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MAN TGX Tour Spanien 16 Bilder Zoom
Foto: joachim mottl

Erneuerte MAN-Flotte

Vergleich drei neuer Modelle

D38 mit 640 PS und D26 mit 500 PS im TGX sowie automatisierter Hydrostat im TGS – wir haben die drei neuen Lkw von MAN bereits ausprobieren können.

Eine Großfamilie erfindet sich neu – VW Nutzfahrzeuge, Scania und MAN sind unter das gemeinsame Dach Volkswagen Truck & Bus geschlüpft und sollen künftig mehr Synergien erschließen. Ex-Daimler-Manager Andreas Renschler hat derweil die Insignien der Macht bei VW Truck & Bus übernommen – zu einem Zeitpunkt, der nicht spannender sein könnte: VW Nutzfahrzeuge schickt den neuen Crafter in den Wettbewerb; Konzernschwester Scania stellt einen komplett neuen Lkw auf die Räder – und MAN? Etwas leiser als die Verwandten aus Hannover und Södertälje treten die Münchner auf. Mit überarbeiteten und damit effizienteren Motoren soll es ins Jahr 2017 gehen.

Sowohl D26 als auch D38 haben in allen Leistungsstufen zugelegt, vor allem dank erhöhter Einspritzdrücke mit bis zu 2.500 bar. Zudem verwaltet im D26 nun ein Scania-Getriebe die Gänge, während der D38 auf das neueste Produkt des langjährigen Partners ZF setzt. Traxon heißt es und lässt sich erstmals auch mit dem D26 und dem hydrostatischen Antrieb Hydrodrive des Kippsattelzuges kombinieren. Erstmals ist damit bei MAN eine Automatisierung des Zusatzantriebs an der Vorderachse möglich.

MAN's Neuheiten in Spanien ausprobieren

Während die gesamte Nutzfahrzeug-Welt gespannt nach Södertälje blickt, wo der neue Scania für erste Ausfahrten verfügbar ist, hat sich lastauto omnibus mit den Ingenieuren von MAN in Spanien getroffen, um am Ende der Sommererprobung exklusiv die Neuheiten auszuprobieren. Zur Testflotte, die sich von Südspanien aus auf den Heimweg nach München macht, gehören ein TGS 4x4H mit 460 PS starkem D26 und Hydrodrive, das nun direkt mit dem Traxon-Getriebe verbunden ist und fallweise von selbst eingreift. Aus gleicher Motorenfamilie bestückt, steht ein TGX 18.500 zur Verfügung – die neue Spitzenmotorisierung in der bayerischen 12,4-Liter-Klasse. Ein besonderes Vergnügen wartet mit dem König der Löwen auf uns, dem TGX 18.640.

Auf die erste Runde geht es aber mit dem überholten Hydrodrive-System. Das soll auf der sandigen Piste in Südspanien zeigen, dass es nicht unbedingt einen Fahrereingriff braucht, um sich aus prekärer Lage zu befreien. Und das machen Elektronik, Getriebe und Hydrostat gemeinsam beeindruckend präzise. Ohne den dennoch verbauten Drehschalter für die Allradfunktionen zu betätigen, nutzt der TGS 18.460 seine speziellen Fähigkeiten. Fehlt den Hinterrädern mangels ordentlichem Reibbeiwert die Traktion auf der Piste, schließt Traxon die angeflanschte Kupplung zur Hydraulikpumpe für den zusätzlichen Vorderradantrieb. Das funktioniert tadellos.

"Schöner Wohnen" im TGX 18.500

Bislang musste der Fahrer den Nebenabtrieb von Hand aktivieren. Technisch wäre die Automatisierung der Hydrodrive-Funktion auch mit der AS-Tronic schon machbar gewesen. Allerdings gab es dafür wohl nie eine Freigabe des Getriebeherstellers. Ansonsten hat sich an der Funktionsweise nichts geändert. Auch die Parameter beispielsweise für die Abschaltung bei 30 km/h gelten weiterhin.Zurück aus dem Sandkasten wartet bereits der TGX 18.500 mit XLX-Hütte. MAN hat all seinen Modellen kosmetische Behandlungen angedeihen lassen. So ziert den 40-Tonner am Grill das schwarz unterlegte Löwen-Logo. Ein gutes Stück darunter liegen nun zwei Lamellen, wahlweise mit Chrom verziert, überm Kennzeichen und füllen leeren Raum vor den Kühlelementen.

Nachdem der Fahrer die Stufen ins Haus hinter sich gelassen hat, erwarten ihn neue Vorhänge, ein verändertes Sitzdekor und eine edlere Anmutung des Armaturenträgers – ein wenig "schöner Wohnen" schwingt hier mit. Beim Griff zum Zündschlüssel fällt der Blick auf den Löwen, der das MAN-Logo auf dem Lenkrad abgelöst hat. Rechts neben dem Volant findet sich zudem das neugestaltete Unterhaltungssystem. Sieben-Zoll-Display, DAB-Radio und ein ordentliches Navi von Navtec zeichnen die Medienzentrale aus. Außerdem gelingt es erfrischend einfach, ein Mobiltelefon über Bluetooth zu verbinden. Davon wären auch zwei gleichzeitig durch das MMT Advanced genannte Radio zu verwalten.

Merkliche Verbesserung beim GPS-Tempomaten

Mit Musik vom Handy über die hochwertig klingende Soundanlage geht es hinaus auf die spanische A 7, die entlang der Küste in Richtung Norden führt. Was sich nominell zum 480er verändert, ist kaum zu spüren. Die ersten Tests müssen zeigen, ob die Motorenüberarbeitung dem Verbrauch zuträglich war. Was sich aber merklich verbessert hat, ist die Arbeitsweise des Efficient-Cruise genannten GPS-Tempomaten. Der nutzt seit einiger Zeit auch einen Neigungssensor neben den Kartendaten, um die passende Verhaltensweise zu wählen. In Zusammenarbeit mit Efficient-Roll, der Freilauffunktion, kommt so eine effiziente, automatisierte Fahrweise zustande, die durchaus mit den Top-Produkten am Markt konkurrieren kann.

Unterm Strich ist der TGX 18.500 mit einem maximalen Drehmoment von 2.500 Nm so gut ausgestattet, dass es mit 40 Tonnen Gesamtgewicht kaum mehr braucht. Das automatisierte Direktgang-Getriebe aus Schweden am Münchner Motor sorgt zudem dafür, dass auch die bei 930 Umdrehungen liegende Untergrenze für den maximalen Vortrieb lastabhängig vernünftig genutzt wird. Für den Fahrer auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig im MAN ist die Anzeige des größten Gangs mit einer "14". Das ist allerdings nur dem Umstand geschuldet, dass es sich beim Getriebe um ein 12+2 handelt und die Zählung der Fahrstufen beim ersten Kriechgang beginnt. Auf ins Flaggschiff – 640 PS sind eine Ansage für einen 40-Tonner, zumal die Leistung aus 15,3 Liter Hubraum kommt. Kräftige 3.000 Nm liegen zwischen 900 und 1.400 Umdrehungen an der Kurbelwelle an.

Als Bonbon ist die Wankstabilisierung CDC verbaut

Wäre es nicht um den Verbrauch bestellt, könnte dieses Kraftpaket auf einen GPS-Tempomaten gerne verzichten und jede Hügelpiste niederbügeln. Wer in der Sechs-Prozent-Steigung mit diesem Aggregat unterm Haus feststellt, dass 60 km/h zu langsam sind, der kann auch bequem noch rausbeschleunigen. Doch bei aller Freude an der Kraft des Motors gibt es auch ein vernünftige Seite. So geht MAN davon aus, dass sich der Mehrverbrauch gegenüber dem D26 mit 500 PS bei rund zwei Prozent bewegt. Damit wäre der König der Löwen auch gut und gerne wirtschaftlich zu betreiben. Allenfalls die höheren Gewichte von Motor und Getriebe könnten bei nutzlastsensiblen Transporten die Freude an 640 PS schmälern.

Für uns überwiegt auf der Abschiedstour von Südspanien aber die Fahrfreude. Bergauf dank massivem Vortrieb, bergab, weil die 600 kW starke Motorbremse Turbo-EVB den Lkw stets im Zaum hält. Als Bonbon ist dann noch die Wankstabilisierung CDC im Fahrzeug verbaut. Per gekonnter Ansteuerung der Federbälge neigt das Fahrzeug bei hohen Geschwindigkeiten nahezu nie zur Instabilität. Wer so komfortable Fahrzeuge baut, der muss sich auch in einer Großfamilie nicht verstecken.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 11/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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Datum

21. Oktober 2016
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Rechtsanwalt Matthias Pfitzenmaier ist Fachanwalt für Verkehrsrecht. Seit 1997 arbeitet er im… Profil anzeigen Frage stellen
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