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Abenteuer Island: Einsame Wege

Der Inselstaat Island bietet wilde und schöne Naturkulissen, die Lkw-Fahrer dort haben ein ruhiges und im Winter oft herausforderndes Leben.

Wenn man überfüllter Autobahnen mal überdrüssig ist und Abwechslung sucht, ist Island eine gute Empfehlung. Die schroffe Insel am Polarkreis nahe Grönland hat insgesamt nur rund 320.000 Einwohner, ist aber flächenmäßig fast so groß wie Österreich und die Schweiz zusammen.

Ein schönes Land und seine Natur erholt sich

Die Hauptstadt Reykjavik liegt im Westen, rund ein Drittel der Insulaner lebt hier. Aluminiumhersteller Alcoa betreibt wegen extrem niedriger Energiekosten ein riesiges Werk, ansonsten bestimmt der Handel über den großen Container- und Stückguthafen die lokale Wirtschaft. Außerdem konzentriert sich hier das Geschäft rund um den Fischfang.

Unglaublich boomt daneben der Tourismus: 2015 dürfte Island erstmals mehr als eine Million Besucher zählen. Das Land erlitt 2007 eine massive Finanz- und Bankenkrise, von der sich nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die teils absurd hohen Alltagspreise wieder erholt haben.

Doch es gibt jenseits des Kommerz auch die Weite der Insel, eine faszinierende Welt großartiger und gewaltiger Natur. Es gibt Vulkane, Gletscher, moosige Steppen, Lavawüsten, Gebirge, Fjorde und vielerlei mehr. Um dieses Island zu entdecken, empfiehlt sich die Ringstraße 1, die auf knapp 1.400 Kilometer Länge einen mächtigen Rundbogen durch das Land schlägt. Nur ein kurzes Stück hinter Reykjavik ist es vorbei mit vier Spuren, die Hauptversorgungsader der Insel ist nichts anderes als eine einfache Land­straße. Und keine ungefährliche, denn um den vielen Schnee im Winter wegzubekommen, liegt die Fahrbahn immer etwas erhöht, und Pannenstreifen gibt es praktisch nicht.

Nördlich von Reykjavik geht es unter einem Fjord durch einen sich steil zum Tiefpunkt senkenden Tunnel, der für Lastwagen rund 25 Euro kostet. Es bleibt das einzige mautpflichtige Straßenstück. Danach rollt man stundenlang durch weite Strecken erkalteter Erdmasse und dazwischen grüner, landwirtschaftlich geprägter Felder. 

Filmreife Kulissen im Norden

Unendlich viele Schafe sind während der warmen Zeit zu sehen und natürlich auch die robusten Isländerpferde. Von einem früheren Besiedlungsversuch sind noch ein paar Tausend Ren­tiere im Osten erhalten, sonst sieht man mal einen Polarfuchs und eine unglaublich reiche Vogelwelt. Wunderlich ist auch der Mangel an Bäumen. Island war sogar mal zu einem Fünftel mit Birken bewaldet, doch die Wikinger und Kelten hatten dafür andere Verwendung.

Alle 100, 150 Kilometer kommt ein kleiner Ort in Sicht, meist nur ein, zwei Tankstellen, ein paar Häuser, ein bisschen Kleingewerbe. Das einzige Lokal ist oft einer Tankstelle zugeordnet. Last­wagenfahrer müssen starke Mägen haben, denn fast immer ist die Speisekarte auf Burger, Backfisch und Fritten begrenzt.

Fast schon wie eine Großstadt kommt einem dann Akureyri im Norden vor, mit 18.000 Einwohnern, Werft und Konservenfabrik. Doch kaum bleibt auch dieser Ort im Rückspiegel zurück, beginnt die Straße in das nordöstliche Bergland anzusteigen. Ein Stück weiter schießt kochendes Wasser mit heiserem Fauchen in ein türkisfarbenes Becken heraus, dazu schwefeliger Gestank. Solche Quellen sind als Lieferanten für billige Energie ein Geschenk des Himmels. Den besonderen Reiz einer urtümlichen Landschaft haben auch internationale Filmproduktionen für sich entdeckt – ein Glücksfall für Hördur Kristjansson, der seinen feuerroten Iveco Stralis mit außerordentlicher Liebe zur Technik verfeinert hat. Das hat seinen Auftraggebern aus der Kinobranche so gefallen, dass sie ihn und seinen Lkw oft für längere Zeit als Rückzugsraum am Filmset buchen.

Die gefährlichste Strecke der Insel sind die bergigen 25 Kilometer auf der Straße 93 von Egilsstadir im Osten zum Fährhafen von Seydisfjördur, wo die Autofähren aus Dänemark anlegen. "Herausfordernd", nennt Pördur Ulfarsson das Fahren auf Island. "Jeder Tag ist anders und in manchem Winter hatte ich schon mächtig mit Wind und Eis zu kämpfen." Mit seinem Scania-Sattelzug liefert er Biodiesel für Fuhrunternehmen und Kleinkraftwerke. Ähnlich sieht es Oli Gunnarsson, der mit seinem Mercedes-Anhängerzug zu kleinen Häfen fährt, um die Fracht eiliger Fischkutter zu übernehmen: "Keine Tour ist wie die andere, man muss immer hochkonzentriert sein."

Schwere Straßenbedingungen und die unberechenbare Natur bringt Spannung in den Arbeitstag

Im Südosten wird die Ringstraße für einige Dutzend Kilometer sogar zur Schotterstraße und der Verkehr ist noch schwächer als zuvor. Viele Kraftfahrer bevorzugen die Nordroute, weil es dort mehr Tankstellen gibt. Die Südroute ist dafür hinreißend schön, wenn auch für Wind und Wetter berüchtigt. Sogar Gletscher bekommt man neben der Straße zu sehen. Über die vielen Flüsse führen meist lange, einspurige Brücken – blöd, wenn sich dort zwei Laster im Nebel oder Schneetreiben begegnen. Dafür hat die Arbeit hinter dem Lenkrad auf den schmalen Straßen noch etwas Aktives, Uriges in sich.

Als Teil des Europäischen Wirtschaftsraumes, nicht aber der EU, haben die Isländer die meisten Vorschriften und die Tachografen übernommen. Doch die Lkw-Kontrolleinheit besteht aus gerade mal zwei Mann. Bei den wenigen Rastplätzen wird eine halbe bis eine ganze Fahrstunde mehr toleriert. Auch mit den erlaubten 70 km/h wird das nicht so eng gesehen, üblich sind eher knapp 90.

Zwar wird man als isländischer Kraftfahrer nie mal schnell eine Landesgrenze überqueren wie unsereins in Deutschland, doch dafür gibt es auch praktisch keine Billigkonkurrenz aus dem Ausland. Auch hier verdient man als Fahrer kein Vermögen, doch dank einer stark gewerkschaftlich organisierten Arbeitswelt sind die Bedingungen und die Bezahlung recht fair. Im Winter hat man gegen starke Naturgewalten zu kämpfen, doch dafür ist es ein ganz einzigartiger Job auf einsamen Wegen in einer absolut großartigen Natur.

Autor

Foto

Felix Jacoby

Datum

13. Oktober 2015
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