Alternative Antriebe, Spedition Transco Zoom
Foto: Huggler

Alternative Antriebe

Gas geben im Fernverkehr

Die Spedition Transco fährt für den Sanitäranbieter Geberit mit einem Erdgas-Lkw in die Schweiz. Das erste Zwischenfazit fällt positiv aus.

Erdgas-Lkw sind auf dem Vormarsch. Ihr Revier ist der Nah- und Regionalverkehr. Im Fernverkehr sind Gasfahrzeuge bisher eine eher exotische Erscheinung. Gründe sind die eingeschränkte Reichweite und das lückenhafte oder nicht für den Schwerverkehr ausgelegte Tankstellennetz.

Umso ungewöhnlicher ist der Einsatz eines Gasfahrzeugs im grenzüberschreitenden Fernverkehr. Der Logistikdienstleister Transco aus Konstanz sammelt in diesem Segment seit 19. Dezember erste Erfahrungen, konkret auf Rundläufen zwischen Rapperswil-Jona in der Schweiz und Pfullendorf  im Kreis Sigmaringen.

Das Projekt erfolgt mit dem Sanitäranbieter Geberit

Das auf drei Jahre ausgelegte Projekt erfolgt in Kooperation mit dem in der Schweiz beheimateten Sanitäranbieter Geberit. In Rapperswil-Jona am Zürichsee betreibt dieser ein Produktionswerk, in Pfullendorf ein Logistikzentrum. Das Erdgasfahrzeug, bestehend aus einem 290 PS starken Mercedes-Benz-Euro 5 Econic mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 32 Tonnen und modifizierten Megatrailern aus dem Hause Krone, ist für Geberit ein wichtiger Beitrag auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeit.

Unter dem Titel "Nachhaltig im Quadrat" präsentiert Geberit im Geschäftsbericht 2013 verschiedene Geschichten, welche die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit im Unternehmen unterstreichen. "Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir in der Produktion, mit unseren Produkten, in der Beschaffung und Logistik sowie unserem sozialen Engagement unser Ziel umsetzen, als nachhaltiges Unternehmen führend zu sein", heißt es.

Gasfahrzeug punktet auch in Sachen Ökonomie

Was das Gasfahrzeug angeht, ist der Sanitärspezialist überzeugt: "Er ist nicht nur ökologisch eine sinnvolle Wahl, er punktet auch in Sachen Ökonomie." Mit dem Logistikpartner Transco zusammen hat das Unternehmen errechnet, dass der Econic gegenüber einem mit Diesel betriebenem Lkw 85 Prozent weniger Partikel und 98 Prozent weniger Methan ausstößt. Die Werte beziehen sich auf eine jährliche Fahrleistung von 150.000 Kilometern im Rundlauf zwischen Rapperswil-Jona und Pfullendorf.
Was die Ökonomie betrifft, geht auch Transco-Fuhrparkleiter Gerhard Reger davon aus, dass sich das Fahrzeug rechnet. Gegenüber einer konventionellen Zugmaschine sei der Anschaffungspreis für den Econic deutlich höher. Auch die Anpassungen bei den Megatrailern kosteten die Firma Geld. "Dafür sind die Kosten für den Kraftstoff rund 30 Prozent niedriger als für Diesel", sagt er.

Die Anpassungen an den Trailern waren laut Reger unvermeidlich: weil der Econic mit einer Aufsattelhöhe von 1.025 Millimetern nämlich etwas höher als eine Standard-Megazugmaschine baut und die Schweiz bei Höhenüberschreitungen keine Toleranz kennt. "Hinzu kommen 50 Millimeter durch den Aufliegerhals, weshalb wir das Dach um 75 Millimeter absenken mussten", erklärt Reger. Und das nicht etwa nur bei einem Auflieger, sondern gleich bei 14. Da Transco jeden Tag 30 Umläufe für Geberit fährt, musste die Spedition gleich mehrere Einheiten in der Höhe anpassen. Als Nächstes erwägt Transco den Einsatz von Windabweisern am Dach, um die Aerodynamik zu verbessern. Hier sieht Reger noch Optimierungsbedarf. Doch das will erst noch genau geplant werden.

Gute Planung ist das A und O

Überhaupt ist beim Einsatz des Gasfahrzeugs eine gute Planung das A und O. So sind jeden Tag vier Tankstellenstopps vorgesehen. Immerhin absolviert das Fahrzeug im Zweischichtbetrieb jeden Tag zwei Rundläufe mit zusammen 600 Kilometern. Rund 30 Kilo Gas verbrauche das Fahrzeug derzeit auf 100 Kilometer. "Geeignete Tankstellen entlang der Strecke befinden sich in Singen, Konstanz und Stockach", sagt Transco-Mann Reger, der Herr über eine Flotte von 55 Lkw und rund 420 gezogene Einheiten ist.

Die erste Zwischenbilanz des Projekts fällt sowohl für Geberit als auch für Transco positiv aus. Die Fahrer dagegen hätten die Touren mit der neuen Kabine anfänglich nicht gerade als Auszeichnung aufgefasst. Schließlich ist das Spezialgebiet des Econic eher die Entsorgung und weniger der Fernverkehr. 290 PS sind für eine Tour durch die Berge auch nicht gerade üppig dimensioniert, sodass sie dort etwas langsamer unterwegs sind. Doch mittlerweile hätten sich die beiden Fahrer daran gewöhnt − und genießen offenbar auch ihre Rolle als Exoten.

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Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

2. April 2014
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