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Geräuschpegel an Rast- und Autohöfen: Stille Nacht, erholsame Nacht

Krach ist der natürliche Feind des Schlafs. Wir haben auf deutschen Rast- und Autohöfen den Geräuschpegel gemessen. Ruhige Nächte sind selten.

Wer gut schläft, ist am nächsten Tag leistungsfähiger. Das gilt im Berufsleben umso mehr, wenn jeder Arbeitstag rund 13 oder 14 Stunden hat und neun oder zehn davon hinterm Steuer eines Lkw stattfinden. Nach so einem Tagespensum hat sich jeder Berufstätige eine ruhige Nacht mehr als verdient.

Parkplätze sind Mangelware

Für Berufskraftfahrer, die ihre Nächte im Lkw verbringen, ist die Sache mit der Ruhe in der Nacht aber gar nicht so einfach. Denn wer kurz vor Ende seiner Tageslenkzeit steht, hat oftmals keine Wahl, wo er sein Fahrzeug abstellt. Parkplätze sind in der Republik nach wie vor Mangelware, auch wenn sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) derzeit an den Bau von rund 6.000 neuen Standflächen macht.

Es wird wohl auch danach noch Regionen geben, wo Kraftfahrer für eine Nacht auf Notlösungen ausweichen müssen, die noch nicht einmal diese Bezeichnung verdienen: Nothaltebuchten oder – noch schlimmer – Ein- und Ausfahrten von Rastplätzen.

Unruhige Nächte an Ein- und Ausfahrten

Endet die Schicht erst am Abend, bleibt manch einem Fahrer mangels freier Parkplätzen keine andere Wahl, um die tägliche Lenkzeit nicht zu überschreiten. Unerbittlich zeichnet der Digitacho sonst Verstöße auf. Wie (un-)ruhig die Nacht an diesem Standplatz wird, spielt – mit Blick auf die teils horrenden Strafen für Lenkzeitüberschreitungen – dann auch keine Rolle mehr.

Parkplätze sind nicht ausreichend vor Verkehrslärm geschützt

Doch auch diejenigen, die sich am Nachmittag noch aussuchen können, wo sie ihre Pause einlegen, finden nur selten einen ruhigen Standplatz. Die meisten Parkplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe der Autobahn und sind in der Regel nicht ausreichend vor Verkehrslärm geschützt, bei manch einer Stellfläche ist gar der Fahrtwind vorbeifahrender Lkw zu spüren. trans aktuell war auf deutschen Autobahnen unterwegs und hat einige Parkplätze untersucht.

Messung des allgemeinen Geräuschpegels

Im Vordergrund stand die Messung des allgemeinen Geräuschpegels, der direkt mit der Architektur des Rastplatzes zusammenhängt. Zum Einsatz kam ein neuer Renault Trucks T 520 High Sleeper Cab, dessen Schallisolierung nach unseren Messungen anderen aktuellen schweren Lkw entspricht.

40 bis 50 Dezibel sind die Regel

Das Ergebnis ist zumeist ernüchternd. Geräuschpegel von 40 bis 50 Dezibel im Fahrerhaus bei geschlossenen Fenstern sind die Regel. Zu den baulichen Vorgaben für Parkplätze drängen sich am Ende der Tour gleich mehrere Fragen auf, etwa nach der Ausrichtung der Lkw, der Lage zur Autobahn oder der Abtrennung von Kühlfahrzeugen.

Der Lautstarke

Auf dem Parkplatz Urweltfunde an der A 8 nahe Aichelberg zeigte das Messgerät im parallel zur Autobahn stehenden Fahrzeug 55,3 Dezibel an, was etwa dem Lärmpegel in einem quirligen Großraumbüro entspricht. Das mag während einer 45-Minuten-Pause noch kein Problem sein. Aber wer möchte schon in seinem Schlafzimmer dauerhaft diesen Geräuschpegel haben?

Mögliche Maßnahme gegen die Lärmbelästigung während der täglichen Ruhezeit gibt es zwar, aber meist nicht in ausreichendem Maß. Einige Parkplätze sind mit Lärmschutzwänden oder -wällen vom Krach des fließenden Verkehrs etwas abgeschirmt.

Doch bei genauem Hinsehen erweisen sich die Geräuschdämmungen als zu niedrig für einen Schwerlast-Lkw. Rund 3,5 Meter scheinen das Idealmaß für Wand und Hügel zu sein. Doch angesichts von vier Meter hohen Lkw ist das etwas zu kurz gedacht. Auf der Tour hat trans aktuell nur einen Parkplatz direkt an der Autobahn A 9 mit einer überhohen Lärmschutzwand entdeckt.

Der Überfüllte

Der Parkplatz Sophienberg kurz vor Bayreuth erfreut sich so großer Beliebtheit, das unser Sattelzug noch nicht einmal für einen kurzen Moment dort stehen konnte, weil am frühen Nachtmittag bereits alle Flächen, bis auf eine schmale Durchfahrt, zugeparkt waren. Kein Wunder: Hinter rund sieben Meter hohen Lärmschutzwänden ist es vergleichsweise ruhig. Wer bei einem Glücksfall wie Sophienberg Pech hat, dem bleibt an der Autobahn allerdings kaum ein attraktiver Parkplatz. Denn selbst die etwas abgelegnen Rasthöfe haben oftmals nur völlig unzureichende Lärmschutzmaßen.

Verhältnismäßig ruhig war es noch auf dem Rasthof Gruibingen an der A 8. Dort lag der Wert im Stand knapp unter 40 Dezibel. Zur Messung stand der  Truck in Richtung Autobahn. Es gibt dort aber auch Parkplätz, die von der Autobahn weg zeigen. Da sinkt der Lärmpegel meist um zwei bis drei Dezibel, was für das Gehör schon einiges ausmacht.

Der Alternative

Der Autohof Mücke an der A 5 bei Homberg (Ohm) ist beispielsweise eine deutlich bessere Alternative. Dort sind etwa die Kühlfahrzeuge von den anderen Lkw  getrennt untergebracht. Zudem ist der Autohof etwa 100 Meter von der Autobahn entfernt. Auf der Grünfläche dazwischen halten Büsche den Lärm fern. Allerdings müssen Fahrer am Autohof Mücke für das Recht auf einen ruhige Nacht zehn Euro bezahlen, die sie beim Essen zwar erstattet bekommen. Aber wer kann schon jeden Abend essen gehen?

Leisester Standort auf der Tour war der Autohof Senden-Bösensell, der an der A 43 liegt. Dieser ist zum einen einige Kilometer von der Autobahn entfernt und zum anderen äußerst weitläufig. Beides mindert die Lärmbelastung. Zudem verlangt der Betreiber fürs  Parken verhältnismäßig günstige 5,50 Euro. Diese sind gut investiert – in eine ruhige Nacht und eine wesentlich höhere Leistungsfähigkeit am nächsten Tag.

Viele offene Fragen

Zu den baulichen Vorgaben für Parkplätze drängen sich am Ende der Tour – neben der nach besser konstruierten Lärmschutzwänden – gleich mehrere Fragen auf:

  • Warum sind nicht alle Lkw-Parkplätze so eingezeichnet, dass das Fahrerhaus von der Autobahn abgewandt steht? Das wäre selbst bei bestehenden Parkplätzen mit geringem Aufwand darstellbar. Bei den 6.000 neuen ist das hoffentlich eingeplant.
  • Warum stehen bei nahezu allen Parkplätzen die Lkw direkt an der Autobahn, während Pkw meist 30 oder 40 Meter weiter hinten parken, die meist nur eine kurze Pause einlegen. Dabei sind es meist die Lkw-Fahrer, die dort auch übernachten.
  • Warum trennen Parkplatzbetreiber die laut bollernden Kühlfahrzeuge nicht konsequent von denen ohne Kühlmaschine? Bei der Messung am sonst ruhigen Autohof Kirchheim stand der Mess-Lkw direkt neben einem Fahrzeug mit Kühlmaschine, was mit 53,8 Dezibel zu Buche geschlagen hat, dem zweitschlechtesten Wert in unserem Stichproben-Test.
Portrait

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

26. Mai 2015
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