DAF XF 460 Kipper orange Vergleich Test 17 Bilder Zoom
Foto: Michael Kern

DAF CF 460 FAT

Viel Talent im Niederländer

Kipper vom Schlage eines DAF CF sind ein bisschen eigen und hierzulande selten. Dabei steckt in den Niederländern einiges an Talent.

Beschränkung aufs Wesentliche: Das ist eine Kunst, die DAF gern für sich reklamiert und in der es der Hersteller zweifelsohne weit gebracht hat. Und wenn Pragmatismus irgendwo besonders hoch im Kurs steht, dann bestimmt bei den Mannen vom Bau. Dennoch besitzen DAF-Kipper in Deutschland nach wie vor Seltenheitswert. Die Gründe dafür sind vielfältig. So sitzt eben nicht an jeder Ecke ein DAF-Händler. Und die Händler (unabhängig agierend) selbst verkaufen generell lieber die pflegeleicht zu konfigurierenden Sattelzugmaschinen als Fahrgestelle, bei denen die Spezifikation teilweise in trickreiche und knifflige Arbeit ausartet. Dazu kommt, dass der Kipper im heimischen Holland mit seinem eher zahmen Terrain bei den Baustellen zumeist ganz anders aussieht als sein hiesiges Pendant.

50-Tonnen-Motorwagen mit fünf Achsen etwa sind dort verbreitet. Hierzulande ist an solche Gefährte nicht zu denken. Über die vergangen Jahre konnte DAF jedoch stetig im Segment der Sattelzugmaschinen zulegen.

Ebenso eigenwilliges wie interessantes Fahrzeug

Da wächst nicht nur der Appetit, es auch mal mit Fahrgestellen zu versuchen. Es wächst damit zugleich auch der Druck, für weiteres Wachstum auch Kipper und andere Langchassis zu bauen. Denn irgendwann, so viel ist klar, wird bei den Sattelzugmaschinen das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Ein komplettes Programm an Kippern verschiedenster Machart, nach denen Märkte wie der deutsche verlangt, ist andererseits auch nicht ad hoc aus dem Boden gestampft. So kommt es, dass die Niederländer mit dem ihnen eigenen Pragmatismus in Gestalt des dreiachsigen CF 460 FAT Construction ein ebenso eigenwilliges wie interessantes Fahrzeug auf die Räder gestellt haben. Der CF Construction hat sein eigenes Gesicht. Nichts ist mehr zu sehen von der untersten der üblichen fünf Lamellen des sonst so ausgesprochen freundlich dreinblickenden DAF-CF-Grills.

Stattdessen kommt ein barscher Backenbart im Stil des verblichenen Motörhead-Frontmanns Lemmy Kilmister zum Vorschein. Das geschwungene Ding fungiert beim getesteten CF 460 Construction als stählerner Stoßfänger, der dreiteilig angelegt ist. Das Mittelteil besteht aus drei Millimeter dickem Metall, die Ecken zur Rechten wie zur Linken kommen in zwei Millimeter Stärke. Schmallippig lugt der Mund oberhalb eines grantigen und ebenfalls aus Stahl gebauten Kinns hervor, das – als Kühlerschutz konzipiert – so manchen Hieb wegstecken kann. Die Scheinwerfer linsen dem Betrachter nicht durch Glas, sondern bruchresistentem Lexan entgegen. Die Funktion steht bei DAF vor der Form. Aber schlecht sieht das ganze Ensemble am Ende gar nicht aus. Ein solider Tritt für den Aufstieg vorn komplettiert das Bild. Es steht außer Frage, dass sich DAF sehr genau angesehen hat, was heutzutage auf dem Bau gebraucht wird – und was zum guten Ton gehört. Das gilt auch für den nächsten heiklen Punkt des Kippers: die erste Stufe des Einstiegs. Zwar hat DAF die Stufe bei der CF-Kabine nicht ganz frei beweglich ausgelegt, aber doch immerhin drehbar aufgehängt. In Querrichtung gibt sie nach, längs hält sie beharrlich dagegen.

DAF schlägt Plus von 60 Millimetern bei Bodenfreiheit raus

Und auch die Acht-Tonnen-Vorderachse des CF FAT in Construction-Trimm unterscheidet sich wohltuend von dem, was beim Straßenroller üblich ist. Da ist nichts mehr gekröpft. Stattdessen zieht sich die Achse schnurgerade vom einen Radkopf zum andern. So schlägt DAF ein Plus von 60 Millimetern bei der Bodenfreiheit raus, die im Falle des gefahrenen CF 460 mit Lenkachs-Reifen des Formats 385/65 R 22,5 beachtliche 377 Millimeter unterhalb der Vorderachse erreicht. Was die Vorderkante des Gefährts angeht, erweitert diese Bauweise den Böschungswinkel auf satte 25 Grad. Die Radköpfe der Vorderachse münden in Scheibenbremsen, während das doppelt angetriebene Tandemaggregat hinten nur mit Trommelbremsen zu haben ist.

Schweift der Blick weiter umher im Unterbau des DAF-Kippers, so fällt zudem positiv auf, dass der höher gesetzte Tank den CF beim Ackern über Stock und Stein auch nicht so leicht zwischen den Achsen aufsetzen lässt. Die Luftkessel nisten beim Construction-CF aus diesem Grund gleichfalls höher als gewöhnlich. Weiteres praktisches Detail am Rande: Hinter der Kabine blitzt die weiße Kartusche eines Dieselvorfilters hervor, der den Motor vor eventuell in den Tank geratenem Wasser bewahrt. Auf eine ganz klassische Lösung stößt das Auge beim Blick auf das Hinterachs-Tandem namens HR 1355T, bei dem zunächst die fehlenden Stabilisatoren etwas verblüffen, die an der parabelgefederten Vorderachse sehr wohl vorhanden sind. Eine nähere Untersuchung zeigt jedoch, dass DAF hier die Achsen traditionell über acht Punkte anbindet. Die Achsen sind zudem – richtig nach alter Väter Sitte – an vierlagigen Trapezfederpaketen aufgehängt. Positiv an dieser Bauweise ist, dass kein Stabilisator die Verschränkung der Achsen einschränkt.

Kehrseite ist hoher Motortunnel

Die schlechte Nachricht: Mitsamt den Trommelbremsen hinten schlägt all das natürlich aufs Gewicht und bei Leerfahrt haben es Trapezfedern an sich, kräftig auszuteilen. Hat dieser CF allerdings tüchtig geladen, dann steht die Federung à la Vierlagen-Trapez für ein Muster an Komfort. Die Fuhre schwebt in solchen Fällen geradezu durch die Lande. Hinters Lenkrad zu gelangen ist eine sehr leichte Übung beim CF 460 FAT Construction. Nur knapp 1,5 Höhenmeter trennen den Kabinenboden von Normalnull. Da huscht der Fahrer spielend in das Fahrerhaus hinein. Die tief aufgesetzte Kabine bringt als weiteren Vorteil mit sich, dass die Gesamthöhe der Hütte gerade einmal 3.130 Millimeter beträgt. So tief reichen selbst Silo-Ladestellen älteren Baujahrs nicht herunter. Und so wird es auch wenig Brücken mit geringerer Durchfahrtshöhe geben, die den DAF zu Umwegen zwingen könnten.

Die Kehrseite der Medaille ist klar. Tief aufgesetzte Kabinen bringen einen hohen Motortunnel mit sich. Beim Testwagen ragt der stolze 376 Millimeter empor. Die üppige und circa 70 Millimeter hohe Konsole obendrauf mitgerechnet, baut sich zur Rechten des Fahrers ein Berg von insgesamt 437 Millimeter Höhe auf, der einen bequemen Durchstieg verhindert. Positiv umgedeutet stellt dieser Motortunnel mit seiner Konsole samt zwei Flaschenhaltern sowie einer in die Brüstung integrierter Schatulle dann aber wieder all die Ablagen zur Verfügung, von denen sonst um den Fahrer herum nicht allzu viel vorhanden ist. DAF-typisch gibt es oben auf dem Armaturenträger eine ebene Ablage von Format. Darüber hinaus grüßt hie und da allenfalls ein kleineres Fach. In die Türablage passt selbst eine kompakte Halbliter-Flasche mehr schlecht als recht hinein. Insofern ist der hohe Motortunnel also schon ein Segen. Dass es um das Gesamtvolumen der Kabine bei nur 3.130 Millimeter Gesamthöhe dann nur etwas karg bestellt sein kann, ist logisch.

Unkomplizierte Automatik bringt Fahrspaß

Die Stehhöhe, sofern die Maße diese Bezeichnung verdienen, liegt zwischen Kabinenboden und Himmel bei knapp 1,60 Meter – oberhalb des Motortunnels bleiben dann noch exakt 1.165 Millimeter. Rund 4,3 Kubikmeter umbauten Raum weist das somit ziemlich lauschige CF-Fahrerhaus insgesamt auf. Hier zeigt sich einmal mehr die Beschränkung aufs Wesentliche. Großzügigkeit lässt DAF nämlich unten im Maschinenraum und auch beim Triebstrang insgesamt walten. Da bollern die sechs Töpfe des MX-13 munter vor sich hin. Das Aggregat bewältigt auch Steilstücke wie die kurvenreichen Landstraßen-Aufstiege der Schwäbischen Alb leichten Fußes. 2.300 Nm als Maximum beim Drehmoment, breit gefächert von 1.000 bis 1.425/min zu haben, sind das eine.

Das andere, was wesentlich zum Fahrspaß beiträgt, ist die unkomplizierte Auslegung der Automatik. So verkneift es sich DAF beim Kipper nicht nur, den Kickdown zu verbannen, wie es bei den Straßenrollern heute üblich ist. Es ist darüber hinaus auch eine eher fahraktive Schaltstrategie erhalten geblieben, die weit weniger nach niedrigster Drehzahl schielt als es bei den Onroad-Lkw die Regel ist. Obendrein ist die von DAF beim Fernverkehr-Lkw praktizierte Drehmomentreduzierung um zehn Prozent in den Gängen eins bis elf bei allen DAF-Fahrzeugen mit doppelt angetriebener Hinterachse kein Thema, da für die Baufraktion ein Eco-Modus grundsätzlich nicht vorgesehen ist. Die Hinterachsübersetzung von 4,05 im Verein mit dem Overdrive-Getriebe ZF AS-Tronic 2330 OD ergibt in der Praxis ein nettes Gespann, das für viel Fahrspaß steht. Gut 1.360 Umdrehungen kommen damit bei Autobahntempo 85 km/h im höchsten Gang raus: kein allzu hohes Drehzahlniveau also insgesamt und dennoch reichhaltige Reserven bis 1.000/min, wo’s mit der Drehmomentherrlichkeit dann allmählich zu Ende geht.

Bei Außenplaneten-Hinterachse scheiden sich die Geister

Der elfte Gang erweist sich mit seinem direkten Durchtrieb für die Straßen der Provinz wiederum wie maßgeschneidert: Bei 65 km/h dreht der Motor mit exakt 1.415 Touren und ist somit schon beinahe bei Nennleistung angelangt. Nach unten hin unterstützt das Aggregat komfortabel das gesamte Band des maximalen Drehmoments. Und geht es ins Gelände, dann gibt es bei AS-Tronic à la DAF – als Sahnehäubchen obendrauf – mit dem Geländemodus eine besonders praxisgerechte und tüchtige Schaltlogik für schwerere Umstände. Was die Bedienlogik angeht, so ist nur wenig dagegen einzuwenden, dass dieser Offroad-Modus per Kippschalter einzulegen ist. Für die Sperren gilt dies aber nicht. Statt ebenfalls Kippschaltern, zwei an der Zahl und zudem umständlich zu entriegeln, wäre ein einziger Drehschalter besser. Viel Kreativität ist der Positionierung der Sperrenschalter auch nicht anzumerken. Sie sitzen rechts außen, tief unten am rechten Rand des Cockpit-Auslegers. Nicht besser macht die Sache, dass als Info über den Status der Sperren nur winzige Symbole im Display aufleuchten.

Als ähnliche Verlegenheitslösung grüßt der Schalter für den Nebenabtrieb aus ganz anderer Position – äußerst diskret – herüber. Er schmiegt sich eng an die Lenksäule und erfordert für die Aktivierung, wohl versteckt hinter den Schlüsseln, eine Art gekonnten Rollgriff um das gesammelte Geraffel nahe des Lenkstocks herum. Die Philosophie hinter dem CF Construction bringt eine Menge an solchen Eigenarten hervor, mit denen es sich zwar zu arrangieren gilt, aber alles in allem gut leben lässt. Der Knackpunkt, an dem sich die Geister scheiden werden, ist die Außenplaneten-Hinterachse, die DAF für den Bau ausschließlich mit Trapezfedern und trommelgebremst liefern kann. Auch wenn dieses Ensemble offroad eine gute Figur macht, liegen die Nachteile auf der Hand. Für den Unternehmer bringt das Einbußen in Höhe von einigen Zentnern an Nutzlast mit sich. Für den Fahrer bedeutet dieses Arrangement Abstriche beim Komfort, sobald er den dreiachsigen DAF CF Construction leer zu bewegen hat.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren
Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

17. März 2017
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
Klaus Ridder Gefahrguttransport
Fachbuchautor für Gefahrgutliteratur sowie Leiter von Seminaren und Kongressen im Bereich… Profil anzeigen Frage stellen
Michael Tobiasch, Experte für Softwareauswahl und -einführung (TMS, WMS, CRM etc.); Analyse/Optimierung von Prozessen und deren IT-Unterstützung Michael Tobiasch Softwareauswahl und -einführung
Michael Tobiasch berät Speditionen und Logistikunternehmen unter anderem bei der Auswahl von… Profil anzeigen Frage stellen
Aktuelle Fragen
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.