Sohler Trans Spezialfahrzeug Lkw MAN TGS 28.540 14 Bilder Zoom
Foto: Felix Jacoby

Ein MAN mit vielen Talenten

MAN TGS 28.540 überzeugt mit Vielseitigkeit

Als Dienstleister für das Baugewerbe verlangt Sohler Trans von einem Lastwagen möglichst vielfältige Einsatzfähigkeiten. Alle Fahrzeuge der Firmenflotte sind auf den speziellen Einsatzzweck hin zugeschnitten. Herausragend ist ein MAN TGS 28.540, der extrem traktionsstark und überaus wendig ist.

Keiner der acht Lastwagen von Sohler Trans im österreichischen Schruns kommt als Standardfahrzeug daher. Sie wurden mit handwerklicher Kunst speziell für besondere Einsatzzwecke konfiguriert. Auf die Spitze treibt das der MAN TGS 28.540 aus dem Fuhrpark des Transportunternehmens im Montafon.

Mit den Zielvorgaben "extreme Traktionskraft" und "hohe Wendigkeit" fiel die Wahl auf ein Basis-Fahrgestell, dessen erste beiden Achsen angetrieben sind und dessen dritte Achse mitlenkt – in der Typologie des Herstellers ergibt das die Achsformel 6x4-4. Mit einem schweren Palfingerkran sowie der Wandelbarkeit vom Pritschenwagen zur Sattelzugmaschine wurden nahezu alle Möglichkeiten ausgereizt, um einen flexibel einsetzbaren Lkw auf die Räder zu stellen.

Mechanischer Antrieb für die Vorderachse

Der zuschaltbare Vorderachsantrieb mit hydraulischem Antrieb ist eine feine Sache für vielerlei Zwecke, doch im Alpenland droht er an seine Grenzen zu stoßen. Deswegen wird die Vorderachse bei diesem Dreiachser nach klassischer Manier mechanisch angetrieben. Die lenkbare Liftachse hinten steigert die Wendigkeit enorm, der Vorgänger hatte noch eine auf engen Wegen nachteilige Vorlauf-Lenkachse.

Fahrer Alexander Rudigier kommt gerade zurück von einem viertägigen Einsatz rund 200 Kilometer entfernt vom Firmensitz in Schruns. Im Hochschwarzwald hat er eine Baufirma aus seiner Vorarlberger Heimat bei Arbeiten an einer Liftanlage unterstützt, danach bringt er mit einem Zweiachsanhänger Material von dort zurück. Der nächste Auftrag drängt. Nach dem Abladen in Nüziders bleibt der erste Anhänger stehen und ein in der Nähe geparkter Dreiachs-Tieflader wird angehängt. Es geht darum, Fahrbahnteiler von der Baustelle an der westlichen Einfahrt zum Arlbergtunnel, der über den Sommer und Herbst 2015 komplett saniert wurde, abzuräumen. Zusätzlich beauftragt der Polier ein paar andere Kranhübe. Das gehört zur Dienstleistung, abgerechnet wird nach Einsatzstunden. Mit dem Motorwagen fährt der 39-Jährige auf der Baustelle umher, um die Teile einzusammeln und dann auf den Anhänger zu hieven. Zuletzt wird die kurze Pritsche hinter dem Kran beladen und auch dieser Job ist nach wenigen Kilometern Rückfahrt und dem Abladen mit dem Stapler erledigt. Anschließend geht es mit dem Motorwagen solo noch zu einer abgelegenen Baustelle in den Bergen, dort werden zur Stabilisierung eines Steilhangs Stahlmatten und Zement in Säcken benötigt.

Der Kran kommt auf mehr als 25 Meter Reichweite

Erst steigt die Straße in die abgelegene Siedlung steil hinauf, dann führt ein schmaler Weg in das Baugrundstück ebenso steil hinab. An diesem Tag mit Sonne und Trockenheit ist das kein großes Problem, aber eine Woche zuvor hatte es hier geschneit. Wenn es rutschig wird, scharren die meisten Lastwagen schon mit den Reifen, wo sich der MAN noch lässig aus eigener Kraft bewegt. Dabei helfen ihm diverse Differenzialsperren, mit denen sich der Antriebsstrang auf gleichmäßige Kraftverteilung auf alle Räder schalten lässt. Außerdem kann die Gangspreizung bei extremen Einsätzen durch ein Untersetzungsgetriebe verkleinert werden. Sortiert werden die Fahrstufen nach alter Sitte per Schalthebel – die Bergspezialisten machen das bei ihrer anspruchsvollen Arbeit lieber selbst. Kaum steht der Dreiachser in Position, fährt Alexander Rudigier die Stützen aus.

Eine Stabilitätskontrolle hilft beim Positionieren der Stempel am Boden, die sich bis auf 7,4 Meter Gesamtbreite bewegen lassen. Der Palfinger PK 34002 – SH E kann nahe seiner Hochachse maximal zehn Tonnen liften, in sechs Metern sind es noch 5,3 Tonnen, in 17 Metern noch 1,4 Tonnen. Wird der "Jib" verwendet, ein zusätzlich montierter Schubarm, steigt die Reichweite auf mehr als 25 Meter, dann dürfen immer noch 570 Kilogramm an den Haken gehängt werden. Über die Fernbedienung können raffinierte Funktionen wie der Endlosschwenk, der um 15 Winkelgrade überstreckbare Knickarm oder die abklappbare Zusatzseilwinde gesteuert werden. Der Kran wiegt knapp drei Tonnen. Gerade auf einer mit Material und Maschinen vollgestellten Baustelle ist eine gute Reichweite wichtig, um das zu liefernde Material gezielt nach Kundenwunsch abzustellen. Wieder oben auf der Straße zeigt sich, auf welch schmaler Fläche der Dreiachser umzudrehen vermag. Dank des Radstands von 3,9 Metern zwischen erster und zweiter Achse und einer hinten frei über dem Abgrund schwebenden Liftachse geht das verblüffend einfach.

Selbst Schneeräumen zählt zu seinen Fertigkeiten

Kaum schwieriger läuft der Wechsel des Aufbaus ab. Die kurze Pritsche lässt sich mit dem Bordkran abheben. Darunter erscheint ein starker Rahmen, der eine zweifache Aufnahme für eine Sattelkupplung trägt. Normal wird der schwere Goldhofer-Vierachstieflader von einem MAN TGX 33.530 mit 6x4-Antrieb gezogen, doch wenn dessen Traktionsleistung oder Lenkvermögen auf engen und glatten Fahrbahnen nicht reicht, wird stattdessen der leichtere TGS als Sattelschlepper eingesetzt. Zu den weiteren Fähigkeiten des Dreiachsers zählt das Schneeräumen. Für den Pflug ist frontseitig eine Aufnahmevorrichtung montiert. Vermutlich spiegelt der Endpreis die vielen Spezifikationen dieses hochtechnisierten Multi-MAN wider, der übrigens im Wiener Werk, vormals dem von ÖAF, gebaut wurde.

Doch der ÖAF-Vierachser mit Schwerlastkran Effer 1150 von 2002 steht noch immer im perfekten Zustand im Hof der Sohlers. So ist davon auszugehen, dass auch der Kauf des neueren Dreiachsers eine Investition auf längere Sicht ist. Sie setzt eine Verbundenheit der Transportfirma mit der Löwenmarke fort, die schon aus den frühen 60er-Jahren stammt. Nur ein älterer Mercedes Actros und ein Unimog als Schneefräse haben es sonst in den grünen MAN-Fuhrpark geschafft.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

15. April 2016
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