Iveco Daily Fahrgestell CNG MJ 2016 4 Bilder Zoom
Foto: Oliver Willms

Iveco Daily 35 C 14 CNG

Sauber und effizient mit Erdgasantrieb

Der Iveco Daily 35 C 14 CNG ist sauber und effizient mit Erdgasantrieb – darauf zielt er mit seinem 136 PS starken Fremdzündungsmotor ab.

Des einen Freud, des anderen Leid: Seit die Spritpreise im Keller sind, verflüchtigt sich das stärkste Kaufargument der kleinen CNG-Fraktion unter den Transportern wie eine Wolke Erdgas im Freien. Mit einem zum Testzeitpunkt aktuellen Literpreisunterschied von neun Cent zugunsten des klassischen Diesels gegenüber einem Kilo Erdgas rutscht die Kostenbilanz wohl in den roten Bereich. Und das, obwohl ein Kilo Erdgas rund 1,3 Litern Diesel entspricht.

Kann der neue Daily CNG mit anderen Qualitäten so überzeugen, dass sie seine rund 5.000 Euro Aufpreis wettmachen? Die Testrunde über Landstraße, durch die Stadt und auf der Autobahn soll es zeigen.

Der 3,5-Tonner trägt hinter seiner kurzen Kabine eine Scattolini-Pritsche mit Alubordwänden und Siebdruckboden. Der mit brutto 2.210 Euro vergleichsweise wohlfeile Italo-Aufbau ist beim Vertragshändler zum Komplettfahrzeug zu ordern.

Erfreulich antrittsstarker Daily-Motor

Gleiches gilt für seinen Erdgasantrieb. Der knüpft in Sachen Bauweise, Leistungsentfaltung und Performance an die rundum guten Eigenschaften des bekannten Vorgängers an. Aufbauend auf dem 3,0-Liter-Rumpfmotor des Diesels sorgt ein neuer Zylinderkopf mit elektronisch geregelter Fremdzündung für rege Fahrleistungen. Im Vergleich zu erdgasmodifizierten Benzinmotoren gibt sich der große Daily-Motor erfreulich antrittsstark. Mit leisem Röhren macht er sich ab Leerlaufdrehzahl rege ans Werk, um seinem 10 PS stärkeren Dieselbruder zu folgen.

In puncto Drehmoment herrscht zwischen Leichtöl und Erdgas sogar Gleichstand: Beide mobilisieren maximal 350 Newtonmeter Durchzugskraft, die beim Erdgas-Daily bei 1.500/min dauerhaft über eine Drehzahlspanne von rund 1.000/min anstehen. Keine schlechten Voraussetzungen also für den Erdgas-Transporter. In der Praxis lässt der CNG-Iveco seinen Daten auf Papier auch die erwarteten Taten folgen. Ganz und gar nicht durchzugsschwächlich schwingt sich der 3,5-Tonner auf, um über Stadt, Land und Autobahn seine Fracht zu befördern. Die fällt bedingt durch die unterflur an Rahmenseiten und Heck verbauten sicheren, aber auch steinschweren Erdgastanks etwas knapper aus als beim Diesel-Bruder. Neben den unter der Pritsche verbauten Gastanks bekommt der CNG-Daily noch einen 14 Liter großen Benzintank an den Rahmen geschnallt, um etwaige Durststrecken bis zur nächsten Erdgas-Zapfstelle zu überbrücken. Dieser Notvorrat kann aber nur angegriffen werden, wenn die insgesamt 194 Liter fassenden Gastanks komplett leer sind. Das kann im gemischten Einsatz je nach Fahrstil und Verkehrslage nach guten 350 Kilometern Fahrt der Fall sein. Dann schaltet der Daily automatisch auf ein Notlaufprogramm mit von 136 auf 82 PS gekappter Leistung in den konventionellen Benzinbetrieb um.

Mit zwillingsbereifter Hinterachse flink über enge Landstraßen

Mit rund 1.000 Kilo Nutzlast darf der CNG-Daily etwa 300 Kilo weniger auf die Pritsche nehmen. Am Steuer fällt dies freilich nicht ins Gewicht, da er mit identischem Gesamtgewicht ausrückt. Ausgeladen mit zwillingsbereifter Hinterachse fährt der Daily flink über enge Landstraßen. Schwächeanfälle im unteren Drehzahlbereich sind ihm ebenso fremd wie überschäumendes Temperament.

Ein Manko hat der Erdgas-Motor freilich. So gesittet er sich im unteren Drehzahlbereich gibt, so heftig stößt er mit trompetenhafter Frequenz bei 2.700/min ins Abgashorn. Man tut gut daran, diesen Drehzahlbereich durch schnelles Schalten zu verlassen. Die sechs zu schaltenden Gänge geben sich in den oberen Gassen etwas störrisch, bieten dafür aber sehr stimmige Anschlüsse. Die feine Achtgangautomatik ist für den Gas-Daily derzeit nicht zu bekommen.

Abgas liegt deutlich unter Euro-6 plus-Niveau

Bei 80 km/h schmurgelt der Gas-Antrieb wieder angenehm leise, aber auch etwas durchzugsmüde mit 1.800/min vor sich hin. Bei der Hatz über die Autobahn mit 120 km/h – mehr möchte man der Fracht auf der Pritsche ungern zumuten – schwingt er sich auf geräuschverträgliche 2.800/min auf. 11,5 Kilo Erdgas und zwei Kilo Zuschlag auf 100 Kilometer – das entspricht energetisch circa 2,6 Litern Diesel – werden dann gegenüber der Landstraßenfahrt fällig. In der Gesamtbilanz über den Testrundkurs genehmigt sich der Daily 9,7 Kilo aus der Gasflasche – das entspräche rund 12,7 Litern Diesel, aber nur zu rund zehn Euro Kraftstoffkosten. Damit läge der Erdgas-Transporter in der Kostenbilanz ungefähr dort, wohin sein selbstzündender Bruder auch hinkommt. Eine grüne Seele hat er dennoch, denn sein rußfreies Abgas liegt sogar deutlich unter Euro-6 plus-Niveau. Durch die Beimischung von Biogas lässt sich die Ökobilanz sogar noch optimieren. Und der Erdgas-Transporter ist leise – auch wenn hier noch keine nächtlichen Zufahrtslimitierungen für Lieferfahrten in Innenstädten gelten. Das Kostenblatt kann sich freilich schnell wenden, spätestens bei wieder steigendem Rohölpreis. Was sonst noch auffällt: Die Lenkung ist straff, aber präzise, die Bremsen standhaft, der Komfort mit vorderer Quad-Tor-Einzelradaufhängung beispielhaft. Negativ fällt der knappe Arbeitsplatz im kurzen Fahrerhaus auf. Der Verstellbereich des an sich komfortablen Sitzes nutzt nicht das ganze Kabinenmaß. Dadurch sitzen größere Fahrer auf Dauer ungemütlich hinter dem nur in der Höhe verstellbaren Multifunktionslenkrad. Der Schaltbock nimmt dann gerne Kontakt mit dem rechten Knie auf.

Dafür bietet die Kabine eine Menge an Staufächern und Ablagen. Dringend abzuraten ist selbst kostengetriebenen Daily-Kunden von dem einfachsten Standardradio, dessen Bedienung sogar technikaffine Fahrer an sich zweifeln lässt. Da lauscht man lieber dem wohligen Brummen des Erdgasmotors, der sich bis auf den etwas kräftigen Verbrauch keine Blöße gibt.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 08/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

8. August 2016
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