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Flottenservice: Mehr Prävention und Zusammenarbeit

Ausfälle minimieren, Wartungsintervalle optimieren, europaweiten Service sicherstellen – das sind die Themen, die Transportprofis bewegen. Das ist das Ergebnis einer großen Service-Umfrage der Fachzeitung trans aktuell Ende 2015, über die sich Praktiker und Industrievertreter bei Continental kürzlich ausgetauscht haben.

Die Umfrage förderte neben bekannten Bedürfnissen auch Überraschendes zutage. Zum Beispiel gaben 66 Prozent der Befragten an, dass sie keinen Wartungsvertrag mit Service-Werkstätten abgeschlossen haben – weder für Zugmaschinen und Trailer noch für Reifen und Komponenten. Auch Alexander Jung, Juniorchef bei GTF Logistic aus Möckmühl, setzt auf den Komfort einer betriebseigenen Werkstatt. "Wir transportieren verderbliche und preis-sensible Waren und müssen bei unseren Kunden feste Zeitfenster buchen", berichtet der Lebensmittellogistiker.

Gerade deshalb sei die eigene Werkstatt für GFT Logistic ein Garant für Mobilität. Ersatzteile werden bevorratet und Wartungen meist  vorbeugend durchgeführt. "Bei Reifen verfahren wir so, dass wir bei allen Fahrzeugen, die zweimal im Monat zur Waschung auf den Hof kommen, automatisch Reifendrücke und Profiltiefen kontrollieren. Sobald wir feststellen, dass ein Reifen beschädigt ist, wird dieser sofort ausgetauscht", beschreibt Jung das hauseigene Serviceverhalten. Denn man könne es sich schlicht nicht leisten, ein Fahrzeug für mehr Tage in eine Vertragswerkstatt zu geben, geschweige denn drei oder vier Stunden auf ein Servicefahrzeug zu warten.

Service-Qualität verbessern

Hubertus Kobernuss, Inhaber der Kobernuss Spedition & Logistik und Vorstandschef des Verbands Transfrigoroute Deutschland, kann dies nachvollziehen. "Wenn ein kleiner Unternehmer mit fünf Fahrzeugen einen Ausfall von einem Fahrzeug am Tag hat, dann bedeutet das einen Verlust von 20 Prozent", erklärt der Unternehmer das Ausmaß eines möglichen Breakdowns mit einem einfachen Rechenbeispiel. Er selbst greife deshalb – anders als Jung – beim Thema Mobilitätssicherung auf Wartungsverträge und den Pannenservice von Dienstleistern wie Vergölst oder Mercedes Truck Works zurück.

Seiner Ansicht nach sind die Aufgaben in der Logistik klar verteilt: "Meine Aufgabe ist Logistik und Transport, den Rest müssen die anderen machen". Das Serviceangebot der Fahrzeughersteller sei zwar gut, aber ausbaufähig. Dies führt er darauf zurück, dass vonseiten der Industrie nicht genug auf die individuellen Bedürfnisse der Speditionen eingegangen wird. "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber wir haben noch Strecke vor uns, um das zu realisieren, was vom Marketing als Servicequalität und Ziel vorgeben wird", mahnt Kobernuss an. "Wenn man uns Transporteuren genauer zuhören würde, könnten wir den Service gemeinsam sogar noch verbessern." Denn seine Aufgabe sei es nicht, eine Werkstatt zu unterhalten, Fachkräfte bereitzustellen und Hersteller-Standards zu halten.

Das Fehlen deutscher Standards

Eine Kombination aus eigenen und Hersteller-Werkstätten erweist sich dagegen bei Pema als praktikabel – vor allem um den europaweiten Servicebedarf abzudecken. Für Peter Ström, Geschäftsführer des Nutzfahrzeugvermieters, unterliegt die Servicequalität im Ausland jedoch Schwankungen. „Deshalb gehen wir dort immer mehr dazu über, defekte Lkw mit eigenen Fahrzeugen abzuschleppen und parallel dazu ein Ersatzfahrzeug zu schicken“, berichtet Ström. Gründe hierfür sind seiner Meinung nach eine eingeschränkte Ersatzteilversorgung und ein Service, der oft nicht deutschen Standards entspricht.

Eine Tatsache, derer sich Thomas Wolf, Leiter des internationalen Flottenmanagements beim Reifenhersteller Continental, ebenfalls bewusst ist. "Der Standard der Servicestationen ist im Inland sehr hoch – sei es bei Mercedes, MAN, Schmitz Cargobull oder Krone", sagt er. Gehe man allerdings nach Rumänien oder in die Ukraine, dann sehe die Welt ganz anders aus. "Unsere Kunden erwarten jedoch eine gleich hohe Geschwindigkeit, Qualität und einen vergleichbaren administrativen Standard wie in Deutschland, Dänemark oder Holland."

Fachkräfte gesucht

Wolf wünscht sich daher eine bessere Vernetzung zwischen den Industrien. "Weil wenn wir zum Beispiel in Rumänien Probleme haben, ein flächendeckenden Reifenservicenetz für unseren Pannenservice zu finden, dann stehen Mercedes, BPW und andere doch sicher vor dem gleichen Problem. Wenn hier mehr Dialog herrschen würde, könnte man die Ersatzteilversorgung und Qualität der Dienstleistungen für gemeinsame Kunden deutlich verbessern – auch beim Thema Ausbildung von Fachkräften", sagt der Flottenprofi.

Dieses Problem wird nach Angaben von Matthias Stenau, Global Account Director bei der Sachverständigenorganisation Dekra, bereits aktiv angegangen. "Ein Lkw-Mechaniker ist in Deutschland zum Beispiel eine gut ausgebildete Fachkraft, doch in anderen europäischen Ländern oftmals nur angelernt", vergleicht Stenau. Deshalb treten viele Fuhrparkleiter aus dem Speditions- oder auch dem Vermietbereich an ­Dekra heran mit der Bitte, ein einheitliches Niveau herzustellen. "Eine große Herausforderung, bei der wir alle gefordert sind", so der Flottenfachmann. Hierfür entwickle Dekra gerade ein einheitliches europäisches Ausbildungsprogramm auf Augenhöhe mit den Markenwerkstätten.

Standards nicht haltbar

Der Fachkräftemangel ist allerdings auch im Inland zu spüren. "Früher gab es den Berufsstand des Vulkaniseurs, der sich ausschließlich mit der Reifenrunderneuerung befasste. Dieser Berufsstand hat heute schwere Nachwuchsprobleme", berichtet Torsten Schuckenböhmer, Leiter des Großverbrauchergeschäfts beim Reifendienstleister Vergölst. Zudem sei es zunehmend schwierig, Fahrer für Vergölst-Servicemobile zu finden, um so gewohnte Standards einzuhalten.

Das Angebot des gesamten Servicespektrums an allen Standorten ist bei Mercedes-Benz ebenfalls ein Thema. "Hier müssen wir flexibel auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse reagieren", sagt Marc Köppe, Leiter des Bereichs Produktmanagement Service & Original-Teile bei Mercedes-Benz Trucks im deutschen Markt. Mercedes-Benz verfolge mit Truck Works zusammen mit Kooperationspartnern weiterhin die One-Stop-Strategie. Beispiele sind die Zusammenarbeit mit Systemlieferanten wie Bär Cargolift, Dautel, MBB, Dhollandia und Sörensen, aber auch mit Trailer-Herstellern wie Krone, Kögel und Schmitz Cargobull. 

Kooperationen sichern Qualität

"Mit der neuen bundesweiten Zusammenarbeit mit den Thermo King-Servicepartnern bieten wir hier sozusagen eine Shop-in-Shop-Lösung im Bereich Transportkühlung an", beschreibt Köppe das Service- und Ersatzteilkonzept. Zusätzlich habe man mit Charterway im Bereich der Ersatzfahrzeuge europaweit Ressourcen, um die Kundenmobilität zu sichern.

Der System- und Mobilitätspartner BPW fährt bei der europaweiten Service-Abdeckung ähnlich wie Mercedes-Benz, Scania, MAN, Schmitz Cargobull und Schwarzmüller zunehmend die Strategie eigener Servicepartner. Bei der Ersatzteilversorgung bietet er neben Original-Ersatzteilen seit einiger Zeit auch kostengünstigere Alternativen an. "Wir haben erkannt, dass sich bei unseren Kunden ein Bedarf für zeitwertgerechte Reparaturlösungen entwickelt hat", sagt Bernd Rhein, Leiter des Bereichs Technische Kundenberatung/Fahrzeugsysteme. Dieser komme vor allem bei älteren Trailern zum Tragen, die in den Nachmarkt gehen. Bei den Ersatzteilen der Marken PE und Trailerline handle es sich um Ersatzteile, die speziell auf die Anforderungen des zweiten Fahrzeuglebens ausgelegt sind.

Flexibilität wird immer wichtiger

"Auch wir versuchen beim Thema Ersatzteilversorgung flexibel zu bleiben", sagt Dr. Marko Multhaupt, Marketing- und Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz im Bereich Bus- und Lkw-Reifen bei Continental. Zum Teil sei es schwierig, europaweit immer den passenden Reifen und die passende Felge zu jeder Zeit verfügbar zu haben. "Es kann immer etwas passieren, deshalb ist es mit einer einfachen Wartung auch nicht getan."

Seiner Meinung nach kann ein vorbeugender Flottenservice wie Continental 360 Grad die Basis für Mobilität in der Logistik sein. Diesen Schritt hin zur Vorbeugung erachtet auch Conti-Fachmann Michael Neuheisel als praxisnahe Lösung. "Um sinkenden Frachtraten etwas entgegenzusetzen, wählen viele Logistiker den Weg der Spezialisierung", sagt der Director Global Marketing. "Um die speziellen Transportaufgaben in ihrem Segment zu erfüllen, stehen Spediteure vor enormen Herausforderungen. Und die erlauben einem einfachen Lebensmittellogistiker keine langen Stand- und Servicezeite"“, fasst Neuheisel die Ergebnisse des Round Tables zusammen. Seiner Meinung nach muss sich die Serviceleistung klar weiterentwickeln: weg von der reinen Aktion, hin zu mehr Prävention.

Prävention als Mobilitätsgarant

Diesen Ansatz erachtet Hubertus Kobernuss ebenfalls als sinnvoll und praktikabel. Service sollte seiner Meinung nach nicht bedeuten, dass der Spediteur das Fahrzeug zum Service-Dienstleister bringt, sondern der Dienstleister müsse zum Spediteur kommen. Gerade an Tagen an denen mehrere Fahrzeuge geballt auf dem Hof stehen, sollte ein Fleet-Checker einen Report mit allen fahrzeugrelevanten Themen erarbeiten. Basierend darauf könnten entsprechende Service-Maßnahmen eingeleitet werden. "Für diesen Service wäre ich als Mittelständler auf jeden Fall bereit zu bezahlen", attestiert Kobernuss - denn seiner Meinung nach könnten sich Spediteure durch präventiven Service vor 80 Prozent aller Ausfälle schützen.

Knut Zimmer

Autor

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Continental

Datum

17. März 2016
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