Truckjob Gartengestaltung MAN TGS 35.480 8 Bilder Zoom
Foto: Mario P. Rodrigues

Truck-Job

Gartenbauer Armin Wersich

Armin Wersich fährt einen Vierachskipper mit Ladekran und weiteren Extras für die speziellen Herausforderungen im Gartenbau.

Wer an den Fuhrpark eines Gartenbauers denkt, hat schnell das Bild vom 7,5-Tonner mit Anhänger und Minibagger vor Augen. Doch es geht auch größer: 18 leichte Lkw, zwölf Bagger und sechs Radlader umfasst die Flotte von Thomas Heumann Gartenanlagen in Weinstadt. Zudem hat Heumann vor gut 20 Jahren das benachbarte Fuhrunternehmen Bihler übernommen, um die schweren Lasten im Gartenbau zu transportieren. Für diese Transporte ist Armin Wersich zuständig. Mit reichlich Erfahrung aus Fernverkehr und Abschleppdienst hat er vor vier Jahren bei Bihler angefangen – und will hier bis zur Rente auch nicht mehr weg, wie er strahlend betont. Ob das neben dem merklich guten Betriebsklima auch an seinem neuen Arbeitsgerät liegt? Denn seit November 2016 hat Bihler einen richtigen Hingucker im Fuhrpark: einen MAN TGS 35.480 8x2, Euro 6, mit Hydrodrive an der zweiten Lenkachse, mit liftbarer, gelenkter Nachlaufachse, mit Kippbrücke von Kempf sowie mit einem heckseitig als Wechselsystem angebrachten Ladekran von HMF.

Wozu diese sprichwörtlich eierlegende Wollmilchsau? "Wir haben den Ruf, logistisch sehr gut zu sein. Und da unsere Lasten meistens sehr schwer und die Baustellen nicht immer gut zugänglich sind, haben wir uns nach reiflicher Überlegung für dieses Spezialfahrzeug entschieden", berichtet Thomas Heumann und ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Damit er noch eine Weile nach Stuttgart rein darf, haben wir auch extra auf Euro 6 gewartet."

Der TGS ist schwer im Einsatz

In der feinstaubgeplagten Schwabenmetropole hat sich der bullige TGS bereits bewährt, besonders in den Wohngegenden der Halbhöhen- und Höhenlage. Dort gibt es zwar großzügige Gärten, aber auch enge, kurvenreiche Straßen. "Der Lkw ist schwer im Einsatz", bestätigt Armin. "Ich fahre damit so gut wie alles: Baumaschinen, Erdaushub, Schnittgut, Lava, Kompost, Substrate, Pflanzen, Baustoffe, Gartenhäuser oder Überdachungen für Fahrradständer und Mülltonnen." Neulich seien es sogar vier ausgewachsene Bäume samt Wurzelwerk gewesen: zwei davon auf dem Lkw und zwei auf dem Tieflader.

"Ein 100.000-Euro-Transport", sagt Armin. "Bäume sind wertvoll!" So etwas leisten sich gut betuchte Häusle- beziehungsweise Gartenbauer. "Die Leute, die sich die großen Gärten anlegen lassen, sind alles Geschäftsleute, die zu Hause ihre Oase bauen, um zur Ruhe zu kommen", erzählt Bihler-Geschäftsführerin Christine Heumann. Natürlich gehe es beim Gartenbau nicht nur um Villen, sondern genauso um Doppelhaushälften Hochsaison ist die Pflanzzeit im Frühjahr und Herbst. Je nachdem, wie die übrigen Gewerke vorankommen, können sich die Baustellen über Monate hinziehen. Wenn sich dann das Zeitfenster für die Gartenbauer öffnet, ist Anpacken angesagt. "Unsere Fahrer sind Dienstleister", betont Christine Heumann. "Sie müssen sich mit den Vorarbeitern und Bauleitern arrangieren – einfach hinkippen und gehen gibt’s nicht."

Pflanzenpaletten müssen von einer Baustelle nach Waiblingen

Bei Armins heutiger Tour ist statt des Kippers vor allem der Ladekran gefragt: Er soll Pflanzenpaletten zu einer Baustelle in Waiblingen bringen und eine Ladung Schalungen mit retour nehmen. Bevor er die Paletten mit dem Stapler aufladen kann, muss er zuerst den Ladekran andocken, der auf dem Hof auf seinen Stützen und dem Schalengreifer ruht. Das heißt: die Kippbrücke etwas zur Seite kippen, die Luftfederung ablassen, mithilfe der Rückfahrkamera bis an das Wechselsystem zurücksetzen und wieder das Niveau anheben. Jetzt sitzt der Ladekran in seinen zwei Schienen am Fahrzeugheck und Armin kann die Anschlüsse verbinden: Luft- und Hydraulikschnellkupplung, Elektrik etc. Außerdem sichert er den Ladekran mit zwei massiven Bolzen. Nun kann er Kran und Stützen einfahren sowie den Schalengreifer durch einen Kranhaken ersetzen. Der TGS wird durch diesen Anbau gut einen Meter länger. Das ganze Procedere will geübt sein – auch ein Grund, warum Armin der Einzige im Betrieb ist, der das Spezialfahrzeug fährt.

In Waiblingen angekommen, lenkt er den Lkw in ein gepflegtes Wohngebiet. Dort wird eine Villa von ihrem neuen Besitzer von Grund auf saniert, inklusive Garten mit Pool. Die Kollegen Max Rieger und Alex Greiner warten bereits auf Armin und lotsen ihn auf die rückwärtige Seite des Grundstücks. Hier fährt er die Stützen und den Kran aus – und wenig später schwebt die Palette mit der Eibe am längst nicht voll ausgefahrenen Kranarm auf das Gelände. Im Gegenzug folgt ein Stapel Betonschalungen. Der Vorgang wiederholt sich zweimal. Die Kollegen packen noch bei der Ladungssicherung mit an, dann setzt sich Armin wieder in sein Multitalent und steuert die nächste zukünftige Oase an.

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Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Datum

9. Juli 2017
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