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Foto: Daimler

60 Jahre Setra Clubbusse

Erfolgsgeschichte mit neun Modellen

Mit dem Setra S 6 begann vor genau 60 Jahren eine Erfolgsgeschichte mit neun Modellen und bi szu 4.000 gebauten Bussen. Wir schauen uns vier Vertreter genauer an.

Ein Reisebus ist für gewöhnlich zwölf Meter lang, 2,55 Meter breit und irgendwo zwischen 3,5 und 4 Meter hoch. Will der Kunde von diesem etablierten Standard abweichen, weil derartige „Großbusse“ einfach zu ­teuer oder zumeist nicht ausgelastet sind, gibt es entweder die Option eines Minibusses auf Van- oder Transporterbasis oder auf einem 7,5-Tonnen-Lkw-Fahrgestell.

Exklusive Sonderausbauten für den Clubbus

Wer aber auf Komfort, Image, Motorleistung und das volle Sicherheitspaket eines Premium-Reisebusses nicht verzichten will, der landet schnell beim Clubbus: vom Reisebus abgeleitete, kurze Versionen, die bis zu 40 Sitze anbieten, aber leider nicht wesentlich preiswerter sind als der Zwölf-Meter-Wagen – schließlich fehlen nur maximal zwei Meter Stahl, Glas und Kunststoff. Der Ulmer Hersteller Setra nimmt in diesem kleinen, aber sehr feinen Segment – nicht selten werden exklusive Sonderausbauten in die Clubbusse eingebaut – seit nunmehr 60 Jahren eine herausragende Stellung in Europa ein.

Setra hat anders als die Konkurrenten dieses ­Segment mit Leidenschaft gehegt und gepflegt. Über die vergangenen 60 Jahre haben die Ulmer neun Clubbusse auf Europas Straßen geschickt, auch wenn die Busse immer größer und ihren "ausgewachsenen" Brüdern immer ähnlicher wurden. Gründe hierfür sind das zunehmend angewandte Baukastenkonzept sowie das langsame Aussterben des V-förmig aufgebauten Sechszylinders, der noch dem S 411 HD aus der Top-Class, in elf Jahren rund 850 Mal gebaut, zu beinahe sportlichem Antritt verhalf.

Sein Nachfolger, der 2014 gestartete S 511 HD, ist rund 40 Zentimeter länger. Aber durch ­einen knappen Radstand und gekonnt gekürzte Überhänge vorne und hinten schaffen es die Ulmer, einen phänomenal kleinen Wendekreis von 17,5 Metern zu realisieren. Dieser Bus ist ebenso einzigartig wie begehrenswert für den Fuhrpark. So mancher Unternehmer kann oder will ihn sich nicht leisten. Aber immerhin rund 125 Kollegen haben sich den Bus seit seiner Markteinführung gegönnt. Das sind deutlich mehr als der langjährige Jahresschnitt des Vorgängers.

Mehr als ein gewöhnlicher Omnibus

Der Vater des 1951 geborenen ersten Setra, Otto Kässbohrer, beschrieb schon nach 30 Jahren Bauzeit des S 6 dessen Einzigartigkeit so: "Es ist wohl die schönste Bestätigung, dass unser kleinster Setra schon immer etwas mehr war als ein gewöhnlicher Omnibustyp. Er ist denen, die ihn noch besitzen, so ans Herz gewachsen, dass das Fahren und Reisen mit ihm fast zu einer kleinen Weltanschauung gediehen ist und darauf sind wir heute – nach 30 Jahren seiner Entwicklung – sicher mit Recht ein bisschen stolz.“

So ist auch Werner Maier vielleicht mehr als ein bisschen stolz, als er den blauen S 6 aus dem Baujahr 1955, seinem ersten Lehrjahr in Ulm, auf dem Hof der ehemaligen Auslieferungs­halle der Hellerauer Werkstätten besteigt. Seit 1910 bereits und wieder seit 2006 werden hier in der Gartenstadt auf 140 Hektar hochwertige Möbel gefertigt, die einen Anklang an so manche Sonderausstattung mit Konferenzecke oder edle 2+1-Bestuhlung beschwören. Ehrfurcht und Bewunderung sollten jeden Buskenner überkommen, der ein solch perfekt gepflegtes Kleinod in Augenschein nimmt.

Der knapp geschnittene Innenraum des nur 6,7 Meter langen Wägelchens unterstützt den Eindruck des Lenkers, mitten unter den Fahrgästen zu sitzen. Noch so ein Grund für die Einzigartigkeit des Konzeptes. Mit den weit ins Dach reichenden, in Ulm von Hand gefertigten Plexiglasscheiben hat man zudem den Eindruck, unter freiem Himmel unterwegs zu sein.

Kleiner Kerl mit 90-PS-Henschel-Vierzylinder

Cabrio- und somit Pkw-artig ist auch das Fahrgefühl dieses kleinen Kerls mit 90-PS-Henschel-Vierzylinder, der diese im Bürzel-Heck tapfer und lautstark in Vortrieb ummünzt. Die Einzelradaufhängung rundum vermittelt ein erstaunlich komfortables Fahrgefühl, das einer Luftfederung durchaus nahekommt – Chapeau! Einzig das Schaltgetriebe mit Lenkstockhebel vermittelt eindrücklich die Last der 60 Jahre, die es seine sechs Gänge bereits sortiert hat.

Beherzten Einsatz für seinen Setra S 208 H, Baujahr 1979 und Baunummer 77, kann man auch dem ehemaligen Setra-Mitarbeiter Peter Hanses aus Langenau bescheinigen, dessen "Reiseliebling" das Défilé aus sechs Jahrzehnten begleitet. Die in Orange gehaltene Farbgebung des Innenraums stimmt perfekt auf die "Creme21"-Atmosphäre der späten 70er-Jahre ein. Das kantige Cockpit-Design wirkt wie ein Gegenentwurf zum S 6. Der Mercedes-Sechszylinder mit 168 PS bringt den 30-Sitzer schon flotter in Schwung als der Henschel seinen Großvater. "Auch wegen des fehlenden Retarders wurde die Produktion 1983 eingestellt, außerdem war die Zeit der kleinen Busse damals zu Ende", erläutert Hanses wehmütig. Das war allerdings nur ein vorübergehendes, wenn auch öfter wiederkehrendes Phänomen, wie wir heute wissen. Hanses selbst liefert einen der Gründe dafür, während wir den Weg vom barocken Schloss Moritzburg zurück nach Dresden lenken. "Mit kleinen Bussen ist es eben wie mit kleinen Kindern, Katzen und Hunden – sie sind einfach süß und man muss sie einfach lieben."

Der S 511 HD verfügt über eine enorme Wendigkeit

Dieses vermeintliche Kindchenschema trifft auf den jüngsten Spross der ­Ahnenreihe, den wir uns zu guter Letzt vornehmen, nun beileibe nicht zu. Der kleine S 511 HD unterscheidet sich außer durch die enorme Wendigkeit kaum von seinen großen Brüdern: Die gleiche hochwertige Eleganz des Innenraums, die gleiche Perfektion des Cockpits, die gleiche Souveränität des Antriebs und das gleiche Gefühl der Sicherheit auf höchstem Niveau. Eben nur eine Nummer kleiner.

Auch wenn von der sonnendurchfluteten Leichtigkeit des Vorfahrens S 6 an diesem Hightech-Volant nur noch wenig übriggeblieben ist, so ist nach den Erfahrungen dieses Tages ganz klar, welche Gene in dem kürzesten Setra der Comfort-Class stecken: die des deutschen Busbaus par excellence. Heute wie vor 60 Jahren.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

11. März 2016
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