Schwäbisch Hall VW T1 Pritche 56 Bilder Zoom
Foto: Alexander Fischer

"Schneewittchensarg" von Schwäbisch Hall

VW T1 Pritsche nach 55 Jahren ausgegraben

Nach nunmehr 55 Jahren ist eine von nur 15 eigens für die Bausparkasse Schwäbisch Hall angefertigten VW-Demo-Pritschentransportern aufgetaucht. 1962 war der T1 in Oberbayern verunfallt und an Ort und Stelle vergraben worden.

Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hatte in den 50er Jahren eine Flotte von VW T1-Pritschenwagen, die einen speziellen Aufbau erhielten. Die drei Ladeklappen des Pritschenwagens wurden entfernt und auf der Ladefläche eine große Plexiglasabdeckung montiert. Für die weitere Kühlung des Motors an den hinteren Ecken setzte man die Lüftungsschlitze senkrecht ein und nicht waagerecht, wie es sonst bei Pritschen üblich war.
Unter der schneewittchensargartigen Plexiglaskuppel befanden sich eine Art Diorama mit fünf Beispielhäusern, Grünanlage und Figuren.
 

So tourte Schwäbisch Hall einige Jahre durch die Lande, um Werbung für das Bausparen zu machen. Insgesamt entstand so in den 50er und 60er Jahren eine kleine Flotte dieser Demowagen.

Nachbau bei Meyer-Autodienst

2010, zum 80-jährigen Firmen-Jubiläum, gab Schwäbisch Hall bei der Firma Meyer-Autodienst aus Schwäbisch Hall den Nachbau eines solchen Demowagens in Auftrag. Da der Nachbau bei der Kundschaft so gefragt war,
wurde mittlerweile ein weiterer T1-Pritschenwagen zum Schneewittchensarg hergestellt.

Die Firma Meyer-Autodienst hat diesen Nachbau übrigens anhand eines einzigen vorhandenen Fotos angefertigt. Viele Details mussten im Prinzip erraten und aufs Neue erfunden werden.
 

Tino Ertel und Thomas Turnwald kommen mit ins Spiel

Seit vielen Jahren sind die beiden im wahrsten Sinne verrückt nach alten VW-Bussen - gerne auch VW-Busse, die irgendwo im Wald oder auf der Wiese ihr Dasein fristen. 2017 bekamen sie dann den Tipp, dass in Oberbayern eine solche Haller Pritsche im Wald vergraben liegen sollte.

Etwas skeptisch machten sich die beiden auf den Weg nach Oberbayern.
Tatsächlich sahen Sie dann auch deutlich, dass dort ein VW-Bus zu Grabe getragen wurde.
Kopfüber wurde der Bulli vor gut 55 Jahren, wie sich später herausstellte, an dieser Stelle bestattet. Sie erkannten den Bulli an seinem prägnanten Unterboden, den beiden Längsträgern und den Querstreben, auf denen Boden und Karosserie verschweißt wurden.
Durch die Unachtsamkeit des damaligen Fahrers - er hatte die Handbremse nicht angezogen - setzte sich der Bulli Baujahr 1957 in Bewegung und überschlug sich. Die Fahrerkabine war derart verbogen, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Der Bulli wurde so 1962 an Ort und Stelle ausgeschlachtet und in einer Vertiefung im naheliegenden Wald kopfüber vergraben. Dort ruhte er nun bis 2017 - ganze 55 Jahre.
 
Doch sollte es sich wirklich um einen der legendären Schwäbisch Hall-Busse aus den 50er und 60er Jahren handeln? Da der Bus kopfüber im Waldboden steckte, war es relativ einfach, die hinteren abgerundeten Ecken zu finden und nach kurzem Graben war klar:
ja, es ist eine Schwäbisch Hall-Pritsche - die Lüftungsschlitze sind senkrecht angebracht - und das war nur bei diesem Fahrzeug der Fall.
 
Nun machte sich eine gewisse Hektik breit. Wem gehört der Wald, in dem der Bulli vergraben ist? Darf man den Bulli ausgraben? Was ist noch übrig von ihm - schließlich konnte man ja so nur den Hauptrahmen und die Querstreben, sowie die Hinterachsaufnahme erkennen. Selbst das Getriebe und die Vorderachse waren irgendwann ausgebaut worden, sodass es sich augenscheinlich nur um die Karosserie handelte. Nachdem die Besitzverhältnisse geklärt waren und die Bergeerlaubnis da war, ging es los.
 

Bergung dauerte drei Tage

Es sollten drei Tage werden, bis der Bulli schließlich wieder aus seiner vermeintlich "letzten" Ruhestätte herausgehievt werden konnte. Denn es waren wirklich alle Hohlräume in den 55 Jahren gefüllt worden. Und wer die VW-Bus T1-Pritsche kennt, der weiß, dass der sogenannte "Tresorraum" unter der Ladefläche wirklich sehr viel Fassungsvermögen hat.
 
Beeindruckend war schließlich der unglaublich gute Erhaltungszustand der Karosserie.
Man muss bedenken - 55 Jahre kopfüber in feuchtem Waldboden ist eine harte Bewährungsprobe. Aber seht selber - an vielen Stellen ist die Original-Farbe und das Markenzeichen von Schwäbisch Hall noch richtig gut zu erkennen.
 
Auf der Retro Classics Bavaria am 8.12.2017 wurde die original Schwäbisch Haller-Pritsche nun zum ersten Mal mit ihrem Nachbau-Pendant der Öffentlichkeit vorgestellt.  Ob sie restauriert wird, wissen Tino Ertel und Thomas Turnwald noch nicht - tendenziell eher nicht - denn so, wie sie sich nun darstellt, ist sie defnitiv etwas ganz Besonderes!
 
Die beiden Oberpfälzer (www.bavarian-pickers.com) sind übrigens immer auf der Suche nach alten VW-Bussen und Käfern - und natürlich auch nach Bussen, die irgendwo im Wald stehen oder vergraben sind - da geht es den beiden genau wie mir.

Aufruf

Wenn Ihr von einem Bus im Wald, auf einer Wiese oder in einem Garten wisst, schreibt mich an und sagt mir wo - wer weiß, vielleicht wird euer Hinweis der Startschuss zur nächsten Bergung und dann heißt es wieder: "Ich bin ein Bulli - holt mich hier raus!"

Foto von Alexander Fischer, ETMservices

Autor

Datum

11. Dezember 2017
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