Volvo VM Autonomous automatisiert Brasilien 7 Bilder Zoom
Foto: Frank Hausmann

Volvo VM Autonomous

Erster selbständig fahrender Lkw in Brasilien

Volvo hat Brasiliens ersten autonom fahrenden Lkw präsentiert. Der VM Autonomous hilft in der Zuckerrohrernte und lenkt dank digitalisierter Karten, GPS-Antennen und elektrischer Lenkung selbsttätig zwischen den Pflanzenreihen.

Auf einen autonom fahrenden Lkw wie den Volvo VM Autonomous hat Paulo Meneguetti gewartet. Der Finanz- und Beschaffungsdirektor der Usina de Açúcar Santa Terezinha LTDA – kurz Usaçúcar – in Maringa im Südwesten von Brasilien produziert pro Jahr auf 350.000 Hektar Ackerland über 18 Millionen Tonnen Zuckerrohr aus eigener Ernte und muss dabei bis zu zwölf Prozent Ernteverluste durch Schädlinge, Unwetter und den hohen Grad der Mechanisierung hinnehmen. Die Ausfälle kann ein teils autonom fahrender Volvo VM 270 jetzt um rund vier Prozent senken. Nach den selbstfahrenden Lkw für den Bergbau in Nordschweden und die Abfallentsorgung in Göteborg soll der lateinamerikanische Volvo VM Autonomous die brasilianische Zuckerrohrernte revolutionieren und für höhere Erträge sorgen.

Volvo fährt bis zu 10km/h selbständig über Plantage

Dazu steuert der Dreiachser mit Auffangbehälter für den Zuckerrohrtransport fast wie von Geisterhand über die Plantage. Mit konstantem Abstand zur Erntemaschine und im Schritttempo bis zehn km/h findet der Lkw ohne großes Zutun des Fahrers den akkuraten Weg. Die bis zu 45 Zentimeter dicken und über drei Meter hohen Pflanzen stehen in einem Reihenabstand von circa 90 Zentimetern und lassen sich in den tropischen Gefilden von März bis Dezember ernten. Fünf Jahre bleibt die grasartige Pflanze, aus der Usaçúcar vor allem Rohzucker (80%), aber auch Ethanol (20%) für die Treibstoffindustrie gewinnt, in der rotbraunen Erde, bevor sie nach etwa fünf bis sechs Erntezyklen erneuert werden muss. Da die Ernte in kurzer Zeit stattfinden muss, erfolgt die Arbeit rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Während das ausgewachsene Zuckerrohr maschinell geerntet wird, stehen die jungen Triebe bereits in den Startlöchern.

Angesichts schlechter Sicht bei Nacht und des massiven Pflanzenmaterials am Boden, können die Lkw-Fahrer die vorgegebenen Wege häufig nicht exakt einhalten und überfahren mit ihren dicken Ballonrädern die Jungpflanzen, die sich davon meist nicht wieder erholen. Dieses Szenario soll der Volvo VM Autonomous mit dem neuartigen Fahrerassistenzsystem verhindern. Es sorgt dafür, dass der Lkw beim Ansteuern, Begleiten und Verlassen der Erntemaschine immer auf Kurs bleibt und nie über die Zuckerrohrpflanzen fährt. Damit das funktioniert, verfügt der Volvo VM zur präzisen Standorterkennung über zwei GPS-Antennen auf dem Dach. Mit ihrer Hilfe folgt der Lkw stur den Koordinaten einer digitalen Karte mit exakten Angaben zu den Pflanzenreihen der Zuckerrohrplantage. Ferner sind die elektrische Lenkunterstützung Volvo Dynamic Steering (VDS), I-Shift-Getriebe sowie eine Fahrer-Schnittstelle zur Anzeige und Bedienung mit an Bord. Zwei Gyroskope gewährleisten zusätzlich, dass das Fahrzeug mit hoher Präzision steuert.

Produktivität soll durch autonomen Lkw gesteigert werden

Alle sechs Räder weichen seitlich nie mehr als 2,5 Zentimeter vom vorgegebenen Kurs ab, sodass die nur etwa 30 Zentimeter von den Lkw-Rädern entfernten Jungpflanzen nichts zu befürchten haben. Auf den Lkw-Fahrer an Bord kann der autonom gelenkte Volvo nicht verzichten. Er muss den 270 PS starken Erntehelfer noch bis an den Feldrand steuern. Dort drückt er dann eine Taste auf dem Touchscreen vor der Mittelkonsole und der 6x4-Lkw übernimmt selbsttätig seine Fahrt entlang der Bepflanzungslinien. Der Fahrer selbst kann sich während der langsamen Vorwärtsfahrt allein auf seine Ladung und die passende Geschwindigkeit konzentrieren. Letztere passt er via Tempomat an oder bedient Gas und Bremse manuell. Das Ganze funktioniert selbst im Rückwärtsgang und bei Dunkelheit. Am Ende der Feldreihe und bei gefülltem Auffangbehälter verlässt er den autonomen Modus, um wieder die volle Herrschaft über sein Gefährt zu übernehmen und den Abladeort anzusteuern.

"Das Überfahren der nachwachsenden Jungpflanzen während der Zuckerrohrernte und das damit verbundene Verdichten des Bodens zählt zu den Hauptschäden auf unseren Zuckerrohrfeldern", gesteht Meneguetti. Er rechne jede Saison mit Ertragseinbußen von mehreren Tausend US-Dollar pro Lkw. Der Schaden liege damit sogar noch höher als der durch Unwetter und Schädlinge. Mit der neu entwickelten Technik des autonom gesteuerten Volvo VM hofft der Zucker- und Treibstoffproduzent, die Produktivität im Betrieb um bis zu zehn Tonnen Zuckerrohr je Hektar und Jahr steigern zu können. Sein Unternehmen betreibt eine Flotte von insgesamt 1.100 Lkw, beschäftigt 17.500 Mitarbeiter und ist seit 30 Jahren Volvo-Kunde. Den VM für den lateinamerikanischen Markt hat Volvo erstmals 2003 in Brasilien vorgestellt und 2011 das jüngste Update verpasst. Der im Volvo-Werk Curitiba vom Band laufende Lkw ist als Sattelzugmaschine und Fahrgestell in verschiedenen Achskombinationen wie 4x2, 6x2, 6x4, 8x2 und 8x4 zu haben.

Kompletten Inhalt freischalten ...
Kostenlos für unsere Digital-Abonnenten
Volvo VM Autonomous automatisiert Brasilien

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

FERNFAHRER Lastauto Omnibus trans aktuell
Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 09/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

15. September 2017
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare