Fahrbericht

Citroën Jumpy 29 HDi 165

Citroën Jumpy, Fahrbericht Foto: Thomas Küppers 7 Bilder

lastauto omnibus hatte die Gelegenheit zu einer exklusiven Ausfahrt mit dem stärksten aller Citroën Jumpy. Satte 163 PS und 340 Newtonmeter Drehmoment bietet die brandneue Euro-5-Topmotorisierung.

Die Franzosen kennen sich aus, wenn es um gutes Benehmen geht, keine Frage. Zu den vornehmen Tugenden zählt die Bescheidenheit und so hat Citroën heimlich, still und leise dem Transporter Jumpy eine neue, überaus potente Motorvariante eingepflanzt. 120 kW (163 PS) kitzeln die Franzosen nun aus dem Zwei-Liter-Diesel heraus, der Teil des gemeinsamen Motorenprogramms der PSA-Konzernmarken Citroën und Peugeot sowie von Fiat ist. Und wie es sich heute geziemt, erfüllt der Vierzylinder zudem die Abgasnorm Euro 5.

Derart gerüstet, zielt Citroën vor allem auf die Eiligsten unter den Eiligen ab: die Expresskuriere. Die freuen sich nach dem Einstieg zunächst über ein Cockpit mit ausreichend Ablagen. Der Bedienturm in der Mitte des Armaturenbretts mag zunächst etwas wuchtig erscheinen, sorgt aber dafür, dass Radio, Lüftung und die kleine Ablage darin vom Fahrerplatz aus gut zu erreichen sind. Das gilt auch für den ergonomisch günstig positionierten Joystick-Schalthebel des Sechsgang-getriebes, das sich der HDi 165 mit der 120-PS-Version teilt. Der Jumpy kommt als Kastenwagen serienmäßig mit einer Beifahrer-Doppelsitzbank - deren Mittelplatz ist allerdings für längere Strecken nicht zu empfehlen, da der Knieraum dort deutlich eingeschränkt ist. Die Drei-Mann-Besetzung dürfte in dieser Fahrzeugklasse aber ohnehin nur eine Ausnahme darstellen.

Nach außen signalisiert der Franzose britisches Understatement

Beim Jumpy-Spitzenmodell deutet nichts auf seine Leistungsfähigkeit hin. Während der baugleiche Fiat Scudo mit rotem Power-Schriftzug im Kühlergrill italienisch-machohaft Temperament signalisiert, fehlen am Franzosen jegliche Schriftzüge, die auf die Motorleistung hinweisen würden. Der Gipfel der Bescheidenheit ist schließlich durch das Kühlschrank-Weiß des Testwagens erreicht, das so gar nicht zu einem flotten Lieferwagen passen mag. Doch genug von der französischen Bescheidenheit. Wie fühlt sich der erstarkte Lieferwagen an?

Erwartet gut, ist der Tester verleitet zu sagen. Dabei war der Jumpy auch mit dem 88-kW-Aggregat (120 PS) schon ordentlich motorisiert. Der Leistungssprung von 32 kW (44 PS) und das um 40 Newtonmeter höhere Drehmoment sind aber deutlich spürbar. Bei identischer Getriebeübersetzung wie in der schwächeren Variante setzt der 165er auch beladen zu einem Parforceritt an. Bei schnellem Leistungsabruf bleibt kaum Zeit, die Gänge zu wechseln - so schnell kann der Fahrer kaum "Oh là, là!" sagen. Dank variabler Geometrie des Turboladers ist die Kraftentfaltung der Zwei-Liter-Maschine dabei sehr gleichmäßig - eben à la française, aber auch so nachdrücklich, dass sich der Fahrer gelegentlich einen etwas stärker konturierten Fahrersitz statt des französisch weichen Gestühls wünscht.

Verminderter Verbrauch aber erhöhter Verschleiß

Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Citroën bei 170 km/h, was aufgrund der lang übersetzten Gänge fünf und sechs eher untertrieben erscheint. Von dieser Getriebeauslegung profitiert aber der Verbrauch - zumindest auf dem Papier: 6,8 Liter pro 100 Kilometer werden gemäß europäischem Fahrzyklus durch die Einspritzdüsen gesprüht. Damit unterbietet der Jumpy HDi 165 den 120er in der Theorie um immerhin 0,6 Liter. Beim CO2-Ausstoß bleibt er mit einem Wert von 179 Gramm pro Kilometer deutlich unter der 200-Gramm-Marke.

Nur Reifen und Kupplung dürften die gesteigerte Motorkraft mit einer verkürzten Lebensdauer quittieren - im Extremfall zerren 340 Newtonmeter an Gummis und Reibplatte, was gerade dann an die Substanz geht, wenn sich auch noch ein schwerer Anhänger ans Jumpy-Heck klammert. Mit einem Grundpreis von 25.900 Euro liegt der Jumpy HDi 165 als Kastenwagen L2H1 2.350 Euro über dem HDi 120. Sollte sich der Verbrauchsvorteil in der Praxis als ähnlich deutlich erweisen, wäre das Jumpy-Topmodell à la francaise für leistungsorientierte Transporteure mehr als nur eine Überlegung wert.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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