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Foto: Iveco

Iveco Stralis XP

Neuer Stralis mit vielen Versprechen

Mit dem neuen Stralis verspricht Iveco niedrigsten Verbrauch und geringste Betriebskosten. Was also kann der New Stralis?

Es ist ein vollmundiges Versprechen, mit dem Iveco den "New Stralis" auf die Straße schickt. Es heißt "TCO2 Champion" und spielt geschickt mit den zwei Begriffen Total Costs auf Ownership (Gesamtbetriebskosten über die Laufzeit) und CO2-Emission. Wer es in diesen Disziplinen zum Champion bringt, der hat gewichtige Verkaufsargumente in der Hand. Die CO2-Emissionen im Blick, die schließlich mit dem Verbrauch korrelieren, stand der Stralis auch als Euro-6-Lkw nicht schlecht da. Zusammen mit einem günstigen Einkaufspreis oder sehr niedrigen Leasingraten und verbesserter Qualität ergaben sich quasi von selbst niedrige Betriebskosten. Zwei Dinge allerdings kommen dem Ex-Italiener, der einst in Deutschland und heute in Spanien vom Band läuft, noch in die Quere. Die Verbrauchsfortschritte des Wettbewerbs und der geringe Restwert, der letztlich eine Funktion von Neuwert, von Image und – noch mehr – von der Nachfrage ist.

Schleichend klettert das ehemals schlechte Image der Marke seit bald 20 Jahren nach oben und wird weiter steigen, wenn der New Stralis das hält, was Iveco mit TCO2-Champion verspricht. New Stralis steht unter anderem für einen neuen Triebstrang, für zusätzliche elektronische Funktionen, die der Wettbewerb freilich schon länger bietet, und für viele kleine Detailverbesserungen, die sich alle einem Ziel unterzuordnen haben: wenig Verbrauch, geringe Kosten, verbesserte Haltbarkeit.

Iveco Stralis XP ist optimaler Langstreckenroller

Neben dem neuen Standard-Stralis, der das Spektrum vom schweren Verteiler-Lkw über die nationale Langstrecke bis zum Fernverkehr abdecken muss, kreierte Iveco mit der XP-Version einen optimierten Langstreckenroller und mit dem NP ein mit 400 PS recht kräftiges Gasfahrzeug, das mit Reichweiten bis 1.500 Kilometer durchaus fernverkehrstauglich daherkommt. Als markantes Kennzeichen aller Stralis-Motoren gilt die mit Euro 6 eingeführte Abgasreinigung "SCR-only" oder – wie Iveco sie nennt – "HI-SCR". Die ausschließliche Konzentration auf SCR statt auf die Kombination von SCR und AGR (Abgasrückführung) verspricht niedrige Dieselverbräuche bei hohem, aber preislich günstigem Adblue-Verbrauch. Darauf setzt Iveco auch weiterhin – allerdings mit der Einschränkung, dass zwei Motorvarianten (480 und 570 PS im Stralis XP) mit einer AGR arbeiten. Die dient freilich nicht zur Abgasreinigung, sondern zur Verbrauchsreduzierung – so erstaunlich das auch klingt.

Bis zu acht Prozent – in der Regel etwa fünf Prozent – beträgt die Rückführungsrate der AGR, die ausschließlich im Teillastbereich arbeitet. Mit der Folge, dass dann eine frühere Einspritzung (von mehreren Kurbelwellengraden ist die Rede, Genaueres war Iveco nicht zu entlocken) möglich ist, die den Wirkungsgrad des Motor mehr verbessert, als die mit Abgasen angereicherte Ansaugluft beim Verbrauch kostet. Zusammen mit weiterer Feinarbeit am Motor (Reduzierung der Reibungsverluste) verspricht Iveco für die verbesserten Motoren drei Prozent Verbrauchseinsparung.

Iveco optimiert Kraftentfaltung der Motoren

Das freilich ist noch längst nicht alles, weil es auch neue Getriebe und eine längere Achsübersetzung für den Fernverkehr gibt. Hi-Tronix (alias ZF Traxon) heißen die neuen Getriebe, die deutlich leiser laufen, für eine insgesamt höhere Lebensdauer konzipiert sind und schneller schalten als ihre Vorgänger der AS-Generation von ZF. Hinzu kommen vier Rückwärtsgänge, einige zusätzlich Features wie Rangier- und Rocking-Modus sowie eine größere Spreizung (16,5 statt 15,9), die in Kombination mit der neuen, langen Achsübersetzung von 2,47 (bisher maximal 2,64 zu 1) zweierlei unter einen Hut bringen: niedrige Drehzahlen bei Marschtempo auf der Autobahn und kupplungsschonendes Anfahren auf Steigungen. Da passt es trefflich, dass Iveco nicht nur die Effizienz der Motoren, sondern auch deren Kraftentfaltung ein wenig optimiert hat. Die maximalen Drehmomente setzen teilweise schon bei rund 900/min und auch darunter ein, die Versionen mit 420 und 480 PS schaffen 100 respektive 50 Nm mehr als zuvor. Damit bleiben auch bei nur gut 1.100/min, die die lange Achse dem Motor bei Tempo 85 diktiert, noch reichlich Reserven, wenn sich die Fahrwiderstände erhöhen.

Die Antriebsachse selbst läuft dank Feinarbeit an Lagern und Verzahnung etwas leichter und "schluckt" etwa fünf PS weniger als zuvor. Kaum der Rede wert sind in diesem Zusammenhang die zusätzlichen zehn PS im Cursor 13, der jetzt 510 und 570 PS statt 500 und 560 PS leistet. Wichtig aber: Auch die stärkste Ausführung arbeitet in Kombination mit einem Direktganggetriebe statt Overdrive.

Prediktiver Tempomat im Stralis

Endlich liefert Iveco im Stralis auch einen prediktiven Tempomat, der – wie sollte es anders sein – auch ein "Hi" im Namen trägt: Hi-Cruise. Die Verbrauchsvorteile eines solchen Tempomaten hängen stark von der Topografie ab, aber auch davon, wie groß der Fahrer die Spanne oder Tempo-Fenster wählt, in der Hi-Cruise mit der Bewegungsenergie des Lastzugs "spielen" kann. Von fast nichts bis einige Prozent beträgt die mögliche Einsparung. Iveco verzichtet auf vorgegebene Fenster und lässt dem Fahrer die Wahl von Ein-km/h-Schritten, wobei die Abweichungen nach oben und unten immer gleich sind. Das System macht seine Sache ganz gut, kann aber noch ein wenig Feinarbeit vertragen, weil es zwei Dinge bislang nicht ganz perfekt beherrscht: Einerseits schaltet es manchmal zu spät hoch, andererseits erkennt es Eco-Roll-Phasen nicht ganz richtig und lässt den Lastzug zu lange im Leerlauf rollen, statt den Triebstrang zu schließen. Komplettiert hat Iveco die Verbrauchsoptimierung mit geregelten Nebenaggregaten. Dazu zählt beispielsweise eine starke Lichtmaschine, die – wann immer möglich – im Schubbetrieb arbeitet und ihren Strom in spezielle Schnellladebatterien einspeist. Dazu zählt auch ein Luftpresser mit ähnlicher Arbeitsweise. Alles in allem spricht Iveco im Fall Stralis XP von Dieseleinsparungen von über mehr als zehn Prozent gegenüber den Vorgängern.

Das ist ein großes Versprechen, könnte mit der Vielzahl der Verbesserungen aber hinkommen. Einher mit dem reduzierten Dieselverbrauch gehen fünf bis sechs Prozent geringere Betriebskosten (TCO). Dies freilich gilt für den Stralis XP, mit dem Iveco einen verbrauchs- und kostenoptimierten Langstreckenroller mit großem Fahrerhaus (2.500 Millimeter Breite und 2.250 Millimeter Länge) auf die Straße schickt. Der Standard-Stralis, der auch mit dem schmaleren und mit kürzeren Fahrerhäusern lieferbar ist, muss auf zwei Dinge (optimierte Nebenaggregate und AGR) verzichten. Andere, dem XP vorbehaltene Technik wie Hi-Cruise oder Eco-Reifen von Michelin lassen sich per Aufpreis ordern. Soweit die Versprechen von Iveco. Ein Test mit einem Stralis XP wird zeigen, ob er sich wirklich CO2-Champion nennen darf.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 08/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

3. August 2016
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