Auf Achse

WMF: Biokraftstoffe im Zwielicht

Foto: Foto: Torsten Zimmermann/WWW.TOZIGRAFIE.DE

Auf dem World Mobility Forum (WMF) in Stuttgart diskutierten Experten die Entwicklung erneuerbarer Energien kontrovers. Mit alternativen Kraftstoffen können Bundesregierung und Kraftfahrer zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen schonen sie die natürlichen Ressourcen, weil die Ölvorräte nicht angezapft werden. Zum anderen tragen sie zum Klimaschutz bei, weil ihre Energiebilanz besser ausfällt. Inzwischen sehen viele die Biokraftstoffe aber in einem anderen Licht, wie beim WMF deutlich wurde. Beispielsweise fällt die CO2-Bilanz oft nicht mehr ganz so günstig aus, wenn man neben dem Spritverbrauch auch die Produktion der Biokraftstoffe betrachtet. Hinzu kommt, dass der Anbau von Pflanzen zur Biospritherstellung die Preise für Lebensmittel in die Höhe getrieben hat. Der Grund: Der Anbau von Spritpflanzen ging zu Lasten von Nahrungspflanzen. In Mexiko etwa seien die Maispreise im Februar vorigen Jahres plötzlich um 40 Prozent gestiegen, berichtete Dr. María Amanda Gálvez Mariscal von der Uni Mexiko. „In 30 Staaten hat es Revolten und Aufstände wegen steigender Preise und mangelnder Verfügbarkeit von Lebensmitteln gegeben“, fügte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hinzu.
Aufgrund dieser Entwicklungen knüpfen die Grünen an den Einsatz von Biokraftstoffen inzwischen Bedingungen. „Wir akzeptieren sie nur noch bei einer günstigen CO2-Bilanz sowie einer effizienten Flächennutzung und Verwendung“, erklärte Palmer. Außerdem müsse es sich um nachwachsende Rohstoffe handeln. Erdgas zum Beispiel kann Palmer nicht Positives abgewinnen, sofern es für den Fahrzeugantrieb und nicht zur Stromerzeugung genutzt wird. Das Gas habe woanders eine höhere Wirksamkeit und werde daher an falscher Stelle eingesetzt, kritisierte Palmer. Der Tübinger OB bedauert es, dass seine Partei in der früheren Bundesregierung die Steuerbefreiung bis 2018 auf den Weg gebracht hat. Dr. Gerhard Holtmeier, Vorstandsmitglied bei der Verbundnetz Gas AG mit Zentrale in Leipzig, verteidigte hingegen die Verwendung von Erdgas im Verkehr. Die CO2-Bilanz falle um 22 Prozent günstiger aus, mische man Bio-Erdgas bei, komme man gar auf 38 Prozent CO2 weniger. Außerdem sei die Versorgung gesichert. Die Verfügbarkeit werde derzeit auf 66 Jahre beziffert. „Rechnen wir die Quellen hinzu, die noch nicht bekannt sind, sind wir bereits bei 160 Jahren.“ Rund 300 Experten von Fahrzeugbauern, Dienstleistern, Forschung und Verwaltung besuchten die von der Motor Presse Stuttgart ins Leben gerufene Veranstaltung.

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