherheitstechnik und Fahrsicherheit

Pabst bildet selbst im Rahmen der jährlichen Infotage mit zwei betriebseigenen Fahrlehrern aus. Experten referieren zudem über Sicherheitstechnik und Fahrsicherheit. Zusätzlich besuchen rund 50 Fahrer externe Seminare. "Die Kraftfahrer werden schriftlich und mündlich auf Verlängerungstermine und entsprechende Voraussetzungen hingewiesen", sagt Karin Beier, die die BKF-Trainingsmaßnahmen im Haus organisiert.

Um dem drohenden Fahrermangel entgegenzuwirken, hat Pabst eine Imagekampagne gestartet, wirbt auf den Lkw-Hecks, hat in Schweinfurt eine Berufskraftfahrermesse ins Leben gerufen und zudem für 2012 doppelt so viele BKF-Azubis eingestellt, berichtet Personalleiterin Kirsten Vorndran. Zur Mitarbeiterbindung wurde darüber hinaus ein betriebliches Gesundheitsmanagement auf die Beine gestellt.

Als anerkannter Ausbildungsbetrieb bietet die Spedition Wackler aus Göppingen ihren 53 Fahrern die nötigen Module selbst an. Von 265 Modulen seien bereits 185 absolviert und 80 stünden noch aus, erklärte Betriebsleiter Achim Ortwein. "Wir schauen uns die Führerscheindaten an" , sagte er, und davon abhängig würden Empfehlungen an die Fahrer gegeben. Laufe beispielsweise der Führerschein im Jahr 2013 aus, mache es Sinn, wenn die Module vor 2014 abgeschlossen seien, damit mit dem neuen Führerschein auch gleich eine neue Fahrerkarte beantragt werden könnte.

Die Ausbildungsquote soll erhöht werden

Um dem drohenden Fahrermangel vorzubeugen, setzt die schwäbische Spedition auf klassische Maßnahmen: Die Ausbildungsquote soll erhöht werden und eventuell auch Quereinsteiger als Fahrer gewonnen werden. Ferner setzt Wackler auf einen gut ausgestatteten, modernen Fuhrpark, der den einzelnen Anforderungen gerecht wird.

Die mittelständische Spedition Schäfer aus Holzminden beschäftigt 35 Mitarbeiter, davon sitzen 25 als Kraftfahrer hinterm Steuer. Von Schulungsstau ist auch hier keine Spur. "Unsere Fahrer haben vier Module bereits abgeschlossen", bestätigt Geschäftsführerin Nicole Semmelrodt. Das Letzte wolle man "zeitnah" zum Stichtag am 10. September 2014 abschließen. Als Schulungsdienstleister wurde Dekra beauftragt. Dem Fahrermangel begegnet man auch hier mit Eigengewächsen. Unter den fünf Auszubildenden zum Berufskraftfahrer ist eine junge Frau im ersten Lehrjahr. Der Altersschnitt von etwa Mitte 40 bei den Fahrern gebe aber zudem Anlass zu handeln, ergänzt Semmelrodt.

Gut in Fahrt ist auch die Spedition Koppenhöfer aus Frankenthal. Die meisten der 15 angestellten Fernfahrer hätten ihre Module bereits absolviert, berichtet Geschäftsführerin Henriette Koppenhöfer. Vier müssten noch einige Bausteine machen. "Vorausgesetzt, uns werden für 2013 Mittel aus der Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen in Unternehmen des Güterkraftverkehrs mit schweren Nutzfahrzeugen bewilligt, werden wir 2013 die noch erforderlichen Schulungsmaßnahmen durchführen", sagt sie auf Nachfrage von trans aktuell.

Eine sehr geringe Fluktuationsquote

Die Schulungen finden samstags für möglichst alle Fahrer bei der Bildungsgemeinschaft des pfälzischen Verkehrsgewerbes statt. Das Thema habe oberste Priorität, denn angesichts des Fahrermangels könne es sich keine Spedition leisten, auf vorhandenes Personal zu verzichten. "Der Markt für gutes Fahrpersonal ist ziemlich leer", sagt Koppenhöfer, die zurzeit neue Fahrer sucht.

Kraftfahrer zu finden, die wollen, können und dabei auch das erforderliche Verantwortungsbewusstsein für den Beruf mitbringen, sei äußerst schwierig, sagte die Speditionschefin. "Als Mittelständler versuchen wir, durch ein gutes Betriebsklima und angemessene Löhne unser Fahrpersonal zu halten. Wir haben eine sehr geringe Fluktuationsquote." Neue Fahrer gelangen überwiegend durch persönliche Kontakte und Stellenanzeigen zur Spedition, nur wenige vermittelt die Agentur für Arbeit. Als Landesvorsitzende des Verbands des Verkehrsgewerbes Rheinhessen-
Pfalz weiß Koppenhöfer, wie wichtig ein gutes Image für die Personalgewinnung ist. Sie setzt sich dafür auf Ausbildungsmessen ein. Selbst bildet die Spedition zurzeit nicht aus.

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Fotolia, Küppers, Rathmann

Datum

26. Oktober 2012
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